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            <title>Leibniz-Gemeinschaft</title>
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            <description>TOP-Meldungen von Leibniz-Gemeinschaft</description>
            <language>de-DE</language>
            
                <copyright>Leibniz-Gemeinschaft</copyright>
            
            <pubDate>Tue, 13 Oct 2026 14:57:15 +0200</pubDate>
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                        <pubDate>Tue, 13 Oct 2026 10:42:32 +0200</pubDate>
                        <title>Übersehene Talente</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/unerkannte-staerken</link>
                        <description>Jugendliche mit Hauptschulabschluss werden häufig unterschätzt, zeigt eine Studie.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss haben oft unterschätzte Potenziale. Viele erreichen ähnliche Kompetenzen wie Jugendliche mit mittlerem Schulabschluss, ihre Stärken werden jedoch häufig bei der Ausbildungsplatzsuche nicht erkannt. Weniger mangelnde Fähigkeiten als vielmehr die starke Orientierung am Schulabschluss benachteiligt viele Jugendliche. Geringere Bildungsressourcen, Migrationshintergrund und fehlende berufliche Netzwerke der Eltern erschweren den Einstieg zusätzlich. Berufsvorbereitende Maßnahmen verbessern die Ausbildungschancen, sind aber kein Allheilmittel. Besonders wirksam sind die betriebliche Anbindung und das Nachholen eines höheren Schulabschlusses.</p>
<p>Viele Betriebe suchen dringend Auszubildende und passende Nachwuchskräfte. Gleichzeitig verlässt rund jeder vierte Jugendliche die Schule mit höchstens einem Hauptschulabschluss und hat oft Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Ein neuer Transferbericht auf Basis von Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zeigt: Die Gruppe der Jugendlichen mit maximal Hauptschulabschluss ist deutlich heterogener als lange angenommen – viele verfügen über vergleichbare Kompetenzen und Stärken wie Gleichaltrige mit mittlerem Abschluss. Eine Analyse von Anne Christine Holtmann, Laura Menze und Heike Solga zeigt, welche Potenziale bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen häufig übersehen werden und wie Übergänge in Ausbildung erfolgreicher gestaltet werden können<br> <br> Hohe Schulabschlüsse sind heute mehr denn je die Schlüssel für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn. Umso stärker benachteiligt sind Jugendliche, die das Schulsystem ohne oder mit maximal einem Hauptschulabschluss verlassen. Sie haben oftmals Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden und nehmen häufiger an berufsvorbereitenden Maßnahmen teil. Die Gründe für den schwierigen Einstieg in die Arbeitswelt sind aber vielfältiger als angenommen und lassen sich nicht auf fehlenden Leistungswillen oder geringe Kompetenzen reduzieren.</p>
<h6>Vorhandene Stärken und Kompetenzen werden oft übersehen</h6>
<p>Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss pauschale Kompetenzdefizite aufweisen. Tatsächlich handelt es sich um eine sehr heterogene Gruppe, die von der Förderschule bis zum Gymnasium unterschiedliche Schulformen besucht hat. Ein erheblicher Teil der Jugendlichen mit maximal Hauptschulabschluss erreicht im Bereich Mathematik- und Lesekompetenz dieselben Werte, wie Jugendliche mit einem mittleren Bildungsabschluss. Dieses Bild zeigt sich auch bei Persönlichkeitsmerkmalen wie prosozialem Verhalten oder Gewissenhaftigkeit.</p>
<p>Die Autorinnen des Transferberichts beanstanden, dass diese individuellen Stärken zu oft unerkannt bleiben und in beruflichen Auswahlprozessen im Vergleich zur Wahrnehmung des Schulabschlusses nicht ausreichend berücksichtigt werden.</p>
<p>Prof. Dr. Heike Solga, Mitautorin der Studie und Wissenschaftliche Leitung der NEPS-Etappe 6: „Wer nur auf den Schulabschluss schaut, übersieht einen Teil der Talente, die Betriebe dringend brauchen. Unsere Analysen zeigen, dass viele Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss über vergleichbare Kompetenzen und Stärken verfügen wie Gleichaltrige mit mittlerem Abschluss.“</p>
<p>„Selbst dort, wo Jugendliche bessere Mathematik- und Lesekompetenzen mitbringen, verbessert dies ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz oft kaum. Viele Potenziale bleiben dadurch ungenutzt“, so Solga, Direktorin der Abteilung Ausbildung und Arbeitsmarkt am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), weiter.</p>
<p>Die Daten zeigen zudem, dass es vielen Jugendlichen nicht an Motivation mangelt, einen Beruf zu erlernen. So planten 77 % der Jugendlichen mit maximal Hauptschulabschluss nach Verlassen der Schule eine Ausbildung – damit lag ihr Anteil sogar höher als bei Jugendlichen mit mittlerem Bildungsabschluss, von denen viele zunächst einen höheren Schulabschluss anstrebten.</p>
<h6>Der lange Schatten der sozialen Herkunft</h6>
<p>Ein weiterer wichtiger Aspekt für Benachteiligung auf dem Ausbildungsmarkt ist die soziale Herkunft: Welche Ressourcen in Form von Bildungskapital, Berufserfahrungen und beruflichen Netzwerken der Eltern den Jugendlichen bei der Ausbildungsplatzsuche zur Verfügung stehen, hängt maßgeblich von ihrem sozialen Hintergrund ab. Dabei haben etwa doppelt so viele Jugendliche mit Migrationshintergrund maximal einen Hauptschulabschluss wie Jugendliche mit einem mittleren Abschluss.</p>
<p>Auch der Bildungsabschluss der Eltern spielt eine große Rolle. 40 % der Eltern haben selbst maximal einen Hauptschulabschluss und arbeiten zudem eher in Tätigkeiten im unteren Statusbereich des Arbeitsmarktes. Daher können Jugendliche mit maximal einem Hauptschulabschluss, im Vergleich zu jenen mit einem mittleren Bildungsabschluss, bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz seltener auf Erfahrungen und Netzwerke ihrer Eltern zugreifen.</p>
<h6>Mehr als eine Warteschleife: Ausbildungschancen durch Übergangsmaßnahmen</h6>
<p>Chancen bieten vor allem berufsvorbereitende Maßnahmen, die von 76 % der Jugendlichen ohne Schulabschluss und von 41 % der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss besucht werden. Am deutlichsten ist mit 32 Prozentpunkten die Verbesserung für Jugendliche ohne Schulabschluss. Für Jugendliche mit einfachem Hauptschulabschluss steigen die Ausbildungschancen um 15 Prozentpunkte, für Jugendliche mit qualifizierendem Hauptschulabschluss um 8 Prozentpunkte. Die größte Verbesserung (40 Prozentpunkte) konnte für Jugendliche ohne Bildungsabschluss festgestellt werden, die während der berufsvorbereitenden Maßnahmen einen höheren Schulabschluss nachholten.</p>
<p>Zur Verbesserung des Bewerbungserfolgs trug nicht nur die Beteiligung an der Berufsvorbereitung bei. Insbesondere die Anbindung an einen Betrieb in dieser Phase ist erfolgsversprechend. Allgemein kann davon ausgegangen werden, dass Arbeitgeber die Jugendlichen nach einem Jahr oftmals reifer und motivierter wahrnahmen sowie die Jugendlichen selbst über eine bessere Berufsorientierung und ein gezielteres Bewerbungsverhalten verfügten.</p>
<p>Trotz aller positiven Effekte zeigt sich aber auch, dass die Berufsvorbereitung für die Hälfte der Jugendlichen mit maximal Hauptschulabschluss nicht den gewünschten Erfolg hatte. Für sie führte der Weg nach der Maßnahme nicht in eine Ausbildung, sondern in eine weitere Übergangsmaßnahme, in Arbeitslosigkeit oder in eine gering qualifizierte Erwerbstätigkeit.</p>
<h6>Über das NEPS und die Datengrundlage</h6>
<p>Die Auswertungen basieren auf Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS), der größten Langzeit-bildungsstudie Deutschlands. Für den Bericht wurden Daten der NEPS-Startkohorte 4 genutzt, in der seit 2010 rund 12.600 Jugendliche ab der 9. Klasse auf ihrem Bildungsweg begleitet werden. Von diesen sind rund 3.500 Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss, darunter etwas mehr als 800 von Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen. Dank der Überrepräsentation von Hauptschulen und der Einbeziehung von Förderschulen ermöglicht die Studie besonders verlässliche Aussagen über Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss.</p>
<p>Der Transferbericht ist in der Reihe NEPS Forschung kompakt erschienen, die aktuelle Forschungsergebnisse des Nationalen Bildungspanels für Praxis, Politik und Öffentlichkeit aufbereitet. Herausgegeben wird die Reihe vom Netzwerkausschuss des NEPS.</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p>„Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss: Ressourcen, Hürden und Chancen beim Übergang in Ausbildung“ <a href="https://doi.org/10.5157/NEPS:FK03:1.0" target="_new" rel="noreferrer">https://doi.org/10.5157/NEPS:FK03:1.0</a> oder <a href="https://www.lifbi.de/NFK" target="_new" rel="noreferrer">https://www.lifbi.de/NFK</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.lifbi.de/de-de/Start/Wissen-vermitteln/F%C3%BCr-Alle/Neuigkeiten?details=neps-forschung-kompakt-wer-nur-auf-den-schulabschluss-schaut-uebersieht-talente" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Bildungsverläufe</category>
                            
                                <category>Geisteswissenschaften und Bildungsforschung</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7660</guid>
                        <pubDate>Fri, 09 Oct 2026 14:26:00 +0200</pubDate>
                        <title>Praktische Prävention</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/praktische-praevention</link>
                        <description>Erdnüsse können als Teil einer ausgewogenen Ernährung dazu beitragen, das Risiko für Typ-2-Diabetes zu reduzieren und die Stoffwechselgesundheit zu stärken.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Die in Erdnüssen enthaltenen Fettsäuren sind weit mehr als pure Energielieferanten. Forschende des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und der Universität Barcelona haben Daten aus einer Interventions- und einer prospektiven Kohortenstudie kombiniert und erstmalig eine molekulare Handschrift im Lipidprofil (PeLS, Peanut Lipidomic Signature) des Menschen identifizieren können. Die in der Fachzeitschrift The American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass der Verzehr von Erdnüssen die Zusammensetzung der Blutfette nachweislich beeinflussen kann und der PeLS mit einem verringerten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert ist.</p>
<p>Ungesunde Ernährungsgewohnheiten tragen maßgeblich zum weltweiten Anstieg von Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) und Typ-2-Diabetes (T2D) bei. Eine entscheidende Rolle für die Stoffwechselgesundheit spielt dabei die Qualität der Nahrungsfette. So kann eine Reduktion gesättigter Fettsäuren bzw. deren Ersatz durch ungesättigte Fettsäuren Blutfettwerte und Entzündungen verbessern und das Erkrankungsrisiko senken. Während sich herkömmliche Blutfettprofile auf Schlüsselmarker wie Cholesterin konzentrieren, bietet die fortgeschrittene Lipidomik einen umfassenden Überblick über die gesamten im Blut zirkulierenden Fette (Lipidom) und deckt spezifische Veränderungen in den Lipidklassen auf.</p>
<h6>Erdnüsse haben ein außergewöhnliches Fettsäureprofil</h6>
<p>Die Gruppe der gesättigten Fettsäuren ist sehr heterogen. Zu ihr zählen u. a. die mehr als 20 Kohlenstoffatome umfassenden sehr langkettigen gesättigten Fettsäuren, sogenannte VLCSFA (<em>Very Long Chain Saturated Fatty Acids</em>). Diese lösen im Vergleich zu den kürzeren gesättigten Fettsäuren andere Stoffwechselreaktionen im Körper aus. Erdnüsse - die botanisch betrachtet zu den Hülsenfrüchten zählen - gehören zu den wenigen Lebensmitteln, die reich an VLCSFA sind und zusammen mit ihrem hohen Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren ein einzigartiges und unverwechselbares Fettsäureprofil aufweisen.</p>
<p>Bisherige Erkenntnisse aus prospektiven Kohortenstudien zeigen, dass ein erhöhter Erdnussverzehr die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Sterblichkeitsrisiko reduziert. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind bisher jedoch unzureichend erforscht. Insbesondere ist noch unklar, wie sich die durch Erdnüsse ausgelöste Veränderung des Lipidoms auf kardiometabolische Prozesse auswirkt und ob diese Veränderungen einen signifikanten Schutz vor chronischen Erkrankungen bieten.</p>
<h6>Integrativer Forschungsansatz gewährleistet Präzision und Aussagekraft</h6>
<p>In Zusammenarbeit mit Forschenden der Universität Barcelona haben Dr. Inés Domínguez-López und Prof. Matthias Schulze vom DIfE untersucht, wie der Verzehr von Erdnüssen das zirkulierende Lipidprofil im Blut beeinflusst und wie diese Veränderungen das Erkrankungsrisiko für T2D und HKE in Abhängigkeit vom Body Mass Index (BMI) beeinflussen.</p>
<p>Dafür kombinierten sie Daten aus zwei unterschiedlichen Quellen. Zunächst nutzten sie Daten der klinischen Interventionsstudie ARISTOTLE, bei der 63 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 33 Jahren für sechs Monate täglich entweder 25 Gramm in der Schale geröstete Erdnüsse, 32 Gramm Erdnussbutter oder 32 Gramm einer Kontrollbutter mit Erdnussöl konsumierten. Dadurch konnte das Team beobachten, wie sich die Blutfettwerte als Reaktion auf den Verzehr von Erdnüssen veränderten.</p>
<p>Danach kombinierten sie diese Ergebnisse mit Ergebnissen der EPIC-Potsdam-Kohorte, eine groß angelegte Langzeitstudie, in der über 27.000 Personen beobachtet wurden. Dabei wurden Proben und Daten von 774 T2D- und 545 HKE-Neuerkrankungsfällen genutzt.</p>
<h6>Erdnussverzehr hinterlässt molekulare Handschrift im Lipidom</h6>
<p>Die Analyse der Blutfette nach der Ernährungsintervention durch hochauflösende Massenspektrometrie („Deep Lipidomics“) ergab 51 Fettsäure-Muster innerhalb der einzelnen Lipidklassen. Daraus konnten die Forschenden eine Art spezifischen biologischen Fingerabdruck im Blutfettprofil, der so genannten „Peanut Lipidomic Signature“ (PeLS), ableiten.</p>
<p>Der PeLS war durch einen signifikanten Anstieg an VLCSFA, insbesondere von C24:0 und C22:0, gekennzeichnet. „Dabei handelt es sich nicht nur um einen einfachen Anstieg der Fettwerte, sondern um eine komplexe Veränderung des Lipidoms“, erklärt Erstautorin Dr. Inés Domínguez-López. Die VLCSFA werden vorrangig in bestimmte Lipidklassen wie Ceramide eingebaut – ein Prozess, der durch die koordinierte Aktivität spezifischer Enzyme gesteuert wird, die die Fettsäureketten verlängern.</p>
<p>„Durch die Charakterisierung des PeLS haben wir einen potenziellen biologischen Marker entdeckt, der die Qualität von Nahrungsfetten mit Stoffwechselparametern in Verbindung bringt“, erklärt Schulze.</p>
<h6>Die Rolle des BMI</h6>
<p>Um festzustellen, ob die beobachteten Lipidveränderungen mit dem Auftreten von T2D und HKE in Zusammenhang stehen, nutzte das Forscherteam Proben und Daten aus der EPIC-Potsdam-Studie. Dabei stellten sie fest, dass der PeLS mit einem geringeren Risiko für T2D verbunden war, nicht jedoch für HKE. Die DIfE-Forschenden fanden heraus, dass diese T2D-Risikoreduktion weitgehend durch den BMI bedingt ist. Domínguez-López betont: „Das deutet darauf hin, dass die positiven metabolischen Effekte der in Erdnüssen enthaltenen Fette zu einem gesünderen Körpergewicht beitragen oder Stoffwechselprozesse im Zusammenhang mit Adipositas stabilisieren könnten.“</p>
<h6>Erdnüsse als Bestandteil einer gesunden Ernährung</h6>
<p>Die Studienergebnisse unterstützen eine praktische und leicht umsetzbare Ernährungsstrategie, denn im Gegensatz zu vielen teuren „Superfoods“ sind Erdnüsse ein weit verbreitetes und erschwingliches Nahrungsmittel. Die Identifizierung des spezifischen Lipidprofils legt nahe, dass Erdnüsse als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung eine effektive Strategie zur Vorbeugung von Typ-2-Diabetes und zur Stärkung der metabolischen Gesundheit darstellen können.</p>
<h6>Publikation</h6>
<p>Domínguez-López, I., Eichelmann, F., Parilli-Moser, I., Hurtado-Barroso; S., Lamuela-Raventós, R. M., Schulze, M. B.: <a href="https://doi.org/10.1016/j.ajcnut.2026.101527" target="_blank" rel="noreferrer">Peanuts-derived plasma lipids and lower risk of type-2 diabetes: Association mediated by body mass index. An intervention and case-cohort study.</a> Am. J. Clin. Nutr. 124 (5), 101527 (2026).</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.dife.de/news/meldungen/details-meldungen/erdnussverzehr-beeinflusst-lipidprofil-im-blut-583/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des DeutscheN Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Deutsches Institut für Ernährungsforschung</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7659</guid>
                        <pubDate>Fri, 09 Oct 2026 13:02:00 +0200</pubDate>
                        <title>Erst Gemüse, dann Kohlenhydrate?</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/erst-gemuese-dann-kohlenhydrate</link>
                        <description>Viele Menschen berichten von stabileren Blutzuckerwerten durch die&amp;nbsp;bewusste Reihenfolge beim Essen. Das sogenannte&amp;nbsp;Meal Sequencing ist bislang jedoch kaum wissenschaftlich belegt.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Meal Sequencing, also die bewusste Reihenfolge beim Verzehr von Lebensmitteln, hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Viele Personen berichten beispielsweise in sozialen Medien von stabileren Blutzuckerwerten und allgemeinen Gesundheitsvorteilen, insbesondere für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Doch lassen sich diese Effekte wissenschaftlich belegen? Das haben sich Forschende des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) in einer systematischen Übersichtsarbeit genauer angeschaut. Ihr Fazit: Die Reihenfolge der Lebensmittel kann den kurzfristigen Verlauf von Blutzucker- und Insulinspiegel nach einer Mahlzeit beeinflussen. Allerdings ist die Evidenz hierfür bislang begrenzt.</p>
<p>Bestandteile einer Mahlzeit in einer bestimmten Reihenfolge essen: Das ist das Prinzip von Meal Sequencing. Zum Beispiel werden zuerst Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index verzehrt, insbesondere Gemüse oder Salat, bevor kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Brot, Reis, Kartoffeln oder Nudeln mit einem höheren glykämischen Index folgen. Diese Reihenfolge soll den Blutzuckeranstieg nach dem Essen abflachen und könnte daher laut Stimmen aus dem Gesundheits- und Ernährungsbereich auch im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes von Interesse sein.</p>
<p>Der vermutete Mechanismus hinter dem Prinzip, Gemüse vor Kohlenhydraten zu essen, lässt sich durch die im Gemüse enthaltenen Ballaststoffe erklären. Gelangen diese zuerst in den Magen-Darm-Trakt, kann das die Aufnahme von Glukose, also Zucker, verlangsamen, die in Kohlenhydraten enthalten ist. Wie gut diese Annahme wissenschaftlich belegt werden kann, haben Forschende des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) in einer systematischen Übersichtsarbeit untersucht und dafür 18 randomisierte kontrollierte Studien mit Erwachsenen ausgewertet, die den strengen Auswahl- und Qualitätskriterien des Teams entsprachen.</p>
<h6>Ergebnis: Blutzucker steigt durch bestimmte Reihenfolge direkt nach dem Essen zunächst weniger stark an</h6>
<p>Die Ergebnisse zeigen, dass der Blutzucker 30 sowie 60 Minuten nach dem Essen zunächst geringer ansteigt, wenn Gemüse vor den Kohlenhydraten verzehrt wird. Doch nach etwa 120 Minuten haben die Personen, die nicht diese Reihenfolge einhalten, sogar wieder niedrigere Blutzuckerwerte als die Personen, die nach dem Prinzip des Meal Sequencings essen. Auch der Insulinspiegel verläuft zunächst niedriger, steigt im weiteren Verlauf jedoch stärker an, was darauf hindeuten könnte, dass der Körper später mehr Insulin ausschüttet, um den verzögert ansteigenden Blutzucker auszugleichen. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Reihenfolge der Lebensmittel die Stoffwechselreaktion auf eine Mahlzeit kurzfristig beeinflussen kann. Der Effekt zeigt sich allerdings nicht in einem dauerhaft niedrigeren Blutzuckerspiegel. Vielmehr kann sich der zeitliche Verlauf von Blutzucker- und Insulinspiegel verändern“, erklärt Katharina Kampmann-Gongoll, Ernährungswissenschaftlerin am Institut für Biometrie und Epidemiologie am DDZ.</p>
<p>Auch für den Nüchternblutzucker sowie den Langzeitblutzucker (HbA1c), also das „Blutzuckergedächtnis“, gibt es erste Hinweise auf einen möglichen Effekt. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sanken beide Werte in der Gruppe, die Gemüse vor den Kohlenhydraten aß, stärker als in der Vergleichsgruppe. Allerdings stützt sich dieser Befund auf eine einzelne Studie, die Menschen mit Typ-2-Diabetes untersucht hatte. Diese Studie weist zudem methodische Einschränkungen auf. Beim Langzeitblutzucker war zudem die Gemüsemenge zwischen den Gruppen nicht identisch, sodass nicht eindeutig festgestellt werden kann, ob die beobachtete Veränderung tatsächlich auf die Reihenfolge der Lebensmittel oder auf den insgesamt höheren Gemüsekonsum zurückzuführen ist.</p>
<h6>Aussagekraft der Ergebnisse begrenzt – vor allem für Menschen mit Typ-2-Diabetes</h6>
<p>Eine generelle Empfehlung für Meal Sequencing lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten, besonders nicht für Menschen mit Typ-2-Diabetes, betont Dr. Alexander Lang, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Biometrie und Epidemiologie: „Die Studien hatten häufig wenige Teilnehmende und haben unterschiedliche Gemüsesorten in unterschiedlichen Reihenfolgen getestet. Zudem wurden die meisten Studien in Japan durchgeführt, häufig mit jungen, gesunden Personen. Da die Blutzuckerreaktion auf eine Mahlzeit zwischen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich verlaufen kann, lassen sich die Befunde nicht ohne Weiteres auf andere Personengruppen übertragen, etwa auf ältere Menschen oder Menschen mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes.“</p>
<p>Professor Michael Roden, wissenschaftlicher Geschäftsführer und Sprecher des Vorstands des DDZ sowie Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, weist auf die Relevanz weiterer Faktoren in der Ernährung hin, die den Blutzuckerspiegel und damit den Verlauf des Typ-2-Diabetes wissenschaftlich gesichert beeinflussen: „Wichtig ist neben der Qualität der Lebensmittel und der Zusammensetzung von Mahlzeiten auch die passende Kalorienzufuhr – und eine Kalorienreduktion bei Übergewicht.“ Um künftig praxisnahe Empfehlungen ableiten zu können, wären aus Sicht der Forschenden Studien hilfreich, die einheitliche Messmethoden verwenden und mehr Menschen mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes sowie aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen einbeziehen.</p>
<h6><strong>Originalpublikation</strong></h6>
<p><strong>Titel:</strong> Effect of eating vegetables before carbohydrates on glucose, insulin and glycemic control – A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials<br> <strong>Autoren:</strong> Kampmann-Gongoll, K., Schlesinger, S., Noreik, M., Kuss, O., Lang, A.<br> <strong>Journal:</strong> Clinical Nutrition<br> <strong>Doi:</strong> <a href="https://www.clinicalnutritionjournal.com/article/S0261-5614(26)00202-5/abstract" target="_blank" rel="noreferrer">www.doi.org/10.1016/j.clnu.2026.106775</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt&nbsp;</h6>
<p><a href="https://ddz.de/erst-gemuese-dann-kohlenhydrate-beeinflusst-die-reihenfolge-beim-essen-den-blutzucker/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Deutschen Diabetes-Zentrums - Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (DDZ) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Deutsches Diabetes-Zentrum - Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf</category>
                            
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                        <pubDate>Thu, 08 Oct 2026 14:20:00 +0200</pubDate>
                        <title>Neue Tools, alte Hürden</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/neue-tools-alte-huerden</link>
                        <description>KI verändert die Recherchepraxis von Studierenden.&amp;nbsp;Eine Studie sieht steigenden Bedarf, Informations- und KI-Kompetenz gemeinsam zu vermitteln.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Generative KI verändert die Art und Weise, wie Studierende wissenschaftlich recherchieren. Eine bundesweite Befragung der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft unter 908 Wirtschaftsstudierenden zeigt, dass generative KI-Anwendungen wie insbesondere ChatGPT längst Teil der Recherchepraxis sind. Zugleich bleiben klassische Probleme wie Quellenbewertung und Volltextzugang bestehen. Trotz intensiver KI-Nutzung ist das Risikobewusstsein hoch. Die Studie sieht deshalb einen wachsenden Bedarf, Informationskompetenz und KI-Kompetenz gemeinsam zu vermitteln.</p>
<p>Generative KI ist im Studienalltag angekommen und verändert zunehmend auch die wissenschaftliche Recherche. Das zeigt eine aktuelle Studie der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft unter 908 Studierenden wirtschaftswissenschaftlicher Fächer an deutschen Hochschulen. 92 Prozent der Befragten nutzen KI-basierte Werkzeuge bewusst im Studium. 65 Prozent der Studierenden mit eigener Rechercheerfahrung setzen generative KI-Anwendungen wie ChatGPT gelegentlich für die Literatursuche ein.</p>
<p>Die klassische Internetrecherche mit Google Scholar und Google bleibt dennoch der wichtigste Rechercheweg in der täglichen Arbeit der Studierenden. Gleichzeitig spielt die Suche in spezialisierten wirtschaftswissenschaftlichen Fachdatenbanken eine deutlich geringere Rolle. Nur 41 Prozent nutzen sie zumindest gelegentlich. Die Studie zeigt damit eine klare Präferenz für leicht zugängliche und breit einsetzbare Systeme.</p>
<p>Auffällig ist die Kombination aus intensiver Nutzung und hohem Problembewusstsein. 92 Prozent der Befragten sehen das Risiko falscher oder halluzinierter KI-Ergebnisse, 70 Prozent befürchten eine zu starke Abhängigkeit von KI und eigenes „Deskilling“. Zugleich bestehen klassische Rechercheprobleme unter den Studierenden aller Studienphasen fort. 63 Prozent empfinden den Zugang zu Volltexten als schwierig, 54 Prozent haben Schwierigkeiten, die Relevanz von Recherchetreffern einzuschätzen.</p>
<p>Der Unterstützungsbedarf unter den Studierenden ist entsprechend hoch. 92 Prozent halten Informationen zum richtigen Zitieren und zur Plagiatsvermeidung für wichtig, 90 Prozent die Identifikation vertrauenswürdiger Quellen und 81 Prozent Anleitungen für den Einsatz von KI bei der Literatursuche.</p>
<p>„Generative KI verändert nicht nur die Werkzeuge, sondern zunehmend auch den Ablauf wissenschaftlicher Recherche“, sagt Dr. Tamara Pianos, Leiterin der Informationsvermittlung an der ZBW. „Für Hochschulen und Bibliotheken ist es deshalb wichtig, beispielsweise in Schulungen zum wissenschaftlichen Arbeiten zu vermitteln, welche Fallstricke es geben kann, wie Informationen eingeordnet werden können und wer bei Fragen unterstützen kann. Viele Aspekte werden durch die Nutzung von KI-Tools zwar verschärft, sie sind aber prinzipiell nicht neu. Es bleibt also wichtig, eigenes Fachwissen aufzubauen, um einen Referenzrahmen zu haben und vor diesem Hintergrund Informationen kritisch prüfen zu können.“</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p><a href="https://www.econstor.eu/handle/10419/342604" target="_blank" class="download" rel="noreferrer">Download der Studie</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.zbw.eu/de/ueber-uns/zbw-aktuell/meldung/zwischen-google-scholar-und-chatgpt-wie-wirtschaftsstudierende-heute-recherchieren" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Thu, 08 Oct 2026 11:35:18 +0200</pubDate>
                        <title>Keramik als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/keramik-erzaehlt-geschichte</link>
                        <description>Ein mathematisches Modell belegt: Keramikfunde aus der Jungsteinzeit können wertvolle Informationen über soziale Dynamiken liefern.


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                        <content:encoded><![CDATA[<p>Wiederkehrende Phasen von Zunahme und Verfall gesellschaftlicher Komplexität werden als soziale Zyklen bezeichnet. Doch wodurch werden sie ausgelöst? Und wie lassen sie sich anhand archäologischer Funde erkennen? Diesen Fragen gehen Dr. Aleksandr Diachenko, Wissenschaftler am Institut für Archäologie der ukrainischen NAS, und Prof. Dr. Detlef Gronenborn, stellvertretender Leiter des Kompetenzbereichs „Vorgeschichte“ am LEIZA und außerplanmäßiger Professor an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz, in ihrer Studie „Social dynamics signals in archaeological time-series: How cultural transmission and production biases shape assemblage diversity“ nach.</p>
<h6>Keramik als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen</h6>
<p>Für ihre Untersuchung wählten die Wissenschaftler Keramik aus – ein Material, das in großer Zahl und über lange Zeiträume hinweg erhalten geblieben ist. In solchen Datensätzen können Veränderungen bei Formen und Verzierungen Hinweise darauf geben, wie sich die dahinterstehenden Gesellschaften verändert haben. Überprüft haben die Forscher den Algorithmus an Tausenden von Keramikscherben aus Deutschland und der Ukraine. „Für unsere Forschung haben wir ein mathematisches Modell entwickelt, das beschreibt, wie sich die Organisation und Intensität der Keramikproduktion auf Entwicklungen des Stils auswirken kann. Darüber hinaus zeigt es aber ebenfalls, wie sich Keramikstile durch menschlichen Informationsaustausch und Bevölkerungswachstum verändern“, berichtet Diachenko.&nbsp;</p>
<h6>Zwei Regionen, vielschichtige Entwicklungen</h6>
<p>Zwei empirische archäologische Fallstudien verdeutlichen diese Zusammenhänge: Eine nimmt Keramik aus Südwestdeutschland der sogenannten Linienbandkeramischen Kultur (LBK) vor etwa 7.000 Jahren in den Blick, die andere Funde aus der Zentralukraine der westlichen Trypillia-Kultur vor rund 6.000 Jahren. In beiden Fällen zeigen sich Phasen starken Bevölkerungswachstums und anschließenden Rückgangs – ein typisches Muster früher bäuerlicher Gesellschaften der Jungsteinzeit in Europa. Jedoch nahm in Südwestdeutschland mit wachsender gesellschaftlicher Komplexität zunächst die Vielfalt der Keramikverzierungen zu und ging anschließend wieder zurück. In der Zentralukraine verlief die Entwicklung umgekehrt: Mit zunehmender gesellschaftlicher Komplexität wurde die Keramik einheitlicher. Ursache war hier eine Spezialisierung des Handwerks.</p>
<h6>Muster gesellschaftlichen Verhaltens</h6>
<p>„Wir beginnen gerade erst, die Komplexität des Verhaltens vergangener Gesellschaften zu verstehen. Die Verknüpfung von Keramik- und Bevölkerungszeitreihen ist dabei sehr hilfreich. Bevor wir jedoch belastbare Schlussfolgerungen ableiten können, müssen wir die zugrunde liegenden Mechanismen gut verstehen. Dazu möchten wir mit unserer Studie beitragen“, erklärt Diachenko, der sich auf anthropologische Archäologie und mathematische Modelle in der Jungsteinzeit spezialisiert hat.</p>
<p>„Frühbäuerliche Gesellschaften der Jungsteinzeit zeigen Muster gesellschaftlichen Verhaltens, die uns helfen zu verstehen, wie Gesellschaften auf Veränderungen ihrer Bevölkerungsgröße, ihrer Arbeitsorganisation und ihres Austauschs von Wissen reagieren“, fasst Gronenborn zusammen. „Langfristig könnten sich daraus Erkenntnisse ableiten lassen, die auch für heutige Gesellschaften in einer globalisierten Welt relevant sind.“</p>
<p>Die Studie sowie die Publikation wurde teilweise durch das Projekt „Nested Non-Linear Dynamics of the Prehistoric Past“ im Rahmen des Stipendienprogramms „Documenting, Recording and Saving Ukrainian Archaeological Heritage“ des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), Berlin, ermöglicht.</p>
<h6>Publikation</h6>
<p>Aleksandr Diachenko &amp; Detlef Gronenborn (2026), Social dynamics signals in archaeological time-series: How cultural transmission and production biases shape assemblage diversity, PLoS One 21(10): e0358135.</p>
<p><a href="https://doi.org/10.1371/journal.pone.0358135" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1371/journal.pone.0358135</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.leiza.de/presse/details-pressmeldungen/was-keramikscherben-ueber-den-wandel-von-gesellschaften-erzaehlen" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Zentrum für Archäologie</category>
                            
                                <category>Geisteswissenschaften und Bildungsforschung</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Tue, 06 Oct 2026 12:25:30 +0200</pubDate>
                        <title>Verbindliche Ziele</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/ifo-bildungsbarometer-2026</link>
                        <description>Verpflichtendes Vorschuljahr, einheitliche Bildungsziele, Sprachtests: Die Deutschen wünschen sich mehr Verbindlichkeit in der frühkindlichen Bildung. Das zeigt das ifo Bildungsbarometer 2026.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Eine deutliche Mehrheit der Deutschen spricht sich für mehr verpflichtende Maßnahmen bei der frühkindlichen Bildung aus: 72 Prozent halten ein verpflichtendes Vorschuljahr für geboten, 79 Prozent wollen bundesweit einheitliche verbindliche Bildungsziele. Eine überwältigende Mehrheit (89 Prozent) stimmt zudem für verpflichtende Sprachtests im Alter von viereinhalb Jahren. Das zeigt das ifo Bildungsbarometer 2026. „Frühkindliche Bildung legt wichtige Grundlagen für die kognitive, sprachliche, soziale und emotionale Entwicklung von Kindern“, sagt Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik. „Deshalb ist es wichtig, dass alle Kinder eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung erfahren.“</p>
<p>Eltern und Gesamtbevölkerung stellen den Kitas vor Ort im ifo Bildungsbarometer ein gutes Zeugnis aus: 53 Prozent der Deutschen vergeben die Noten 1 oder 2, unter den Eltern sind es sogar 65 Prozent. Damit ergibt sich eine Durchschnittsnote von 2,27 bei den Eltern und von 2,52 bei der Gesamtbevölkerung. „Interessanterweise werden die Kitas vor Ort deutlich positiver beurteilt als die Kitas in ganz Deutschland“, sagt Co-Autorin Katharina Wedel.&nbsp;</p>
<p>Über die Hälfte (56 Prozent) der Eltern gibt an, dass sie nur wenige Schwierigkeiten hatten, einen Kita-Platz zu finden. Allerdings berichtet auch ein knappes Viertel von vielen Schwierigkeiten. Der Mangel an Kita-Plätzen sowie ein schlechter Betreuungsschlüssel werden von den Befragten als dringendste Probleme angesehen. Angesichts dieses Betreuungsmangels sprechen sich über drei Viertel dafür aus, dass Familien mit alleinerziehendem Elternteil oder Vollzeit arbeitenden Eltern bei der Kita-Platzvergabe bevorzugt werden.</p>
<p>Um mehr Kita-Fachkräfte zu gewinnen, befürworten die Befragten eine höhere Bezahlung des Kita-Personals und weniger bürokratischen Aufwand in Kitas. Große Mehrheiten sind für mehr Männer und Quereinsteigende unter den Kita-Fachkräften. „Etwa drei Viertel der Befragten sind zudem für steigende Ausgaben für Kitas“, sagt ifo-Forscherin Vera Freundl. Gesamtbevölkerung und Eltern sind gespalten, ob der Einsatz digitaler Medien bei der pädagogischen Arbeit die Entwicklung der Kinder positiv oder negativ beeinflusst.</p>
<p>Für das ifo Bildungsbarometer 2026 wurden im Mai und Juni 3.033 Personen (18–69 Jahre) sowie 965 Eltern mit Kindern im Alter von bis zu sechs Jahren in Deutschland repräsentativ befragt.&nbsp;</p>
<h6>Publikationen</h6>
<p><a href="https://www.ifo.de/publikationen/2026/aufsatz-zeitschrift/bildungsbarometer-2026-fruehkindliche-bildung-deutschland" target="_blank" rel="noreferrer">ifo Bildungsbarometer 2026 „Frühkindliche Bildung in Deutschland: Was denken Eltern und Gesamtbevölkerung?“ von Katharina Wedel, Vera Freundl, Sofía Gómez, Franziska Pfaehler und Ludger Wößmann.</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.ifo.de/fakten/2026-10-06/ifo-bildungsbarometer-2026" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des ifo Instituts - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>ifo Institut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Tue, 06 Oct 2026 10:28:36 +0200</pubDate>
                        <title>Resiliente Infrastruktur</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/resiliente-infrastruktur</link>
                        <description>DFG und EU fördern den Aufbau belastbarer Dateninfrastrukturen – als Grundlage für Forschung, Innovation und digitale Souveränität in Deutschland und Europa.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft erhält rund 2,2 Millionen Euro Drittmittel für fünf Projekte zum Aufbau resilienter Forschungsdateninfrastrukturen in Deutschland und Europa. Ziel ist es, Forschungsdaten und digitale Dienste über Institutions- und Ländergrenzen hinweg besser zu vernetzen und dauerhaft nutzbar zu machen.</p>
<p>Forschungsdateninfrastrukturen sind eine Voraussetzung für digitale, datenintensive und KI-gestützte Wissenschaft. Damit sie langfristig tragfähig, souverän und resilient sind, müssen Daten und Dienste zuverlässig verfügbar, nachhaltig betrieben und nach klaren Regeln vertrauenswürdig nutzbar sein. Zugleich müssen sie dort, wo es für Forschung und Innovation sinnvoll und erforderlich ist, über unterschiedliche Systeme, Fachcommunities und Länder hinweg miteinander verbunden sein. Genau an dieser Schnittstelle engagiert sich die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Sie ist eine sozio-technologische Schaltstelle im Ökosystem der Forschungsdateninfrastrukturen.<br> <br> Jetzt bekommt die ZBW von der DFG und der EU für die kommenden drei Jahre rund 2,2 Millionen Euro Drittmittel für fünf Vorhaben: BERD@NFDI II, NFDI4DataScience II, KGI4NFDI, EOSC-Connect und den Aufbau des EOSC Node Germany. Mit diesen Mitteln arbeitet die ZBW gemeinsam mit Partnern daran, Forschungsdaten und digitale Dienste in Deutschland und Europa besser miteinander zu vernetzen. Ziel ist eine belastbare, offene Forschungsdateninfrastruktur, auf die Wissenschaft langfristig verlässlich zugreifen kann, als Grundlage für Forschung, Innovation und digitale Souveränität.<br> <br> Besonders relevant ist diese Entwicklung für KI-gestützte Forschung. Wenn Publikationen, Forschungsdaten und Analysewerkzeuge miteinander verknüpft bereitgestellt werden, bleibt nachvollziehbar, auf welcher Datengrundlage und mit welchen Methoden wissenschaftliche Ergebnisse entstanden sind. Solche transparenten Daten- und Informationsketten schaffen eine wichtige Grundlage für vertrauenswürdige KI in der Wissenschaft.<br> <br> Prof. Dr. Klaus Tochtermann, Direktor der ZBW und Präsident der EOSC Association, erklärt: „Resiliente Forschungsdateninfrastrukturen entstehen nicht durch eine einzige zentrale Plattform, sondern durch verteilte Kompetenz, gemeinsame Standards und verlässliche Verbindungen. Unsere Projekte greifen genau hier ineinander und schaffen damit wesentliche Grundlagen für Innovation, evidenzbasierte Entscheidungen und digitale Souveränität.“</p>
<h6>Podcast</h6>
<p><a href="https://podcast.zbw.eu/fos/2026/10/05/fos-63-verlaessliche-infrastrukturen-fuer-die-wissenschaft/" target="_blank" rel="noreferrer">Podcastfolge mit Prof. Dr. Klaus Tochtermann zum Thema „Verlässliche Infrastrukturen für die Wissenschaft“</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://podcast.zbw.eu/fos/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft</a></p>

]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Projekte</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Mon, 05 Oct 2026 11:29:27 +0200</pubDate>
                        <title>Leibniz stärkt Spitzenforschung</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/leibniz-gemeinschaft-an-vier-neuen-exzellenzstandorten-beteiligt</link>
                        <description>Deutschland hat fünf neue Exzellenzstandorte. 13 Leibniz-Institute sind als Partner beteiligt und stärken Spitzenforschung und internationale Sichtbarkeit.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Die Exzellenzkommission hat in der zweiten Wettbewerbsrunde der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern fünf neue Exzellenzstandorte ausgewählt. Damit werden ab Januar 2027 insgesamt 15 Exzellenzuniversitäten und -verbünde gefördert.</p>
<p>Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick, gratulierte den neu ausgewählten Universitäten und Verbünden und betonte die weitreichende Wirkung des Wettbewerbs: „Spitzenforschung braucht die ganze Universität – von der&nbsp;Lehre über den Transfer bis zu den Karrierewegen. Wer international an der Spitze mitwirken will, muss das heute zusammendenken. Der Wettbewerb hat auch in dieser Runde eine Dynamik erzeugt und internationale Strahlkraft gebracht, die weit über die ausgewählten Standorte hinauswirkt. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir fortschreiben. Dafür werden wir die Wirkungen gründlich evaluieren und das Programm konsequent weiterentwickeln.“</p>
<p>Bereits im März 2026 war die Förderung von zehn bestehenden Exzellenzstandorten verlängert worden. Für die zweite Förderphase stehen damit insgesamt 208 Millionen Euro jährlich für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten zur Verfügung.</p>
<p>Neu ausgewählt wurden (in alphabetischer Reihenfolge):</p>
<ul> 	<li>Universität Freiburg</li> 	<li>Friedrich-Schiller-Universität Jena</li> 	<li>Universität zu Köln</li> 	<li>Rhein-Main-Universitäten (Technische Universität Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Johannes Gutenberg-Universität Mainz)</li> 	<li>Ruhr Innovation Lab (Ruhr-Universität Bochum, Technische Universität Dortmund)</li> </ul>
<p>Ein Grund zu feiern, auch für die Leibniz-Gemeinschaft: An vier der fünf neu ausgewählten Exzellenzstandorte sind 13 Leibniz-Institute als Partner eingebunden.</p>
<ul> 	<li>An der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind dies das Hans-Knöll-Institut (HKI), das Leibniz-Institut für Alternsforschung (FLI) und das Leibniz-Institut für Photonische Technologien (IPHT), die Partner im bestehenden Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ sind.<br> 	&nbsp;</li> 	<li>An der Universität zu Köln ist das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) am Exzellenzcluster „CEPLAS“ beteiligt.<br> 	&nbsp;</li> 	<li>Mit den Rhein-Main-Universitäten arbeiten das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), das PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF), die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) und das Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE (SAFE) zusammen.<br> 	&nbsp;</li> 	<li>Im Ruhr Innovation Lab sind das Deutsche Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen (DBM), das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo), das Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften – ISAS e.V. (ISAS) und das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) als Partner assoziiert.</li> </ul>
<p>Die diesjährige Auswahl der neuen Exzellenzstandorte stärkt die internationale Sichtbarkeit des deutschen Wissenschaftssystems sowie die Entwicklung der ausgewählten Universitäten und Verbünde. Zugleich zeigt sie, wie Leibniz-Institute als starke Partner zur Spitzenforschung in Deutschland beitragen.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung-nr-40" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Wissenschaftsrats (WR) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>Gemeinschaft</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Mon, 05 Oct 2026 10:36:00 +0200</pubDate>
                        <title>Podcast &quot;Tonspur Wissen&quot;: Deutsche Einheit</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/podcast-tonspur-wissen-deutsche-einheit</link>
                        <description>Reint E. Gropp zieht Bilanz: Wie groß sind die Unterschiede zwischen Ost und West 36 Jahre nach der Wiedervereinigung?</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>36 Jahre sind Bundesrepublik und DDR nun wieder vereint. Und doch wird noch immer gestritten&nbsp;– um Finanztransfers und Rentenpunkte, um Straßenbau und Entwicklungschancen. Wie steht es heute um die Deutsche Einheit? In dieser <a href="https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/podcasts/podcast-tonspur-wissen/driften-ost-und-west-wieder-auseinander" target="_blank">Podcast-Folge</a> zieht Ursula Weidenfeld mit <a href="https://www.iwh-halle.de/ueber-das-iwh/team/detail/reint-e-gropp" target="_blank" rel="noreferrer">Reint E. Gropp</a> vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle Bilanz: Was trennt Ost und West noch&nbsp;– und welche überraschenden Gemeinsamkeiten gibt es?</p>
<h6><strong>Podcast „Tonspur Wissen“</strong></h6>
<p>Der Podcast „Tonspur Wissen“ der Leibniz-Gemeinschaft wird gemeinsam mit der Rheinischen Post präsentiert. Das Format soll Wissenschaft anschaulich und verständlicher machen. Ziel ist es, aktuelle Themen mit Forschungsergebnissen zu verbinden. Moderiert wird der Podcast von Ursula Weidenfeld. Die Wirtschaftswissenschaftlerin und ehemalige Chefredakteurin der Zeitschrift „Impulse“ möchte mit ihren Fragen eine Brücke zwischen Alltagswelt und Spitzenforschung bauen. „Wir haben es verdient, Wissenschaft gut erklärt zu bekommen“, sagt sie. „Und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verdienen es, dass wir uns für ihre Arbeit interessieren.“</p>
<p><a href="https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/neues/mediathek/podcast-tonspur-wissen" target="_blank" class="internal">Zum Podcast "Tonspur Wissen"</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle</category>
                            
                                <category>Gemeinschaft</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Fri, 02 Oct 2026 15:46:00 +0200</pubDate>
                        <title>Spatenstich in Cottbus</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/spatenstich-in-cottbus</link>
                        <description>Leibniz erhält einen neuen Standort im Lausitz Science Park: Mikroelektronik, innovative Materialsysteme und künstliche Intelligenz sollen dort künftig zusammengedacht werden.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Mit einem gemeinsamen Spatenstich haben das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Fraunhofer-Gesellschaft und das IHP – Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik am 1. Oktober 2026 die Erschließung des neuen Forschungscampus im Lausitz Science Park begonnen. Auf dem 51.000 Quadratmeter großen Areal errichten die drei Partner in den kommenden Jahren jeweils eigene Gebäude. Das IHP plant dort ein Büro- und Laborgebäude, das als Leibniz-Standort angelegt ist und rund 140 Arbeitsplätze bieten soll. Die Fertigstellung ist für Ende 2029 angesetzt.<br> <br> Am Standort Cottbus will das IHP Forschungsthemen bearbeiten, bei denen Mikroelektronik, innovative Materialsysteme und künstliche Intelligenz zusammenwirken, etwa intelligente Edge-Systeme, die Mikroelektronik und KI verbinden, verteilte Sensorik und neue Materialsysteme für sensorische Anwendungen. Die Labore sind für Materialanalytik, für Sensorik und eingebettete Systeme sowie für Biomaterialien im Gesundheitsbereich vorgesehen, ein weiteres dient dem Aufbau von Systemen und Demonstratoren. Die Hälfte des Gebäudes nutzt das IHP für den eigenen Bedarf; die andere Hälfte steht weiteren Instituten der Leibniz-Gemeinschaft als dauerhafte oder projektbezogene Anlaufstelle offen. So können mehrere Institute unter einem Dach interdisziplinär forschen.<br> <br> Das IHP ist seit 1998 in Cottbus aktiv, mit gemeinsamen Professuren, einem Joint Lab und einem Joint Research Center an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). Seit 2023 unterhält es zudem einen eigenen Standort in der Cottbuser Nordstraße, wo es bis zum Einzug in den Neubau sein Team aufbaut. Den Strukturwandel unterstützt es durch die Beteiligung an den Strukturstärkungsprojekten iCampus, OASYS und AI-DISCO; AI-DISCO hat das IHP selbst initiiert und führt es als Konsortialleiter. Am künftigen Campus wird das Institut direkter Nachbar von BTU, DLR und Fraunhofer und will dort gemeinsame Forschung entlang der Profillinien der BTU und des Lausitz Science Parks betreiben. Für die Region kann die Ansiedlung Anknüpfungspunkte für weitere Forschungseinrichtungen und für Unternehmen aus der Wirtschaft schaffen, auch überregional.<br> <br> „Viele Fragen, an denen wir heute arbeiten, lassen sich innerhalb einer einzelnen Disziplin nicht mehr beantworten. Sensorsysteme für die Medizin etwa brauchen Mikroelektronik, Materialforschung und KI zugleich“, sagt Prof. Dr.-Ing. Gerhard Kahmen, Wissenschaftlich-Technischer Geschäftsführer des IHP. „Mit dem Neubau bringen wir diese Fächer unter ein Dach, direkt neben der BTU und unseren Partnern auf dem Campus. Was wir hier erforschen, soll in der Lausitz angewendet werden und wird wichtige Impulse für den Strukturwandel geben.“<br> <br> Die Erschließung des Forschungscampus wird gefördert durch den Bund aus Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregionen und kofinanziert aus Mitteln des Landes Brandenburg.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.ihp-microelectronics.com/de/news/news-detailansicht/ihp-plant-eigenes-leibniz-gebaeude-in-cottbus" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für innovative Mikroelektronik (IHP)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik</category>
                            
                                <category>Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften</category>
                            
                                <category>Projekte</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Thu, 01 Oct 2026 14:25:28 +0200</pubDate>
                        <title>Ambivalentes Mikrobiom</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/ambivalentes-darmmikrobiom</link>
                        <description>Forschende weisen nach, wie die Stoffwechselaktivität von Darmbakterien den Erfolg von Immuntherapien fördert oder hemmt.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Immuntherapien, insbesondere die CAR-T-Zelltherapie, haben die Krebsbehandlung in den vergangenen Jahren vor allem bei bestimmten Formen von Leukämien und Lymphomen grundlegend verändert. Dennoch sprechen nicht alle Tumore gleichermaßen auf die Behandlung an. Warum das so ist und wie sich der Therapieerfolg etwa durch das Darmmikrobiom gezielt verbessern lässt, ist häufig unklar. Eine neue multizentrische Studie der LIT-Kooperationsgruppe „Innate Immunstimulation bei Krebs und Transplantationen“ zeigt nun, dass nicht allein die Zusammensetzung der Darmbakterien über den Erfolg einer CAR-T-Zelltherapie entscheidet, sondern vor allem deren Stoffwechselprodukte: Wie aus der aktuellen Cell-Publikation hervorgeht, können bestimmte mikrobielle Metaboliten die Funktion der CAR-T-Zellen fördern oder hemmen - und haben damit wesentlichen Einfluss auf den Therapieerfolg. Zugleich liefern sie wichtige Ansatzpunkte für die Entwicklung von Mikrobiom-basierten Therapien ebenso wie von Ernährungsstrategien zur Unterstützung des Darmmikrobioms während der Krebstherapie.</p>
<p>Im Mittelpunkt der Studie stand eine Beobachtungsstudie von 129 Patientinnen und Patienten aus drei deutschen Universitätskliniken in München (LMU), Heidelberg und Regensburg. Mithilfe moderner Mikrobiom- und Metabolomanalysen identifizierte das Forschungsteam Stoffwechselprodukte des Darmmikrobioms, die mit Erfolg oder Versagen der CAR-T-Zelltherapie in Zusammenhang standen. Die identifizierten Metaboliten wurden anschließend&nbsp;in Mausmodellen sowie in präklinischen Modellen mit humanen CAR-T-Zellen experimentell untersucht. Dadurch konnten ihre direkten Auswirkungen auf die Aktivität, den Stoffwechsel und die Wirksamkeit der CAR-T-Zellen analysiert und die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen erstmals näher aufgeklärt werden. „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass einzelne mikrobielle Metaboliten sehr unterschiedliche Wirkung entfalten und daher gezielt berücksichtigt werden müssen, wenn das Darmmikrobiom künftig zur Vorhersage oder Verbesserung des Therapieerfolgs genutzt werden soll“, betont Prof. Hendrik Poeck, Leiter der LIT-Kooperationsgruppe „Innate Immunstimulation bei Krebs und Transplantationen“ und Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III (Hämatologie und Onkologie) am Universitätsklinikum Regensburg. Das Leibniz-Institut für Immuntherapie (LIT), ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, ist über gemeinsame Professuren und Projekte eng mit der Universität Regensburg und dem Universitätsklinikum Regensburg verbunden.</p>
<p>Besonders relevant ist aus seiner Sicht die kurzkettige Fettsäure Valeriansäure (Valerat): Niedrige Spiegel vor Therapiebeginn korrelierten mit einem erhöhten Risiko für Krankheitsprogression, während eine therapeutische Anwendung in humanen und murinen Modellen die CAR-T-Zellfunktion verbesserte. Umgekehrt waren erhöhte Konzentrationen von Indol-Metaboliten wie Indol-3-Carboxaldehyd und Indol-3-Essigsäure mit ungünstigen Verläufen verbunden; funktionell zeigten diese Metaboliten in humanen und murinen CAR-T-Modellen nachteilige Effekte auf die Wirksamkeit der Zellen. Auch Isovaleriansäure (Isovalerat), eine verzweigtkettige Fettsäure, erwies sich als biologisch ambivalent: Sie verbesserte die CAR-T-Zell-Funktion zwar in bestimmten Aspekten, ging jedoch gleichzeitig mit einem bis dato unbekannten tumorfördernden Effekt einher.</p>
<h6>Komplexität des Mikrobioms: Einfluss auf das Immunsystem ebenso wie auf den Tumor</h6>
<p>Die Studie liefert eine neue Perspektive auf die Rolle des Darmmikrobioms bei der CAR-T-Zelltherapie. Während bisher vor allem die Zusammensetzung der Darmbakterien im Mittelpunkt stand, zeigt die Arbeit, dass deren Stoffwechselprodukte, also die vom Mikrobiom gebildeten Metaboliten, die eigentlichen biologischen Akteure sind, die den Therapieerfolg beeinflussen. Besonders bedeutsam ist der Nachweis, dass mikrobielle Metaboliten nicht grundsätzlich förderlich oder schädlich sind, sondern sehr unterschiedliche und teils gegensätzliche Wirkungen entfalten können. „Die Ergebnisse verdeutlichen damit die Ambivalenz und Komplexität des Mikrobioms: Es beeinflusst nicht nur das therapeutische Immunsystem, sondern gleichzeitig auch den Tumor selbst“, unterstreicht Poeck.</p>
<p>„Mit unserer Studie stellen wir eine bislang vorherrschende Sichtweise infrage und eröffnen neue Perspektiven für die Mikrobiomforschung und die Weiterentwicklung von Mikrobiom-basierten Therapien“, sagt Dr. Dr. Markus Perl, Erstautor und Facharzt am Universitätsklinikum Regensburg. Langfristig könnten die Ergebnisse dazu beitragen, den Erfolg von Immuntherapien durch eine gezielte Modulation des Darmmikrobioms – beispielsweise durch Mikrobiota-Transfer oder spezifische Ernährungsstrategien – nachhaltig zu verbessern. „Basierend auf diesen Erkenntnissen, bereiten wir derzeit im Rahmen des NCT-OCT2-Programms bereits eine klinische Studie, CARBiome, zum Mikrobiota-Transfer bei Patientinnen und Patienten mit multiplem Myelom vor, die zuvor Antibiotika bekamen, und die eine CAR-T-Zelltherapie erhalten sollen“, sagt Dr. Erik Thiele-Orberg, Ph.D., Ko-Letztautor der Studie und Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III am UKR. Gleichzeitig zeigt diese Studie laut Perl, „dass exzellente, international sichtbare Spitzenforschung am&nbsp;Wissenschaftsstandort Regensburg erfolgreich ist – durch starke Kooperationen und den gemeinsamen Einsatz vieler engagierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit.“</p>
<h6>Fokus der Mikrobiomforschung verschiebt sich auf biologisch aktive Metaboliten</h6>
<p>Die Studie entstand in enger standortübergreifender Zusammenarbeit und wurde durch das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF; Programm „Translationsgruppen“), das Leibniz-Institut für Immuntherapie (LIT), das Exzellenzprogramm der Deutschen Krebshilfe, einen ERC Consolidator Grant („MICROBOTS“), der Wilhelm-Sander-Stiftung sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG; SFB 1371 und SFB/TRR 221) gefördert. Beteiligt waren die BZKF-Standorte Regensburg, Würzburg sowie München (LMU) ebenso wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA und die NCT-Standorte Heidelberg und Tübingen. Ergänzt wurde die Arbeit durch internationale Partner aus den USA und Frankreich.</p>
<p>Mit den Ergebnissen verschiebt sich der Fokus der Mikrobiomforschung bei CAR-T-Zelltherapien von der reinen Betrachtung bakterieller Zusammensetzungen hin zu den biologisch aktiven Metaboliten“, erklären Dr. Severin Gütter und Dr. Simon Holzinger, beide Ko-Erstautoren der Studie und Wissenschaftler in der LIT-Kooperationsgruppe. „Wir hoffen, dass der Fokus auf bakterielle Stoffwechselprodukte in Zukunft robustere Biomarker für den Therapieerfolg erlaubt. Darüber hinaus eröffnet der gezielte therapeutische Einsatz dieser Metaboliten interessante Perspektiven für zukünftige Behandlungen, um beispielsweise CAR-T-Zelltherapien wirksamer zu machen.“</p>
<p>Einen ersten Proof-of-Concept zur klinischen Anwendung dieser Ergebnisse hat das Studienteam bereits erbracht: „Ein metabolitgestützter Risiko-Score sagte das klinische Ansprechen auf die CAR-T-Zelltherapie voraus. Nun gilt es, diese Ergebnisse in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern in weiteren Kohorten zu bestätigen.</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p>Perl et al., Opposing functions of gut immunomodulatory metabolites on CAR-T therapy, Cell (2026), <a href="https://doi.org/10.1016/j.cell.2026.09.004" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1016/j.cell.2026.09.004</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://lit.eu/gut-microbiome-key-to-immunotherapy-success-new-cell-study-reveals-mechanisms-of-individual-molecules/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Immuntherapie (LIT) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Immuntherapie</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Thu, 01 Oct 2026 11:27:27 +0200</pubDate>
                        <title>Rekordschnelle Datenübertragung</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/rekordschnelle-datenuebertragung</link>
                        <description>Fern-UVC-LEDs übertragen Daten mit bis zu 1,5 Gigabit pro Sekunde und eröffnen neue Möglichkeiten für drahtlose Kommunikation im Freien.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p class="text-justify">Forschende des Ferdinand-Braun-Instituts (FBH), des Instituts der Photonik der Universität Strathclyde und des LiFi-Forschungs- und Entwicklungszentrums der Universität Cambridge haben mit neuartigen Fern-UVC-LEDs eine Datenrate von bis zu 1,5&nbsp;Gigabit pro Sekunde erreicht. Die am FBH entwickelten LEDs erzielten damit einen Rekord für die drahtlose optische Kommunikation bei Wellenlängen unter 235&nbsp;Nanometern. Die Fern-UVC-Technologie bietet einen besonderen Vorteil: Sonnenlicht erzeugt in diesem Spektralbereich praktisch keine Hintergrundsignale. Sie könnte deshalb künftig zuverlässige optische Verbindungen im Freien ermöglichen und Funkkommunikation dort ergänzen, wo sie an Grenzen stößt.</p>
<p class="text-justify">Autonome Fahrzeuge und Drohnen, vernetzte Industriemaschinen, Robotik oder Anwendungen im Zivilschutz benötigen zuverlässige drahtlose Datenverbindungen. Gleichzeitig nutzen immer mehr Systeme dieselben begrenzten Frequenzbänder. Optische drahtlose Kommunikation kann Funktechnologien deshalb sinnvoll ergänzen. Systeme mit sichtbarem oder infrarotem Licht stoßen im Freien jedoch auf ein grundlegendes Problem: Auch die Sonne strahlt in diesen Wellenlängenbereichen. Ihr Licht erzeugt Hintergrundsignale und erschwert die zuverlässige Datenübertragung. Häufig benötigen solche Systeme daher präzise ausgerichtete Laserstrahlen.</p>
<h6>UVC kommuniziert ohne störendes Sonnenlicht</h6>
<p class="text-justify">UVC-Licht bietet hier einen entscheidenden Vorteil. Unterhalb einer Wellenlänge von 280&nbsp;Nanometern (nm) erreicht praktisch keine Sonnenstrahlung die Erdoberfläche, weil sie bereits in den oberen Atmosphärenschichten absorbiert wird. Demzufolge ist eine optische drahtlose Kommunikation mit UVC-Licht weitgehend frei von störenden Hintergrundsignalen durch die Sonne.</p>
<p class="text-justify">Für ihre Versuche nutzten die Forschenden Fern-UVC-Licht mit Wellenlängen unterhalb von 235&nbsp;nm. Da es bereits in den obersten, leblosen Hautschichten stark absorbiert wird, dringt es deutlich weniger tief in lebendes Gewebe ein als längerwelliges UV-Licht. Daher gilt diese Art von UV-Licht als gesundheitlich unbedenklich und eignet sich für Anwendungen in der Nähe von Menschen.&nbsp;</p>
<h6>Optimierte Fern-UVC-LEDs ermöglichen praxistaugliche Datenraten</h6>
<p class="text-justify">„Wir haben unsere LEDs für die optische Kommunikation in diesem Spektralbereich optimiert“, sagt Dr.&nbsp;Jan Ruschel, Wissenschaftler am Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH). „Sie liefern eine im internationalen Vergleich hohe optische Leistung und lassen sich besonders schnell modulieren. Damit eignen sie sich für den optischen Datenaustausch in geschlossenen Räumen ebenso wie im Freien.“</p>
<p class="text-justify">Das FBH hat die emittierende Fläche seiner Fern-UVC-LEDs dazu in viele kleine Bereiche unterteilt. Die kleineren Flächen verringern die Sperrschichtkapazität und erhöhen die Stromdichte. Dadurch steigt die Modulationsbandbreite gegenüber konventionellen großflächigen LEDs.</p>
<p class="text-justify">Mit diesen LEDs bauten die Teams an der Universität Strathclyde und der Universität Cambridge ein optisches drahtloses Kommunikationssystem auf. Bei direkter Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger übertrug das System Daten über 30&nbsp;Zentimeter mit bis zu 1,5&nbsp;Gigabit pro Sekunde. Damit erzielten die Forschenden mit den unter Raumbeleuchtung erfolgten Messungen einen Rekord&nbsp;für die Datenübertragung bei solch kurzen Wellenlängen. Die Arbeiten wurden im Rahmen von TITAN durchgeführt, einem britischen Forschungszentrum für Telekommunikation unter der Leitung der Universität Cambridge, das vom Engineering and Physical Sciences Research Council (EPSRC) finanziert wird. Die Ergebnisse wurden kürzlich beim „International Symposium on Communication Systems, Networks and Digital Signal Processing“ vorgestellt und bei IEEE Xplore veröffentlicht: <a href="https://doi.org/10.1109/CSNDSP68462.2026.11654373" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1109/CSNDSP68462.2026.11654373</a></p>
<h6>Nächster Schritt: Kommunikation auch ohne direkte Sichtlinie und über größere Distanzen</h6>
<p class="text-justify">Fern-UVC könnte noch einen weiteren Vorteil bieten: Licht wird an Luftmolekülen gestreut. Dadurch kann ein Teil des Signals einen Empfänger auch dann erreichen, wenn Sender und Empfänger nicht direkt aufeinander ausgerichtet sind oder Hindernisse die Sichtlinie unterbrechen. Diese Rayleigh-Streuung ist umso stärker, je kürzer die Wellenlänge ist. UVC-Licht eignet sich deshalb besonders für sogenannte Non-Line-of-Sight-Verbindungen. Die Forschenden wollen nun untersuchen, wie gut sich dieser Effekt mit den Fern-UVC-LEDs nutzen lässt. Außerdem wollen sie Sender und Empfänger weiter optimieren, um größere und praxisrelevante Distanzen zu erreichen. Auch den Einfluss der Atmosphäre auf die Übertragungsstrecke wollen sie genauer untersuchen.&nbsp;</p>
<p class="text-justify">„Die praxistaugliche Datenrate ist ein wichtiger erster Schritt“, sagt Jan Ruschel. „Jetzt wollen wir untersuchen, über welche Distanzen und unter welchen Umgebungsbedingungen sich Fern-UVC-Kommunikation tatsächlich einsetzen lässt – insbesondere ohne direkte Sichtverbindung.“</p>
<h6 class="text-justify">Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p class="text-justify"><a href="https://www.fbh-berlin.de/media-center/presseinformationen/fern-uvc-leds-uebertragen-daten-mit-rekordgeschwindigkeit" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Ferdinand-Braun-Instituts, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik</category>
                            
                                <category>Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7645</guid>
                        <pubDate>Wed, 30 Sep 2026 16:29:00 +0200</pubDate>
                        <title>Glatt statt gefaltet</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/glatt-statt-gefaltet</link>
                        <description>Unterschiede bei Vorläuferzellen erklären das nahezu ungefaltete Gehirn des Weißbüschelaffen&amp;nbsp;– und könnten helfen, Entwicklungsstörungen des menschlichen Gehirns besser zu verstehen.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Primatenarten besitzen ein relativ großes Gehirn, dessen Oberfläche starke Wölbungen und Furchen aufweist. Bei Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus) ist das nicht der Fall. Das Gehirn der kleinen Affen ist glatt und nahezu ungefaltet. Forschende am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen haben in einer aktuellen Studie untersucht, welche zellulären Prozesse während der Embryonalentwicklung dazu führen, dass sich das Weißbüschelaffengehirn ab einem bestimmten Zeitpunkt anders entwickelt. In Versuchen mit Gehirnorganoiden konnten sie zeigen, dass sich bestimmte Vorläuferzellen, aus denen die Nervenzellen entstehen, bei Weißbüschelaffen sowohl morphologisch als auch zeitlich anders entwickeln. Mehrere Prozesse auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Vorläuferzelltypen steuern diesen Vorgang, der letztlich zu einer Reduktion in Größe und Faltung des Weißbüschelaffengehirns führt. Die Studie wirft ein neues Licht auf die evolutionäre Entwicklung des Primatengehirns und könnte zukünftig helfen, Entwicklungsstörungen im menschlichen Gehirn besser zu verstehen (Sciences Advances).</p>
<p>Seine Größe und die auffällige Faltung sind die prägenden Merkmale des Gehirns vieler Primaten. Besonders die walnussartig anmutenden Furchen und Wölbungen des menschlichen Gehirns vergrößern die Oberfläche immens und bieten Platz für Milliarden von Nervenzellen. Das ermöglicht komplexe Denkprozesse und macht das menschliche Gehirn besonders leistungsfähig. Forschende gehen heute davon aus, dass schon der gemeinsame Vorfahre aller Primaten ein mittelgroßes und zumindest teilweise gefaltetes Gehirn besaß.</p>
<p>Bei einigen heute lebenden Primatenarten ist das jedoch nicht der Fall. Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus), eine südamerikanische Primatenart, die zunehmend in der biomedizinischen Forschung eingesetzt wird, haben eine glatte und nahezu ungefaltete Hirnoberfläche. Forschende am Deutschen Primatenzentrum haben untersucht, wie es dazu kommt.</p>
<p>„Wir wollten verstehen, welche Veränderungen auf zellulärer Ebene dazu führen, dass das Gehirn der Weißbüschelaffen weniger stark wächst und weniger Faltungen ausbildet“, erklärt Lidiia Tynianskaia, eine der beiden Erstautor*innen der Studie und Promovierende in der Nachwuchsgruppe Gehirnentwicklung und -evolution am DPZ. „Das Weißbüschelaffengehirn weist zu Beginn der Entwicklung die typische Struktur und Zusammensetzung eines großen und gefalteten Primatengehirns auf. Im weiteren Verlauf muss es also Prozesse geben, die die Produktion von Nervenzellen quasi ausbremsen.“</p>
<h6>Neuronale Vorläuferzellen entwickeln sich unterschiedlich</h6>
<p>In vergleichenden Versuchen mit Hirnorganoiden aus Weißbüschelaffen und Menschen untersuchten die Wissenschaftler*innen insbesondere die Vorläuferzellen des Gehirns, da diese für die Produktion von Nervenzellen verantwortlich sind. Die Anzahl der Nervenzellen ist einer der entscheidenden Faktoren, wie groß und wie stark gefaltet ein Gehirn wird.</p>
<p>Die Forschenden fanden heraus, dass mehrere Prozesse auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Zelltypen zu einer Reduktion der Größe und Faltung der Großhirnrinde bei Weißbüschelaffen führen.</p>
<p>„Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich bestimmte Vorläuferzellen im Weißbüschelaffen deutlich langsamer teilen als im Menschen“, erklärt César Mateo Bastidas Betancourt, ebenfalls Erstautor der Studie und Promovierender der Nachwuchsgruppe. „Wieder andere Vorläuferzellen sind im Vergleich zu den menschlichen Zellen strukturell einfacher gebaut, haben weniger Verästelungen und sind dadurch weniger vermehrungsaktiv. Durch beide Gegebenheiten entstehen letztlich weniger Nervenzellen, was zu einer geringeren Größe und Faltung der Großhirnrinde im Weißbüschelaffen beiträgt.“</p>
<p>Außerdem konnten die Wissenschaftler*innen zeigen, dass der zeitliche Ablauf bestimmter Eigenschaften und Verhaltensweisen der Vorläuferzellen im Weißbüschelaffen im Vergleich zum Menschen verändert ist. Dadurch haben die Vorläuferzellen des Weißbüschelaffen insgesamt ein kürzeres Zeitfenster, in dem sie sich stark vermehren können.</p>
<h6>Hirnorganoide liefern entscheidende Einblicke</h6>
<p>Der Großteil der Experimente fand in Hirnorganoiden statt. Die kleinen dreidimensionalen Zellstrukturen spiegeln den zeitlichen Ablauf bestimmter Entwicklungsschritte des Gehirns sehr gut wider. „Die Studie verbindet die Vorteile von in vivo und in vitro-Methoden sehr gezielt miteinander“, sagt Michael Heide, Leiter der Nachwuchsgruppe Gehirnentwicklung und -evolution. „Organoide sind gut geeignet, um statistisch belastbare Ergebnisse zu erhalten, da eine solche Stichprobengröße bei Primaten nicht möglich ist. Einige Schlüsselexperimente haben wir anschließend in fötalem Hirngewebe wiederholt, um die Ergebnisse aus den Organoiden zu bestätigen.“</p>
<p>Dabei zeigte sich, dass 50 Tage alte Weißbüschelaffen-Organoide der natürlichen Gehirnentwicklung am 90. Tag besonders ähnlich sind. Dieser Vergleich war wichtig, weil die Forschenden nur so die Entwicklung in Organoiden zeitlich korrekt mit der Entwicklung im Gehirn des Weißbüschelaffen vergleichen und die Ergebnisse zuverlässig einordnen konnten.</p>
<p>Die Studie macht deutlich, wie sich die Vielfalt der Gehirngrößen und -formen bei Primaten entwickeln konnte und liefert zugleich einen wichtigen Vergleichsrahmen, um Entwicklungsprozesse und ihre Störungen im menschlichen Gehirn besser zu verstehen.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.dpz.eu/im-dialog/news/artikel/glatt-statt-gefaltet-hirnentwicklung-bei-primaten" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des DeutscheN Primatenzentrums - Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Deutsches Primatenzentrum GmbH - Leibniz-Institut für Primatenforschung</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Fri, 25 Sep 2026 16:40:00 +0200</pubDate>
                        <title>Secret Service</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/secret-service</link>
                        <description>Eine Ausstellung in Frankfurt erinnert an elf Frauen, die Naturforschung maßgeblich prägten. Auch online lässt sich ihr Leben nachvollziehen.

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                        <content:encoded><![CDATA[<p>Vor 112 Jahren steht Aenny Fahr auf dem Deck eines Forschungsschiffs vor Spitzbergen. In der Hand eine Kamera, vor sich Gletscher, Eis und die Weite der Arktis. Während der ersten Frankfurter Polarexpedition dokumentiert sie Landschaften, Tiere und das Leben an Bord. Ihre Fotografien zählen zu den wenigen Zeugnissen dieser Expedition – doch ihr Name ist heute kaum bekannt. Aenny Fahr ist eine von zahlreichen Frauen, die die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung über Jahrhunderte entscheidend geprägt haben. Wissenschaftlerinnen, Zeichnerinnen, Stifterinnen und Laborantinnen sammelten, forschten, dokumentierten und ermöglichten wissenschaftliche Arbeit – oft ohne die Anerkennung zu erhalten, die ihren männlichen Kollegen zuteilwurde. Die Sonderausstellung „Secret Service: Frauen in der Naturforschung“, die vom 25. September 2026 bis 31. Oktober 2027 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu sehen ist, rückt diese bislang weitgehend verborgenen Geschichten ins Licht.</p>
<p>Elf Biografien spannen einen Bogen vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. „Dazu gehören bekanntere Namen, etwa Pionierinnen wie die Insektenforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian (1647-1717) oder die Begründerin der Paläoneurologie, Tilly Edinger (1897-1967).Aber auch die Geschichten bisher gänzlich unbekannter Frauen, wie die der Tierfotografin und Herpetologin Aenny Fahr,“ erzählt Historikerin Dr. Luisa Kapp, die die Biografien der Protagonistinnen im begleitenden BMFTR-Projekt „Secret Service: Frauen. Forschung. Senckenberg.” erforscht. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Fotografin und Wissenschaftskommunikatorin Gesine Born für die Ausstellung gewinnen konnten“, erklärt Prof. Dr. Julia Sigwart, die das Forschungsprojekt bei Senckenberg leitet und ergänzt: „Auf Grundlage historischen Materials hat sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz Bilder geschaffen, die die Frauen so zeigen, wie sie in der Vergangenheit häufig nicht dargestellt wurden: als eigenständige Persönlichkeiten in ihrem jeweiligen Tätigkeitsfeld. Dabei ist uns ein offener, transparenter und kritischer Umgang mit dem Einsatz von KI besonders wichtig – gerade mit Blick auf die Wirkmächtigkeit von Bildern.“</p>
<p>Die eindeutig als KI-generiert gekennzeichneten Bilder zeigen die Frauen in wissenschaftlich plausiblen Arbeitssituationen – beim Zeichnen, Sammeln oder Forschen. Sie beruhen auf historischen Quellen und machen Tätigkeiten sichtbar, von denen häufig keine fotografischen Zeugnisse existieren. So sammelte die Forschungsreisende Wilhelmine Meyer (1848-1920) im Malaiischen Archipel zahlreiche Tierarten, darunter mehr als 200 Schmetterlinge; 19 davon waren damals wissenschaftlich unbekannt. Von ihr ist kein Bild überliefert. Auch die Archäologin Ida von Boxberg (1806-1893), die erste Frau ihres Fachs in Sachsen, und die Malakologin Dr. Maria Schilder (1898-1975), die gemeinsam mit ihrem Mann eine bedeutende Schneckensammlung aufbaute, werden in ihrem Arbeitsumfeld porträtiert. Ebenso die Botanikerin und Malerin Elisabeth Schultz (1817–1898), deren „Flora von Frankfurt“ bis heute ein einzigartiges Zeugnis regionaler Pflanzenkunde ist.</p>
<p>„Uns war es wichtig eine möglichst große Bandbreite an unterschiedlichen Frauen und ihre Lebensleistungen in der Öffentlichkeit bekannt und sichtbar zu machen,“ erläutert Maike Schlegel, Kuratorin am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Daher rückt die Ausstellung auch Frauen in den Mittelpunkt, die Wissenschaft auf andere Weise ermöglichten: Johanna Rebecca Senckenberg (1716-1743), deren Vermögen einen wesentlichen Grundstock für die spätere Senckenberg-Stiftung bildete, und Louise von Bose (1813-1883), die mit einer großzügigen Zuwendung die wissenschaftliche Entwicklung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung nachhaltig sicherte. Weitere Frauen, die in der Ausstellung gewürdigt werden, sind die Zeichnerin Gertrud Winter-von Möllendorff (1882-1946), deren Illustrationen naturwissenschaftliche Erkenntnisse sichtbar machten, sowie die Museumslaborantin Margot Perl (1923-1984), die während des Zweiten Weltkriegs half, die wertvollen Senckenberg-Sammlungen vor der Zerstörung zu bewahren. „Gemeinsam stehen ihre Lebensgeschichten stellvertretend für unzählige Frauen, die die Naturforschung mitgestaltet haben“, so Schlegel.</p>
<p>Ergänzt werden die Porträts durch Informationen, die Historikerin Kapp in den Archiven recherchierte, sowie durch Originalobjekte. In der Sonderausstellung sind Stücke zu sehen, mit denen die porträtierten Frauen gearbeitet oder die sie selbst angefertigt haben. Auch in der Dauerausstellung begegnen Besucher*innen den Frauen an verschiedenen Stellen im Museum: Die dort präsentierten Sammlungsobjekte werden mit ihren Biografien verknüpft und eröffnen so eine neue Perspektive auf die Wissenschaftsgeschichte.</p>
<p>Ein begleitender ‚Making-of‘-Film verdeutlicht den Entstehungsprozess der Porträts von Gesine Born. In einer bearbeiteten Kopie unter jedem Bild ist gekennzeichnet, welche Bereiche fotografisch und welche mithilfe von KI entstanden sind. „Die Ausstellung versteht die Bilder ausdrücklich als wissenschaftlich fundierte Visualisierungen – es sind keine historischen Fotografien“, erklärt Kuratorin Maike Schlegel. Entstanden sind die Porträts in engem Austausch zwischen Gesine Born und Historikerin Dr. Luisa Kapp: Während Born die emotionale Bildidee entwickelte, prüfte Kapp die historischen Details und gab wichtige Hinweise zur Kleidung, Umgebung und Darstellung der jeweiligen Zeit.</p>
<p>Gesine Born geht es bei ihren Visualisierungen nicht nur darum, die Vergangenheit sichtbar zu machen. Sie möchte zeigen, was möglich gewesen wäre. „Für mich ist KI ein eigenständiges Medium. Ich kann die Frauen heute nicht mehr fotografieren, aber ich kann Bilder schaffen, die zeigen, wie sie hätten gesehen werden können. Eigentlich geht es dabei gar nicht um die Bilder selbst, sondern darum, einen gedanklichen Möglichkeitsraum zu schaffen – eine Utopie, die zeigt, wie eine bessere Welt aussehen könnte“, erklärt Born.</p>
<p>Eine Infografik zur „Leaky Pipeline“ in der Sonderausstellung richtet den Blick auf die Gegenwart: Sie zeigt, an welchen Stellen Frauen auf dem Weg durch Studium, Forschung und wissenschaftliche Karriere verloren gehen – und welche strukturellen Hürden dahinterstehen.</p>
<p>Die Ausstellung entstand im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Projekts „Secret Service: Frauen. Forschung. Senckenberg.“ Darin erforscht die Historikerin Dr. Luisa Kapp bei Senckenberg die bislang vielfach übersehenen Beiträge von Frauen zur Geschichte der Naturforschung.</p>
<h6>Ausstellung</h6>
<p><strong>„Secret Service: Frauen in der Naturforschung“<br> 25. September 2026 bis 31. Oktober 2027<br> Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt</strong></p>
<p><a href="https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/secret-service-frauen-in-der-naturforschung/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Zur Sonderausstellung „Secret Service: Frauen in der Naturforschung“</a></p>
<p><a href="https://secret-service.science/de/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Zum Projekt und den Online-Biografien</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/pm-secret-service-frauen-in-der-naturforschung/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                        
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                        <pubDate>Fri, 25 Sep 2026 13:58:00 +0200</pubDate>
                        <title>Gefährdete Tiefen</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/gefaehrdete-tiefen</link>
                        <description>Fischerei, Rohstoffabbau und Schifffahrt schaden dem Meeresboden bis in die Tiefsee. Der Planetary Health Check 2026 rückt seine Gefährdung in den Fokus.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Der Meeresboden ist Lebensraum, Kohlenstoffspeicher und Schaltstelle für globale Stoffkreisläufe, doch menschliche Eingriffe reichen heute von der Küste bis in die Tiefsee. Fischerei, Rohstoffabbau, Schifffahrt und Infrastruktur zerstören Lebensgemeinschaften, wirbeln Sedimente auf und mobilisieren gebundenen Kohlenstoff. Mit einem neuen Kapitel zu „Seafloor Integrity“ – erstellt von Forschenden des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) – rückt der Planetary Health Check 2026 die Meeresbodengefährdung und die Bedeutung für das Erdsystem erstmals umfassend in den Fokus.</p>
<h6>Der Meeresboden ist mehr als der Boden unter dem Meer</h6>
<p>Zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Ozeanen bedeckt, ihr Boden liegt im Mittel fast vier Kilometer tief. Lange schützte diese schwere Zugänglichkeit große Teile des Meeresbodens vor direkten menschlichen Eingriffen. Doch das ändert sich: So reicht die Grundschleppnetzfischerei bis in etwa 4.000 Meter Wassertiefe und stört schon heute jährlich bis zu 2 % des globalen Meeresbodens. Ein einzelner Abbaubetrieb für Manganknollen könnte mehr als 200 km2 Meeresboden direkt beeinflussen. Hinzu kommen Ankerplätze, Fahrrinnen, Kabel, Pipelines und weitere Infrastruktur, deren Einfluss heute von der Küste bis in mehr als 6.000 Meter Wassertiefe reicht.</p>
<p>Der Meeresboden ist dabei weit mehr als ein passiver Untergrund. Riffe, Schwammgründe, Muschelbänke, grabende Organismen und mikrobielle Gemeinschaften bilden Lebensräume und regulieren, wie Kohlenstoff und Nährstoffe zwischen Sediment und Wasser ausgetauscht werden. „Wir müssen den Meeresboden stärker als Bestandteil des Erdsystems begreifen“, sagt Jacob Geersen, Meeresgeowissenschaftler am IOW und Erstautor des neu in den Planetary Health Check (PHC) integrierten Kapitels „Seafloor Integrity: Why the Bottom of the Ocean Matters“. „Wenn wir Sedimente umpflügen oder Lebensgemeinschaften dauerhaft verändern, geht es nicht nur um einen lokalen Eingriff am Grund. Wir greifen möglicherweise in Prozesse ein, die Kohlenstoff speichern, Nährstoffe umsetzen und ganze marine Nahrungsnetze stabilisieren“, so Geersen weiter.</p>
<p>Mit einem eigenen Kapitel zum Thema „Seafloor Integrity“ betrachtet der PHC diese Funktionen nun ausdrücklich aus einer Erdsystem-Perspektive und setzt so ein Spotlight auf einen bislang vergleichsweise wenig beachteten Teil des Erdsystems. Die Meeresbodenintegrität ist dabei bislang keine zusätzliche Planetare Grenze, sondern sie beschreibt, inwieweit die physische Struktur, die Lebensgemeinschaften und die chemischen Funktionen des Meeresbodens erhalten bleiben. Das Kapitel nimmt zugleich die völkerrechtlichen und politischen Rahmenbedingungen zum Schutz des Meeresbodens in den Blick, deren zentrale Grundlage das internationale Seerecht und die Bedeutung des Vorsorgeprinzips ist. Es weist darüber hinaus auf die bestehenden Herausforderungen bei dessen Umsetzung hin.</p>
<h6>Vom Meeresboden ins Erdsystem: Wie Störungen weiterwirken</h6>
<p>Wie weit die Folgen eines gestörten Meeresbodens reichen können, zeigt unter anderem seine Rolle im Kohlenstoffkreislauf. In den Sedimentschichten der Kontinentalschelfe lagern mächtige Reserven von vielen hundert Milliarden Tonnen an organischem Kohlenstoff, die den Löwenanteil der langfristigen Kohlenstoffeinlagerung in Meeressedimenten ausmachen. Werden sie wiederholt aufgewirbelt, kann gespeicherter Kohlenstoff abgebaut und als Kohlendioxid freigesetzt werden. Globale Modellierungen schätzen, dass allein Grundschleppnetzfischerei jährlich über 100 Millionen Tonnen Kohlenstoff aus Sedimenten freisetzen könnte. Wie viel davon letztlich zusätzlich als CO₂ in die Atmosphäre gelangt, ist allerdings noch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.</p>
<p>Levke Caesar, Klimaforscherin am PIK und Co-Leiterin des Bereichs ‚Planetary Boundaries Science‘, kommentiert: „Der diesjährige Planetary Health Check zeigt unter anderem eindringlich, dass natürliche Kohlenstoffsenken zunehmend unter Druck geraten. Dabei dürfen wir nicht nur auf Wälder und Böden an Land schauen. Wie das Kapitel ‚Seafloor Integrity‘ unterstreicht, ist auch der Meeresboden Teil dieses Systems – und wir beginnen gerade erst zu verstehen, welche Folgen es haben kann, wenn wir seine langfristige Speicherfunktion beeinträchtigen.“</p>
<p>Doch die Bedeutung des Meeresbodens reicht über den Kohlenstoffspeicher hinaus. Die vielfältigen Organismen, die am und im Meeresgrund leben, beeinflussen Nahrungsnetze und steuern gemeinsam mit Mikroorganismen und Sedimentchemie den Austausch von Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff zwischen Meeresboden und Wasser. Werden diese Strukturen zerstört, verändern sich damit auch Stoffkreisläufe und Ökosystemfunktionen. Besonders in der Tiefsee sind die Folgen solcher Veränderungen noch wenig verstanden, können aber über Jahrzehnte anhalten, wie einzelne Tiefseebergbau-Experimente gezeigt haben.</p>
<h6>Die Ostsee als Blick in die Zukunft der Meere</h6>
<p>Wie tiefgreifend der Verlust von Meeresbodenintegrität sein kann, zeigt das Kapitel am Beispiel der Ostsee. Dort wirken langjährige menschliche Eingriffe heute mit Erwärmung, Versauerung, Überdüngung und Sauerstoffmangel zusammen. Unter Einbeziehung von Meeresbodenstruktur, Biogeochemie und benthischen Ökosystemen kommt das Autorenteam zu dem Schluss, dass kein Quadratmeter des Ostseebodens mehr frei von menschlichen Veränderungen ist. Viele Veränderungen sind langfristig und teils irreversibel. „Die Ostsee kann damit Hinweise darauf geben, was auch anderen Meeresregionen bevorstehen könnte, wenn der menschliche Nutzungsdruck auf den Meeresboden weiter zunimmt“, kommentiert Jacob Geersen vom IOW.</p>
<h6>Vom Wissen zum Schutz des Meeresbodens</h6>
<p>Für den Schutz des Meeresbodens empfiehlt das Autorenteam, nicht nur Arten und Lebensräume, sondern auch Funktionen wie Kohlenstoffspeicherung und Nährstoffkreisläufe stärker in Meeresraumplanung und Umweltprüfungen einzubeziehen. Besonders langsam regenerierende Tiefseeökosysteme und kohlenstoffreiche Sedimente sollten vor intensiven Eingriffen geschützt werden. Zugleich muss besser erfasst werden, welche Prozesse den Meeresboden in verschiedenen Regionen überprägen und wie häufig und wie intensiv dies geschieht.</p>
<p>Auch rechtlich ist das eine Herausforderung: Fischerei, Schifffahrt, Rohstoffabbau und Biodiversität werden teilweise in getrennten Regelwerken behandelt, obwohl sich ihre Auswirkungen am Meeresboden überlagern können. Das seit Januar 2026 geltende UN-Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt jenseits nationaler Hoheitsgewalt (BBNJ-Abkommen) ermöglicht unter anderem Meeresschutzgebiete und stärkt die Anforderungen an Umweltverträglichkeitsprüfungen. Für den Abbau mineralischer Rohstoffe in internationalen Meeresgebieten bleibt jedoch die Internationale Meeresbodenbehörde zuständig.</p>
<p>„Der entscheidende Schritt wäre, die verschiedenen Nutzungen und ihre kumulativen Auswirkungen nicht länger isoliert zu betrachten insbesondere angesichts der bislang völlig unzureichend erforschten Auswirkungen menschlicher Eingriffe in die Tiefsee“, sagt Nele Matz-Lück, Co-Direktorin des Walther-Schücking-Instituts für Internationales Recht der CAU. „Das internationale Seerecht bietet dafür bereits wichtige Ansatzpunkte. Wie wirksam sie werden, hängt jedoch davon ab, ob wissenschaftliche Erkenntnisse zielgerichtet und effizient in Schutzgebiete, Umweltprüfungen und konkrete Entscheidungen über die Nutzung des Meeresbodens einfließen.“</p>
<p>Für die Forschung besteht nun eine zentrale Aufgabe darin, die Integrität des Meeresbodens und seine Rolle fürs Erdsystem besser messbar zu machen. Anders als bei den aktuell definierten Planetaren Grenzen, gibt es dafür bislang weder einen etablierten globalen Kontrollindikator noch einen wissenschaftlich belastbaren globalen Grenzwert. Bessere Beobachtungsdaten zu Belastung, Empfindlichkeit und Erholung könnten helfen, robuste Kenngrößen zu entwickeln und besonders wichtige oder empfindliche Meeresgebiete gezielter zu schützen.</p>
<p>Der Planetary Health Check (PHC) ist ein seit 2024 jährlich erscheinender wissenschaftlicher Bericht zum Zustand des Erdsystems auf Grundlage des Konzepts der Planetaren Grenzen. Er wird vom Planetary Boundaries Science Lab am PIK in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forschungsnetzwerk erarbeitet und verbindet aktuelle Erdbeobachtungsdaten mit Erkenntnissen der Erdsystemforschung. Ziel ist es, Veränderungen zentraler Erdsystemprozesse regelmäßig zu erfassen und wissenschaftliche Grundlagen dafür bereitzustellen, die Stabilität und Widerstandsfähigkeit des Planeten zu erhalten.&nbsp;</p>
<h6>Download: Planetary Health Check 2026</h6>
<p>Der Planetary Health Check 2026 erschien am 21. September 2026 und wurde von knapp 70 Forschenden erstellt:&nbsp;<a href="http://www.planetaryhealthcheck.org" target="_blank" rel="noreferrer">http://www.planetaryhealthcheck.org</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.iow.de/mitteilung/items/planetary-health-check-2026-warum-ein-intakter-meeresboden-fuer-das-erdsystem-zaehlt.html" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde an der Universität Rostock</category>
                            
                                <category>Umweltwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7644</guid>
                        <pubDate>Thu, 24 Sep 2026 18:26:00 +0200</pubDate>
                        <title>Netzwerke fürs Leben</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/netzwerke-fuers-leben</link>
                        <description>Stresshormone stellen bereits kurz nach der Geburt die Weichen dafür, wie unser Gehirn im Erwachsenenalter auf Belastungen reagiert.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Schon früh im Leben wird festgelegt, wie flexibel unser Gehirn später mit Stress umgehen kann. Eine neue Studie zeigt, dass Stresshormone bereits in einer Phase unmittelbar nach der Geburt die Weichen dafür stellen können, wie neuronale Netzwerke im Erwachsenenalter auf Belastungen reagieren.</p>
<p>Neuronale Netzwerke entstehen nicht erst dann, wenn sie gebraucht werden. Wie flexibel das Gehirn im Laufe des Lebens auf Belastungen reagieren kann, wird offenbar bereits in frühen Entwicklungsphasen mitgeprägt. Ein Kooperationsprojekt zwischen dem Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) und dem Institut für Anatomie der Universitätsmedizin Mainz zeigt, dass dabei ein bislang wenig beachteter Zelltyp eine wichtige Rolle spielt: Oligodendrozyten-Vorläuferzellen. Die im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichte Arbeit zeigt, dass diese Zellen Signale von Stresshormonen während einer frühen Phase der Gehirnentwicklung aufnehmen. Wird der dafür notwendige Glukokortikoidrezeptor gezielt in Oligodendrozyten-Vorläuferzellen ausgeschaltet, hat dies Folgen, die bis ins Erwachsenenalter reichen: Die sogenannte Myelinisierung, eine Art Isolierungsschicht um die Nervenfortsätze, verändert sich; neuronale Netzwerke reagieren anders auf Stresshormone, und auch Mechanismen der synaptischen Plastizität sowie bestimmte Gedächtnisleistungen sind beeinträchtigt.</p>
<h6>Stresshormone wirken nicht nur auf Nervenzellen</h6>
<p>Glukokortikoide wie Cortisol gehören zu den wichtigsten Botenstoffen der Stressreaktion. Sie helfen dem Organismus, sich kurzfristig an Herausforderungen anzupassen, beeinflussen aber zugleich die langfristige Entwicklung und Funktion des Gehirns. Bislang konzentrierte sich die Forschung zu ihren Wirkungen vor allem auf Nervenzellen. Die neue Studie rückt nun Oligodendrozyten-Vorläuferzellen, kurz OPCs, in den Mittelpunkt. OPCs bilden die Ausgangspopulation für Oligodendrozyten – Zellen, die Nervenfasern mit Myelin umgeben und damit eine schnelle und koordinierte Informationsübertragung ermöglichen. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass OPCs weit mehr sind als reine Vorläuferzellen: Sie stehen in engem Austausch mit Nervenzellen und können unmittelbar auf Veränderungen ihrer Umgebung reagieren. Das Forschungsteam untersuchte deshalb, welche Funktion Glukokortikoid-Rezeptoren in diesen Zellen während einer frühen Entwicklungsphase erfüllen. Dazu wurde der Rezeptor im Mausmodell gezielt in OPCs ausgeschaltet und anschließend untersucht, wie sich dies auf Oligodendrozyten, Myelinisierung, neuronale Aktivität und Verhalten auswirkt.</p>
<h6>Frühe Signale verändern spätere Netzwerkreaktionen</h6>
<p>Besonders deutlich wurden die Folgen im Hippocampus, einer Gehirnregion, die eine zentrale Rolle für Lernen und Gedächtnis spielt und zugleich empfindlich auf Stresshormone reagiert. Tiere ohne funktionierende Glukokortikoid-Rezeptoren in OPCs entwickelten weniger reife Oligodendrozyten und eine veränderte Myelinisierung. Entscheidend war jedoch, dass sich nicht nur die Struktur, sondern auch die Funktionsweise der neuronalen Netzwerke verändert hatte. Wenn die Forschenden das Glukokortikoid-System später erneut aktivierten, reagierten Netzwerke des Hippocampus anders als bei Kontrolltieren. Auch die Langzeitpotenzierung – ein grundlegender Mechanismus, mit dem neuronale Verbindungen ihre Stärke verändern und damit Informationen speichern können – war beeinträchtigt. Diese Veränderungen spiegelten sich auch in hippocampusabhängigen Gedächtnisleistungen wider.</p>
<p>„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Fähigkeit neuronaler Netzwerke, auf Stresshormone flexibel zu reagieren, bereits während früher Entwicklungsphasen mitgeprägt wird. Dabei spielen nicht nur Nervenzellen eine Rolle. Auch Oligodendrozyten-Vorläuferzellen sind Teil dieses Anpassungssystems.“, sagt Marianne Müller vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung.</p>
<h6>Ein erweitertes Verständnis von Resilienz</h6>
<p>Für die Resilienzforschung ist dieser Befund besonders relevant. Psychische Resilienz beruht nicht auf einem einzelnen Molekül oder einer einzelnen Gehirnregion, sondern auf der Fähigkeit biologischer Systeme, sich dynamisch an Belastungen anzupassen und anschließend wieder in einen funktionalen Zustand zurückzufinden. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Voraussetzungen für eine solche Anpassungsfähigkeit bereits während der Entwicklung glia-neuronaler Netzwerke geschaffen werden. Hormonsignale beeinflussen dabei offenbar nicht nur die Aktivität von Nervenzellen, sondern auch jene Zelltypen, die ihre strukturelle und funktionelle Umgebung mitgestalten.</p>
<p>„Resilienz entsteht aus dem Zusammenspiel vieler biologischer Systeme. Unsere Studie erweitert dieses Bild um einen bislang unterschätzten Mechanismus: Die hormonelle Prägung von Oligodendrozyten-Vorläuferzellen kann langfristig beeinflussen, wie neuronale Netzwerke auf spätere Herausforderungen reagieren.“, sagt Giulia Treccani vom Institut für Anatomie der Universitätsmedizin Mainz.</p>
<p>Damit eröffnet die Studie auch eine neue Perspektive auf die Frage, wie frühe Erfahrungen langfristig in der Organisation des Gehirns verankert werden können. Künftige Untersuchungen sollen klären, wie Veränderungen dieser Signalwege unter tatsächlichen Stressbedingungen mit individuellen Unterschieden in Stressanfälligkeit und Resilienz zusammenhängen.</p>
<p>Die Studie entstand in einem internationalen Forschungsteam und wurde unter anderem im Rahmen des Leibniz WissenschaftsCampus NanoBrain unterstützt.</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p>Glucocorticoid receptors in oligodendrocyte precursor cells regulate hippocampal network plasticity and stress-induced behavior in mice.<br> Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 2026.<br> <a href="https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2614867123" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1073/pnas.2614867123</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="http://lir-mainz.de/news/netzwerken-beginnt-frueh-im-leben" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung (LIR) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Leibniz-Institut für Resilienzforschung</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Thu, 24 Sep 2026 17:01:00 +0200</pubDate>
                        <title>Mit KI zu gutem Geschmack</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/ki-verbessert-geschmack</link>
                        <description>Bittere Peptide trüben oft den Geschmack von Käse oder Proteinpulver. Mittels KI lässt sich ihre Bitterkeit nun vorhersagen – und der Geschmack präziser&amp;nbsp;steuern.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Bei der Herstellung fermentierter Produkte wie Kefir, Parmesan oder Bergkäse, aber auch bei der Produktion von Proteinpulvern können bitter schmeckende Peptide entstehen, die den Geschmack und damit die Akzeptanz der Produkte beeinträchtigen. Ein Forschungsteam unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München hat nun eine KI-basierte Methode entwickelt und erfolgreich getestet, mit der sich die Bitterkeit von Peptiden vorhersagen lässt. Sie ermöglicht es zudem, bitter schmeckende Peptide von Grund auf neu zu entwerfen. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt in der Geschmacks- und Lebensmittelforschung.&nbsp;</p>
<p>Bitter schmeckende Peptide entstehen beim enzymatischen oder chemischen Abbau von Proteinen und stellen eine besondere Herausforderung bei der Herstellung fermentierter Lebensmittel oder Proteinhydrolysate dar. Gleichzeitig können sie physiologische Eigenschaften besitzen und beispielsweise zur Regulierung von Hunger und Sättigung beitragen.</p>
<p>„Um pflanzliche Proteinquellen für die Lebensmittelproduktion attraktiver zu machen und sie nachhaltiger zu nutzen, müssen wir besser verstehen, welche Peptide bitter schmecken und welche strukturellen Merkmale diese auszeichnen. Auch hier können KI-basierte Methoden einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt Antonella Di Pizio, Leiterin der aktuellen Studie, an der auch Forschende der Technischen Universität München und der Pompeu-Fabra-Universität in Barcelona beteiligt waren.</p>
<h6>Kombination aus einem Sprachmodell und einem künstlichen neuronalen Netzwerk</h6>
<p>Um eine solche KI-gestützte Methode zu entwickeln, kombinierte das Team um Antonella Di Pizio ein Protein-Sprachmodell, welches das Team zuvor anhand von etwa 500 bekannten, bitter schmeckenden Peptiden trainiert hatte, mit dem kürzlich von ihnen entwickelten Vorhersagemodell „BitterPep-GCN“. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Graph Convolutional Network (GCN), eine spezielle Form künstlicher neuronaler Netze, die zur Analyse strukturierter Daten eingesetzt wird.&nbsp;</p>
<p>Auf dieser Grundlage generierten die Forschenden zunächst 161 neue Peptidsequenzen, die noch nicht experimentell charakterisiert worden waren. Anschließend identifizierten sie jene Kandidaten, bei denen laut den Modellvorhersagen eine hohe Wahrscheinlichkeit bestand, dass sie bitter oder nicht bitter schmecken würden.</p>
<h6>Vorhersagen weitgehend bestätigt</h6>
<p>Die vielversprechendsten dieser Peptide ließen sie synthetisieren und anschließend von einem geschulten Sensorik-Panel verkosten. In den meisten Fällen bestätigten sich die KI-Vorhersagen: Von den 31 getesteten Peptiden stuften die Probanden 25 korrekt als bitter oder nicht bitter ein. Darüber hinaus identifizierte das Forschungsteam zahlreiche bisher unbekannte, bitter und nicht bitter schmeckende Peptide.</p>
<p>„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich nicht nur die Bitterkeit von Peptiden vorhersagen lässt, sondern dass unsere neue KI-basierte Methode auch dazu genutzt werden kann, neue bitter schmeckende Peptide gezielt zu entwerfen“, sagt Alexandra Steuer, Erstautorin der Studie und Doktorandin in der Forschungsgruppe Molecular Modeling von Antonella Di Pizio. „Das bringt uns dem Ziel, Geschmackseigenschaften proaktiv zu steuern, deutlich näher“, fügt Studienleiterin Antonella Di Pizio hinzu.</p>
<p>Die Wissenschaftlerin betont, dass die Forschungsergebnisse bereit für die Umsetzung in Anwendungsumgebungen sind: „Langfristig könnten diese neuen Erkenntnisse dazu beitragen, die Bildung bitter schmeckender Peptide bei der Lebensmittelproduktion gezielt zu steuern. Dies wäre insbesondere für pflanzenbasierte, proteinreiche Lebensmittel relevant, deren Akzeptanz oft unter unerwünschten Geschmacksnoten leidet.“</p>
<h6>Publikation</h6>
<p>Steuer A, Ferri F, Eckrich L, Heidenkampf J, Mittermeier-Kleßinger VK, Schaefer S, Behrens M, Ferruz N, Dawid C, Di Pizio A. De-novo-Design und experimentelle Charakterisierung bitterer Peptide.&nbsp;NPJ Sci Food. (2026). doi: 10.1038/s41538-026-00942-0.&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1038/s41538-026-00942-0" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41538-026-00942-0</a></p>
<h6>Hintergrundinformation</h6>
<p>Die Informationen zu den für das Training verwendeten Bitterpeptiden entstammen der Datenbank Bitter Peptide Space (BPS)-1000.&nbsp;<a href="https://www.leibniz-lsb.de/datenbanken/bitter-peptide-space-bps-1000-database" target="_blank" rel="noreferrer">https://www.leibniz-lsb.de/datenbanken/bitter-peptide-space-bps-1000-database</a></p>
<p>Die Publikation „Srivastava P et al.&nbsp;Bitter peptide prediction using graph neural networks.&nbsp;J Cheminform.&nbsp;(2024).&nbsp;<a href="https://doi.org/10.1186/s13321-024-00909-x" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1186/s13321-024-00909-x</a>“&nbsp;stellt das BitterPep-GCN vor, ein merkmalsunabhängiges Graph-Convolution-Netzwerk zur Vorhersage von Bitterpeptiden.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.leibniz-lsb.de/presse-oeffentlichkeit/pm-20260922-pressemitteilung-ki-als-werkzeug-in-der-geschmacksforschung#c5363" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7642</guid>
                        <pubDate>Thu, 24 Sep 2026 10:41:16 +0200</pubDate>
                        <title>Auszeichnung für Gründergeist</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/auszeichnung-fuer-gruendergeist</link>
                        <description>Für seine bedeutenden Beiträge zum Transfer von Innovationen in die Wirtschaft erhält der Chemiker Christian Hackenberger den UNIPRENEURS-Preis.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Prof. Dr. Christian Hackenberger vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der Humboldt Universität zu Berlin ist mit dem UNIPRENEURS-Preis ausgezeichnet worden. Er gehört damit zu 20 Professorinnen und Professoren, die bundesweit für ihr Engagement bei Ausgründungen geehrt wurden. Der Preis würdigt Persönlichkeiten, die neben Forschung und Lehre einen wichtigen Beitrag zum Transfer von Innovationen in die Wirtschaft geleistet haben.</p>
<p>„Ich freue mich wahnsinnig über diese Auszeichnung, sie ist eine phantastische Anerkennung für meine Mitarbeiter und mich, vor allem, da sie die Bedeutung der akademischen Grundlagenforschung unterstreicht. Und natürlich bin ich mächtig stolz, Teil eines so tollen Gründerteams zu sein, das die Erfolgsgeschichte von Tubulis auf den Weg gebracht hat“, sagt Preisträger Prof. Dr. Christian Hackenberger.</p>
<p>Christian Hackenberger forscht seit 2005 an Verfahren zur Modifikation von Peptiden und Proteinen. Nach seinem Wechsel an das FMP und die Humboldt-Universität zu Berlin entwickelte sein Team 2017 das sogenannte P5-Labeling Verfahren zur Herstellung neuartiger Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs). Die Methode ermöglicht einen einfachen Zugang zu ADCs, die stabiler und wirksamer sind als andere Moleküle am Markt – und das, ohne dass die Antikörper zusätzlich gentechnisch verändert werden müssen.&nbsp;</p>
<h6>Vom P5-labeling zu Tubulis</h6>
<p>Angesichts der überzeugenden präklinischen Ergebnisse gründete Christian Hackenberger 2019 gemeinsam mit seinem ehemaligen Doktoranden Dominik Schumacher (FMP) sowie Heinrich Leonhardt und Jonas Helma-Smets (beide LMU München) das Unternehmen Tubulis, um die P5-Technologie für neue Krebstherapien nutzbar zu machen. Aktuell befinden sich drei ADCs, die mit dem P5-Labeling hergestellt worden sind, in klinischen Studien. Die Ausgründung zählt heute zu den international erfolgreichsten Biotech-Ausgründungen der vergangenen Jahre: 2026 wurde Tubulis von Gilead Sciences für bis zu fünf Milliarden US-Dollar übernommen.</p>
<p>Für seine Forschung, zu der auch die Entwicklung zellpermeabler Antikörper zählt, wurde Hackenberger bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der DFG, der Max-Bergmann-Medaille, dem UCB-Ehrlich Award for Excellence in Medicinal Chemistry sowie 2020 als erstem Preisträger überhaupt mit dem „Breakthrough of the Year“-Award der Falling Walls Foundation in den Lebenswissenschaften.</p>
<p>In diesem Jahr wurden deutschlandweit 20 Professorinnen und Professoren von UNIPRENEURS aus mehr als 800 Nominierungen ausgezeichnet. Gemeinsam haben sie rund 600 Start-ups als Mentorinnen, Mentoren, Beiräte oder Investoren begleitet; 90 Prozent der Ausgezeichneten haben selbst ein Unternehmen gegründet.</p>
<p>Über Unipreneurs: UNIPRENEURS ist eine Initiative zur Stärkung von Ausgründungen an deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, für die der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verantwortlich zeichnet. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie das Bundeswirtschaftsministerium sind gemeinsame Schirmherren der Initiative. UNIPRENEURS vergibt seine Auszeichnung alle drei Jahre.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://leibniz-fmp.de/de/newsroom/news/detail/test" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie</category>
                            
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                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Wed, 23 Sep 2026 11:17:05 +0200</pubDate>
                        <title>Erde am Limit</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/planetare-grenzen-unter-druck</link>
                        <description>60 Forschende zeigen im neuen Planetary Health Check: Der Druck auf die Belastungsgrenzen nimmt zu, sieben von neun sind bereits überschritten.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Bei allen sieben bereits überschrittenen planetaren Belastungsgrenzen nimmt die Belastung weiter zu. Rekordtemperaturen in den Ozeanen, schwere Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände und extreme Hitze zeigen, dass das Erdsystem zunehmend unter Druck steht. Das geht aus dem aktuellen Planetary Health Check hervor. Mehr als 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben an dem jährlichen Bericht mitgewirkt, der vom Planetary Boundaries Science Lab am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erstellt wird.</p>
<p>Die planetaren Grenzen beschreiben miteinander verbundene Erdsystem-Prozesse, die sich innerhalb sicherer Grenzen bewegen müssen, um die Stabilität und Widerstandsfähigkeit des Planeten zu erhalten. Sieben der neun planetaren Grenzen liegen inzwischen außerhalb des sicheren Bereichs. Zuletzt wurde 2025 auch die planetare Grenze für Ozeanversauerung überschritten. Alle sieben Grenzen – Klimawandel, Integrität der Biosphäre, Veränderung der Landnutzung, Veränderung des Süßwasserkreislaufs, Veränderung der biogeochemischen Kreisläufe, Eintrag menschengemachter Substanzen und Ozeanversauerung – sind mittlerweile so stark überschritten wie nie zuvor.</p>
<p>Nur bei der Ozonschicht und der globalen Aerosolbelastung der Atmosphäre hat sich die Lage im vergangenen Jahrzehnt verbessert. Die Autorinnen und Autoren weisen jedoch darauf hin, dass globale Fortschritte bei den Aerosolen darüber hinwegtäuschen können, dass die Belastung in einigen Regionen weiterhin außerhalb des sicheren Bereichs liegt.</p>
<p>„Die Diagnose ist eindeutig: Der Druck auf alle planetaren Grenzen, die bereits außerhalb des sicheren Handlungsraums liegen, nimmt weiter zu. Damit steigt das Risiko großräumiger, langfristiger und potenziell unumkehrbarer Veränderungen. Gleichzeitig wird unser Spielraum, diesen Problemen wirksam zu begegnen, immer kleiner“, erklärt Boris Sakschewski, PIK-Forscher und Leitautor des Berichts.</p>
<p>„Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir wissen, was zu tun ist, und haben die Möglichkeiten und Lösungen, um gegenzusteuern. Es ist wichtig, schnell zu handeln, um bei allen planetaren Grenzen in den sicheren Handlungsraum zurückzukehren. Nur so können wir unser Leben und unsere Lebensgrundlagen schützen und Wohlstand für alle auch in Zukunft sichern“, sagt Johan Rockström, PIK-Direktor und Co-Autor des Berichts.</p>
<h6><strong>Ein Jahr der Extremereignisse verdeutlicht wachsende Risiken</strong></h6>
<p>Der neue Bericht erscheint vor dem Hintergrund eines Jahres mit zahlreichen Extremereignissen an Land und in den Ozeanen. Die menschengemachte Erwärmung hat mehrere große Wetterextreme verstärkt. Wie gravierend die Folgen solcher Ereignisse ausfallen, hängt zusätzlich vom Zustand der Ökosysteme, von Wasserknappheit und Landnutzungsänderungen sowie davon ab, wie stark Menschen Gefahren ausgesetzt sind und welche Möglichkeiten sie haben, sich zu schützen und anzupassen.</p>
<p>In Pakistan waren 2025 mehr als 6,9 Millionen Menschen von Monsunüberschwemmungen betroffen. Der Wärmgehalt der Ozeane erreichte 2025 einen neuen Höchststand. Hurrikan Melissa verstärkte sich über außergewöhnlich warmem Meerwasser rasch zu einem Hurrikan der höchsten Kategorie 5 und traf anschließend auf Jamaika. Von Januar 2023 bis September 2025 waren rund 84,4 Prozent der weltweiten Korallenriff-Fläche Hitzestress ausgesetzt, der Korallenbleiche auslösen kann – das bislang größte weltweit beobachtete Ereignis dieser Art.</p>
<p>2026 erlebte Westeuropa den heißesten Juni und Juli seit Beginn der Aufzeichnungen. Gleichzeitig herrschte in Frankreich, Spanien, Deutschland und dem Vereinigten Königreich schwere Dürre, begleitet von heftigen Waldbränden in Europa und Kanada. Auch in Japan, Südkorea und Teilen des Nahen Ostens wurden Rekordtemperaturen gemessen.</p>
<p>Hindou Oumarou Ibrahim, Vorsitzende der Planetary Guardians, erklärt: „Ob in Pakistan, in der Karibik, in Europa oder an den Korallenriffen in unseren Ozeanen: Überall zeigt sich, dass unser Planet in allen Regionen zugleich aus dem Gleichgewicht gerät. Als Vorsitzende der Planetary Guardians höre ich überall dieselbe Geschichte: von Viehhalterinnen und Viehhaltern, die erleben, wie der Regen Saison für Saison ausbleibt, ebenso wie von Küstengemeinschaften, die den Meeresspiegel steigen sehen. Der Planetary Health Check 2026 untermauert mit Daten, was unmittelbar betroffene Gemeinschaften längst aus eigener Erfahrung wissen. Wir können es uns nicht länger leisten, diese Entwicklungen als voneinander getrennte Krisen zu behandeln.“</p>
<p>„Jede Veränderung braucht Geduld, Vertrauen und den Willen weiterzumachen, auch wenn es leichter erscheinen mag aufzugeben. Der Planetary Health Check 2026 zeigt, dass wir jetzt dieselbe gemeinsame Entschlossenheit für den gesamten Planeten brauchen. Sieben von neun planetaren Grenzen sind überschritten, und kein Land kann sie allein wieder in den sicheren Bereich zurückführen. Das ist ein Prozess, zu dem sich die ganze Welt gemeinsam bekennen muss – und zwar jetzt“, sagt Juan Manuel Santos, ehemaliger Präsident Kolumbiens und Co-Vizevorsitzender der Planetary Guardians.</p>
<h6><strong>Natürliche Kohlenstoffsenken unter Druck</strong></h6>
<p>Vegetation und Böden nehmen einen erheblichen Teil der vom Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen auf. Wiederholte Hitze, Dürren, Brände und die Schädigung von Ökosystemen können diese Aufnahme jedoch verringern und Ökosysteme können sich auf diese Weise in einigen Regionen von CO2-Senken zu</p>
<p>CO2-Quellen entwickeln. Der diesjährige Bericht geht der Frage nach, ob die Modelle, mit denen die Kohlenstoffaufnahme an Land berechnet wird, die Widerstandsfähigkeit der Senken möglicherweise überschätzen.</p>
<p>„Unser Weg zu Netto-Null-Emissionen ist auf funktionierende Kohlenstoffsenken angewiesen. Aktuelle Beobachtungen sind ein Warnsignal dafür, dass unser Planet möglicherweise einen Teil seiner Fähigkeit verliert, die zunehmenden, von uns verursachten Belastungen abzupuffern“, sagt Sakschewski.</p>
<h6>Report</h6>
<p>Planetary Boundaries Science (PBScience), 2026: <a href="https://www.planetaryhealthcheck.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Planetary Health Check 2026</a>. Potsdam Institute for Climate Impact Research, Potsdam, Germany.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.pik-potsdam.de/de/aktuelles/nachrichten/planetary-health-check-2026-druck-auf-planetare-grenzen-nimmt-zu" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
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                                <category>Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung</category>
                            
                                <category>Umweltwissenschaften</category>
                            
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                        <guid isPermaLink="false">news-7638</guid>
                        <pubDate>Tue, 22 Sep 2026 18:37:00 +0200</pubDate>
                        <title>Wenig Plätze, hohe Kosten</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/wenig-plaetze-hohe-kosten</link>
                        <description>Kinder aus ärmeren Familien besuchen in Europa deutlich seltener eine Kita. Frankreich liegt dabei ganz vorn, in Deutschland ist der Unterschied weniger ausgeprägt.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Kinder aus einkommensschwachen Familien besuchen deutlich seltener eine Kindertagesstätte (Kita). Das zeigt eine Analyse des ifo Instituts, die OECD-Daten für europäische Länder auswertet. Am größten sind die sozialen Unterschiede in Frankreich. Hier liegt die Betreuungsquote der Kleinkinder unter drei Jahren beim einkommensstärksten Drittel um 43 Prozentpunkte höher als beim einkommensschwächsten Drittel. Ebenfalls groß ist der Unterschied in der Schweiz (37 Prozentpunkte), in Irland (25 Prozentpunkte) und in den Niederlanden (24 Prozentpunkte). In Deutschland liegt der Unterschied nur bei etwa 8 Prozentpunkten. &nbsp;</p>
<p>„Das Problem ist in erster Linie kein mangelnder Wille der Eltern. Viele benachteiligte Familien wünschen sich ausdrücklich eine Betreuung für ihr Kind. Sie scheitern jedoch an fehlenden Plätzen, zu hohen Kosten und komplizierten Anmeldeverfahren“, sagt ifo-Bildungsforscher Henning Hermes. Am kleinsten fallen die Unterschiede in den nordischen und in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern aus. Für Kinder zwischen drei und fünf Jahren zeigen die Autoren deutlich kleinere, aber in den meisten Ländern weiterhin bestehende Unterschiede. &nbsp;</p>
<p>Als wichtigste Hürde nennen die Autoren das fehlende Platzangebot, das eng mit dem Personalmangel und der vergleichsweise geringen Bezahlung von Erzieher*innen zusammenhängt. Hinzu kommen die Kosten, komplizierte und uneinheitliche Anmeldeverfahren sowie fehlende Informationen. Bis zu einem Viertel der einkommensschwachen Haushalte gibt an, den Betreuungsbedarf aus finanziellen Gründen nicht decken zu können. „In Ländern wie den Niederlanden oder Irland kostet ein Kitaplatz Paare mehr als ein Fünftel eines durchschnittlichen Doppelverdiener-Einkommens. In der Folge bleiben genau die Kinder systematisch außen vor, die am meisten von früher Betreuung profitieren würden“, sagt Simon Wiederhold vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Koautor des Beitrags.&nbsp;</p>
<p>Die Autoren nennen sechs Ansatzpunkte für die Politik. Erstens sollen mehr Betreuungsplätze insbesondere dort geschaffen werden, wo Kinder aus benachteiligten Familien bisher unterversorgt sind. Zweitens plädieren sie für eine bessere Bezahlung und attraktivere Arbeitsbedingungen für das Personal. Drittens sprechen sie sich für zentrale, vereinheitlichte Anmeldeverfahren aus, verbunden mit dem langfristigen Ziel gebührenfreier Kitas. Viertens empfehlen sie, Familien aktiv zu informieren und persönlich zu unterstützen, etwa durch Sozialdienste oder Kinderärzt*innen. Fünftens sollen digitale, mehrsprachige Hilfen ausgebaut werden. Und sechstens fordern sie eine Ausbauplanung, die den demografischen Wandel stärker berücksichtigt.&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag stützt sich auf OECD-Daten zur Kita-Betreuung bis 2023 und vergleicht Entwicklungen seit 2010. Das Autorenteam besteht aus Henning Hermes (ifo Institut &amp; LMU München), Philipp Lergetporer (TU München, Campus Heilbronn), Frauke Peter (DZHW) und Simon Wiederhold (IWH &amp; MLU Halle-Wittenberg). Grundlage des Beitrags sind Daten des OECD-Berichts „Reducing Inequalities by Investing in Early Childhood Education and Care“ (2025). Verglichen werden die Betreuungsquoten von Kindern aus dem obersten und dem untersten Einkommensdrittel. &nbsp;</p>
<h6>Publikation (auf Englisch)</h6>
<p>&nbsp;„Time to Close the Socioeconomic Gap in Access to Childcare“, von Henning Hermes, Philipp Lergetporer, Frauke Peter und Simon Wiederhold, Nature Human Behaviour, online veröffentlicht am 18. Mai 2026: <a href="https://doi.org/10.1038/s41562-026-02479-4" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41562-026-02479-4</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.ifo.de/pressemitteilung/2026-09-22/kinder-aus-aermeren-familien-besuchen-deutlich-seltener-eine-kita" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des ifo Instituts - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>ifo Institut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Tue, 22 Sep 2026 16:21:00 +0200</pubDate>
                        <title>20 Jahre Leibniz in Europa</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/20-jahre-leibniz-in-europa</link>
                        <description>Rund 180 Gäste aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Industrie kamen Anfang September in Brüssel zusammen, um das 20-jährige Bestehen des Leibniz-Europa-Büros zu feiern.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Am 1. September 2026 feierte das Leibniz-Europa-Büro in der Landesvertretung Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel sein 20-jähriges Bestehen. Unter dem Titel „Theoria cum praxi: Competitiveness, Sovereignty, and Society in Transition“ diskutierten die Gäste über die Rolle von Forschung und Innovation für Europas Zukunft.</p>
<p>Eröffnet wurde die Veranstaltung von Petra Olschowski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, und Christoph M. Schmidt, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft.</p>
<h6>Forschung als Impulsgeberin für Europas Zukunft</h6>
<p>Im Zentrum des Abends standen eine Keynote von Irene Bertschek vom ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sowie eine hochrangig besetzte Podiumsdiskussion, moderiert von Eric Miller, Referent für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union. Es diskutierten Christian Ehler (Mitglied des Europäischen Parlaments), Gerhard Kahmen (Direktor des Leibniz-Instituts für innovative Mikroelektronik (IHP)), Claire Skentelbery (Generaldirektorin von EuropaBio) und Barbara Sturm (Vizepräsidentin der Leibniz-Gemeinschaft und Direktorin des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie e. V. (ATB)).</p>
<p>Die Veranstaltung machte deutlich, dass Europa an einem entscheidenden Punkt seiner Forschungs- und Innovationspolitik steht. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und gesellschaftlicher Zusammenhalt zusammendenken lassen - und welchen Beitrag Forschung und Innovation dazu leisten können. Mehrfach wurde betont, dass Europa über eine exzellente wissenschaftliche Basis verfügt, diese aber noch stärker in gesellschaftliche Wirkung, politische Handlungsfähigkeit und wirtschaftliche Anwendung übersetzen muss.</p>
<h6><em><strong>„Wissenschaft berät, sie entscheidet nicht. Wir vermitteln Wissen, erläutern Optionen, zeigen Zielkonflikte auf – und gewählte Politiker haben das Mandat, die Entscheidungen zu treffen.“&nbsp;</strong></em></h6>
<p><strong><em>Christoph M. Schmidt, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft</em></strong></p>
<p><a href="/fileadmin/user_upload/Bilder_und_Downloads/%C3%9Cber_uns/Organisation/Pr%C3%A4sident/Gru%C3%9Fwort_20_Jahre_Leibniz_in_Br%C3%BCssel.pdf">In seiner Rede unterstrich Christoph M. Schmidt</a>&nbsp;die besondere Rolle der Wissenschaft in demokratischen Entscheidungsprozessen. Gerade in Zeiten tiefgreifender Transformationen sei es entscheidend, politische Entscheidungen nachvollziehbar zu vermitteln und ihre wissenschaftlichen Grundlagen verständlich zu machen, um gesellschaftliche Akzeptanz zu sichern.</p>
<h6>Innovation braucht Tempo, Verlässlichkeit und gesellschaftliche Einbindung</h6>
<p>Die Podiumsdiskussion griff zentrale Herausforderungen der europäischen Forschungs- und Innovationspolitik auf: die künftige Ausgestaltung der Forschungsförderung, die Umsetzung strategischer Innovationspolitik und das Spannungsverhältnis zwischen Regulierung und Innovationsfähigkeit. Deutlich wurde: Hohe europäische Standards bei Sicherheit, Transparenz und Verlässlichkeit sind ein wichtiger Standortvorteil. Zugleich können langwierige und komplexe Verfahren Innovation erheblich bremsen - etwa in Feldern wie Biotechnologie, Mikroelektronik, Künstliche Intelligenz oder klinischer Forschung.</p>
<p>Die Diskutierenden plädierten dafür, nicht nur einzelne Schlüsseltechnologien in den Blick zu nehmen, sondern gesamte Innovationsökosysteme zu stärken - von der Grundlagenforschung über Transfer und Skalierung bis hin zu Marktzugang und gesellschaftlicher Akzeptanz. Gerade darin liegt auch eine besondere Stärke der Leibniz-Gemeinschaft: interdisziplinäre Forschung mit hoher gesellschaftlicher Relevanz, die wissenschaftliche Exzellenz mit Anwendungsorientierung verbindet.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Aspekt des Abends war die Rolle der Sozialwissenschaften. In der Diskussion wurde deutlich, dass technologische Innovation allein nicht ausreicht, wenn gesellschaftliche Akzeptanz schwindet oder wissenschaftliche Evidenz zunehmend infrage gestellt wird. Europas Zukunftsfähigkeit hängt auch davon ab, Vertrauen in Wissenschaft und Politik zu stärken und gesellschaftliche Perspektiven systematisch in Forschung und Innovationspolitik einzubeziehen.</p>
<h6>Leibniz-Forschung zu Europas drängenden Zukunftsfragen</h6>
<p>Einen sichtbaren Ausdruck dieser thematischen Breite bot die begleitende Ausstellung, in der 27 Leibniz-Institute und mehrere Leibniz-Verbünde bzw. -Netzwerke ihre Forschung zu drängenden europäischen Zukunftsfragen präsentierten - darunter Pandemievorsorge, Demokratie, Klimaresilienz, nachhaltige Landwirtschaft, Biodiversität und Bioökonomie. Die Ausstellung bot zugleich vielfältige Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung.</p>
<p>In seinen Schlussworten betonte Christoph M. Schmidt, dass gerade die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven konstruktiv zusammenzubringen, eine besondere Stärke der Leibniz-Gemeinschaft ausmache - und ein wichtiger Beitrag für ein Europa sei, das Wohlstand, Souveränität und seine Werte gleichermaßen sichern wolle.</p>
<p>Die Jubiläumsveranstaltung machte damit eindrucksvoll sichtbar, wofür das Leibniz Europa-Büro seit 20 Jahren steht: für die Verbindung von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft sowie für die Verankerung der Leibniz-Forschung im europäischen Kontext.</p>
<h6>Austausch zur europäischen Forschungspolitik</h6>
<p>Im Anschluss an das Jubiläum tagte die Sektion D der Leibniz-Gemeinschaft am 2. und 3. September 2026 erstmals in Brüssel. Neben ihrer regulären Sitzung führten die Sektionsmitglieder forschungspolitische Gespräche mit einem Vertreter des Europäischen Parlaments (Christian Ehler, MdEP), der Europäischen Kommission (Andreas Schwarz, Kabinettchef der EU-Kommissarin für Start-ups, Forschung und Innovation, Ekaterina Zaharieva) und dem Referat Forschung, Technologie und Raumfahrt der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der Europäischen Union (Referatsleiter Stefan Mengel sowie Björn Schulte, Christian Böhm). Dabei gewannen sie wertvolle Einblicke in die aktuellen Verhandlungen zur künftigen europäischen Forschungspolitik.</p>
<h6>Beteiligte Leibniz-Institute und Netzwerke</h6>
<p>Zum Gelingen des Abends trugen Beiträge aus 27 Leibniz-Instituten und mehreren Leibniz-Verbünden bzw. -Netzwerken bei, darunter: PRIF, Leibniz-Forschungsverbund Wert der Vergangenheit, IWM, GWZO / Leibniz-Forschungsnetzwerk Mittel- und Osteuropa, LEIZA, ZEW, GESIS, ifo Institut, ARL, SAFE, RWI, SGN, LSB, LIV, DifE, IVW, IOM, WIAS, IPB, LZI, IPF, ISAS, IGB, IOW, ATB, IGZ, ZALF, ZMT, IPHT und LIR.</p>
<h6>Grußwort</h6>
<p><a href="/fileadmin/user_upload/Bilder_und_Downloads/%C3%9Cber_uns/Organisation/Pr%C3%A4sident/Gru%C3%9Fwort_20_Jahre_Leibniz_in_Br%C3%BCssel.pdf" class="download">"Celebrating 20 Years Leibniz in Brussels": Christoph M. Schmidts Rede in voller Länge (PDF)</a></p>
<h6>Fotogalerie</h6>
<p>Das Fest in Bildern: Eine Galerie mit fotografischen Impressionen haben wir <a href="https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/fotogalerien/20-jahre-europabuero" target="_blank">hier</a> für Sie zusammengestellt.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/europa-und-internationales/europa-buero" target="_blank" class="internal">Website des Leibniz-Europa-Büros</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Gemeinschaft</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Tue, 22 Sep 2026 15:56:00 +0200</pubDate>
                        <title>Endlagersuche</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/raumplanung-fuer-ein-jahrhundertprojekt</link>
                        <description>Deutschland sucht nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall. Sechs Empfehlungen aus Sicht der Raumplanung – und ein vertiefender Podcast.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Fachleute des ARL-Arbeitskreises „Endlagersuche für radioaktiven Abfall in Deutschland – zur Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung“ empfehlen, die aktive Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung bei der Standortauswahl für ein Endlager hochradioaktiver Abfälle in Deutschland auszuweiten.</p>
<p>In Deutschland wird nach wie vor nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall aus der Kernenergie gesucht. Seit 2017 regelt das Standortauswahlgesetz das entsprechende Verfahren. Dieses Gesetz soll sicherstellen, dass der Suchprozess partizipativ, wissenschaftsbasiert, transparent, selbsthinterfragend und lernend angelegt ist und am Ende zu einem Endlagerstandort mit bestmöglicher Sicherheit führt.</p>
<h6>Sechs Empfehlungen zur Rolle der Raumplanung und Raumentwicklung</h6>
<p>Bei der Ermittlung dieses Endlagerstandorts spielen Sicherheitsanforderungen und geowissenschaftliche Kriterien eine Rolle. Aber auch Raumplanung und Raumentwicklung sind in allen Phasen der Standortauswahl gefragt. Genau hier setzt der ARL-Arbeitskreis „Endlagersuche für radioaktiven Abfall in Deutschland – zur Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung“ an und hat sechs Empfehlungen erarbeitet:</p>
<ol> 	<li>Die Endlagersuche sollte durch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Regionalentwicklung und regionalen Innovation in den Standortregionen flankiert werden.</li> 	<li>Die planungswissenschaftlichen Abwägungskriterien sollten überprüft und konkretisiert werden.</li> 	<li>Die Regionsabgrenzungen sollten zweckbezogen differenziert und unter Einbezug der Öffentlichkeit diskutiert und festgelegt werden.</li> 	<li>Die sozioökonomischen Potenzialanalysen sollten ausgestaltet und eng mit der Erarbeitung von regionalen Entwicklungskonzepten verzahnt werden.</li> 	<li>Raumwissenschaftliches und raumplanerisches Know-how sollte bei Umweltprüfungen und bei der Prüfung der Raumverträglichkeit von Standortvorschlägen berücksichtigt werden.</li> 	<li>Es sollten langfristige regionale Analysen und ein begleitendes Monitoring in das Standortauswahlverfahren aufgenommen werden.</li> </ol>
<h6>Positionspapier erläutert Empfehlungen des Arbeitskreises</h6>
<p>Die Mitglieder des Arbeitskreises „Endlagersuche“ sprechen sich dafür aus, dass sich Raumentwicklung und Raumplanung in Wissenschaft und Praxis wesentlich stärker als bisher mit der Endlagersuche und den damit verbundenen Fragestellungen auseinandersetzen sollten. Sie sollten ihre Position in die öffentliche Diskussion einbringen und sich als langfristige Partner bei der nuklearen Entsorgung, insbesondere bei der Standortauswahl, etablieren.</p>
<p>Ihre Bemühungen sollten darauf abzielen, zur Aufklärung und Versachlichung der Endlagerdiskussion beizutragen, einschlägige Expertise durch geeignete Formate gezielt weiterzuentwickeln und insbesondere jüngeren Generationen neue Wege zu eröffnen.<br> „Die Endlagerung radioaktiver Abfälle aus der Kernenergie ist ein Jahrhundertprojekt mit großer Relevanz für die Regionalentwicklung in Deutschland. Da müssen Fachleute, gerade auch jüngere aus dem Umfeld der ARL, wirksam eingebunden sein. Wir plädieren deshalb dafür, dass Expertinnen und Experten aus Raumplanung und Raumentwicklung das Thema Endlagerung aufgreifen und sich aktiv in die weiteren Diskussionen einbringen“, sagt der Leiter des Arbeitskreises, Professor Bernhard Müller von der Technischen Universität Dresden.</p>
<p>ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (Hrsg.) (2026): Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in Deutschland – Empfehlungen von Raumplanung und Raumentwicklung. Hannover. = Positionspapier aus der ARL 166. <a href="https://doi.org/10.60683/mazw-9095" target="_new" rel="noreferrer">https://doi.org/10.60683/mazw-9095</a></p>
<h6>Vierteilige Podcast-Serie zur vertiefenden Diskussion</h6>
<p>In einer vierteiligen Podcast-Serie vertieft die Regionalplanerin und Podcast-Host Sarina Hüben (Regierung von Unterfranken) verschiedene Aspekte der Standortsuche für radioaktive Endlager.<br> Gemeinsam mit ihrem Gast Dr. Monika C. M. Müller (Evangelische Akademie Loccum) gibt sie in der ersten Folge eine Einführung in die Endlagersuche und klärt grundlegende Begriffe. In der zweiten Folge diskutieren Bernhard Müller und Mathias Steinhoff (Bundesgesellschaft für Endlagerung) darüber, wie die Raumplanung dabei unterstützen kann, Raumnutzungskonflikte zu lösen und die regionale Entwicklung fair zu berücksichtigen. In der dritten Folge setzt sich Dr. Ryan Kelly (Ökoinstitut e.V) damit auseinander, ob sich sozialräumliche Potenziale aus einem Endlagerstandort für eine Region ergeben könnten – und wenn ja, welche. In der letzten Folge geht es um Emotionen und Sachargumente. Oliver Weidlich (Regierung von Unterfranken), Ansprechpartner für Kommunen bei der Endlagersuche, berichtet, welche Rolle negative und positive Narrative bei der Standortsuche eines Endlagers spielen können.</p>
<ul> 	<li data-list-item-id="ea679fb8019f3fa07addd1aaa2d47b59f">Endlagersuche (1/4): <a href="https://raeumlich-gedacht.podigee.io/10-einfuhrung-endlagersuche" target="_blank" rel="noreferrer">Einführung in die Endlagersuche</a></li> 	<li data-list-item-id="e14af07d2a98c8f5f1d86b9711c86352a">Endlagersuche (2/4): <a href="https://raeumlich-gedacht.podigee.io/9-rolle-raumplanung-und-raumentwicklung" target="_blank" rel="noreferrer">Die Rolle von Raumplanung und Raumentwicklung in der Standortauswahl</a></li> 	<li data-list-item-id="ea9defc7e13fc0c40106937abbb652821">Endlagersuche (3/4): <a href="https://raeumlich-gedacht.podigee.io/7-regionale-potenziale" target="_blank" rel="noreferrer">Regionale Potenziale eines Endlagers</a></li> 	<li data-list-item-id="ee85d9a3732a5b4ebb4c94c1715c944fb">&nbsp;Endlagersuche (4/4): <a href="https://raeumlich-gedacht.podigee.io/8-von-horrorstory-zu-erfolgsgeschichte" target="_blank" rel="noreferrer">Von der Horrorstory zur Erfolgsgeschichte</a></li> </ul>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.arl-net.de/de/blog/endlagersuche-f%C3%BCr-radioaktiven-abfall-welche-rolle-raumplanung-und-raumentwicklung-einnehmen" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7635</guid>
                        <pubDate>Mon, 21 Sep 2026 13:14:47 +0200</pubDate>
                        <title>Risikocheck per Flügelbild</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/risikocheck-per-fluegelbild</link>
                        <description>Die Verbreitung verschiedener Stechmückenarten ist entscheidend für das Infektionsrisiko in einer Region. Eine neue Applikation ermöglicht die Bestimmung der Spezies nun schnell und präzise mittels KI.&amp;nbsp;</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Team am BNITM hat gemeinsam mit Partnern eine frei verfügbare Applikation namens ITHILDIN entwickelt. Diese vermisst Flügelbilder von Stechmücken und anderen Zweiflüglern automatisch und kann dadurch Arten zuverlässig unterscheiden. Dabei ist das System viel schneller als ein Mensch und macht weniger Fehler. Dadurch können „Nicht-Entomolog:innen“ und Expert:innen bei der Artbestimmung unterstützt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt für Vektorüberwachung und Forschung zu tropischen Infektionskrankheiten.</p>
<p>Stechmücken können Erreger von Malaria, Dengue, West-Nil-Fieber und anderen Infektionskrankheiten übertragen. Wie hoch das Risiko in einer bestimmten Region ist, hängt auch davon ab, welche Arten dort vorkommen. Daher ist es wichtig, regelmäßig zu erfassen, welche Spezies wo auftreten. Doch genau hier hakt es oft: Die sichere Bestimmung der Stechmückenarten ist aufwendig und erfordert Erfahrung. Molekulare Methoden können hier aushelfen, sind aber teuer und nicht überall verfügbar.</p>
<p>Seit einigen Jahren nutzen Forschende die Flügelform von Stechmücken zur Artunterscheidung. Grundlage hierfür sind Landmarks. Dies sind vordefinierte Punkte auf den Flügeladern. Aus den hiervon abgeleiteten Koordinaten lässt sich die Form des Flügels beschreiben und zwischen Arten vergleichen. Der Flügel eignet sich dafür gut, weil er flach ist, immer in gleicher Lage fotografiert werden kann und weder ein Labor noch teure Geräte erfordert. Bisher war das Problem, dass diese Punkte von Hand gesetzt werden mussten. Das ist zeitaufwendig und fehleranfällig.</p>
<p>Daher hat das <a href="https://www.bnitm.de/forschung/forschungsgruppen/population/abt-arbovirologie-entomologie/oekologie" target="_blank" rel="noreferrer">BNITM-Team</a> ITHILDIN entwickelt („Integrated Tool for Homologous Image Landmark Detection in Insects using Neural networks“). Die Software nimmt ein Foto eines Stechmückenflügels, schneidet per Bildanalyse den Flügel aus, erkennt automatisch die Flügeladern und setzt an definierten Stellen Markierungen. Dann vergleicht es die Flügelform mit denen von bekannten Arten und ordnet es einer Art zu.</p>
<p>„Wir wollten ein Werkzeug bauen, das Stechmücken nicht nur klassifiziert, sondern so vermisst, dass wir verstehen und bestimmen können, wie die KI ihre Entscheidung trifft“, sagt Kristopher Nolte, Erstautor der Studie und Wissenschaftler am BNITM.</p>
<h6>Präzisere Stechmückenbestimmung für Überwachung und Forschung</h6>
<p>Die Forschenden testeten ITHILDIN an über 15.000 Flügelbildern weiblicher Stechmücken. Dabei war das System in der Lage, zwischen 34 unterschiedlichen Arten und Arten-Komplexen mit über 90 Prozent. Genauigkeit zu unterscheiden und setzte die Landmarks dabei so gut wie ein geübter &nbsp;Mensch. Auch im Vergleich zu den klassisch genutzten KI-Modellen wie Convolutional Neural Networks (CNN) schneidet die Landmark-basierte Methode equivalent ab. Doch der größte Vorteil zeigt sich, wenn ITHILDIN auf neue Daten trifft. Die Forschenden wiederholten eine unabhängige Studie aus der Republik Korea, indem sie deren Bilder in die öffentliche Anwendung luden. Hier war die ITHILDIN deutlich zuverlässiger, wenn Landmarks anstatt des CNN genutzt werden. Damit eignet sich der Ansatz auch für Situationen, in denen die Bildqualität oder die Aufnahmetechnik von Studie zu Studie variiert.</p>
<p>Für die Forschung öffnet sich damit ein Werkzeugkasten weit über die reine Artbestimmung hinaus. Aus der Flügelform oder -größe lassen sich zum Beispiel Unterschiede zwischen Populationen sowie Einflüsse von Temperatur oder Nahrungsangebot in der Larvenphase ableiten. All diese Faktoren beeinflussen die Ausbreitung von Krankheitsüberträgern und sind Gegenstand aktueller Forschung.</p>
<p>„Wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem eine Maschine alle Stechmücken der Welt besser erkennt als ein guter Entomologe“, sagen Dr. Felix Sauer und Dr. Renke Lühken, Letzt-Autoren der Studie. „Aber wir kommen dahin, dass wir Laien und Expert:innen mit einem Werkzeug ausstatten, das Überträger von Krankheitserregern objektiv bestimmt. Das ist für die Vektorüberwachung ein echter Gewinn.“</p>
<h6>Hintergrund</h6>
<p><strong>Vom Stechmückenflügel zum digitalen Messpunktnetz</strong></p>
<p>Landmarks sind klar definierte anatomische Punkte, in diesem Fall Kreuzungen von Flügeladern. Sie dienen als wiedererkennbare Messpunkte. Semilandmarks liegen zwischen diesen Punkten entlang der Flügeladern und beschreiben die Form des Flügels noch feiner.</p>
<p>In der Studie arbeitete das Team mit 17 festen Landmarks auf den Stechmückenflügeln. Entlang ausgewählter Adern platzierte ITHILDIN zusätzlich bis zu 52 Semilandmarks. Diese Kombination aus wenigen „Fixpunkten“ und vielen Zwischenpunkten erlaubt eine sehr detaillierte Erfassung der Flügelform.</p>
<p><strong>Wie gut ist die KI im Vergleich zu Menschen?</strong></p>
<p>Die durchschnittliche Abweichung der automatisch gesetzten Punkte von der menschlichen Referenz lag im Bereich von wenigen Pixeln und damit innerhalb der Unterschiede, die auch zwischen zwei Menschen auftreten. Ein etabliertes Vergleichssystem zur automatischen Landmark-Erkennung schnitt deutlich schlechter ab.</p>
<p>Ein weiterer Vorteil: ITHILDIN arbeitet als „einzelne Person“, die immer gleich misst. Das macht Datensätze aus unterschiedlichen Arbeitsgruppen besser vergleichbar und erlaubt es erstmals, alle morphometrischen Untersuchen von Zweiflüglern zusammen zu führen.&nbsp;</p>
<p><strong>Nur Stechmücken?</strong></p>
<p>Nein. Das Team konnte zeigen, dass sich der Ansatz mit überschaubarem Mehraufwand auch auf andere Zweiflügler übertragen lässt. Für Tsetsefliegen (Glossinidae) und Drosophila-Fliegen erreichte das System ähnlich präzise Ergebnisse &nbsp;bei den Landmarks. Je nach Flügelbau, Behaarung und Bildqualität sind dafür einige Hundert zusätzliche Bilder zur Anpassung nötig.</p>
<p><strong>ITHILDIN steht bereits online zur Nutzung bereit</strong></p>
<p>ITHILDIN ist bereits als "Demonstrator" öffentlich verfügbar: Interessierte können über <a href="https://ithildin.bnitm.de" target="_blank" rel="noreferrer">https://ithildin.bnitm.de</a> eigene Flügelbilder hochladen und testen, wie das System sie klassifiziert.</p>
<p><strong>Förderung und Kooperationen</strong></p>
<p>Die Arbeiten zu ITHILDIN wurden in Kooperation mit der Universität Hamburg und der Universität Würzburg durchgeführt und unter anderem durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (Projekte NEED und CIMT), die Klaus Tschira Stiftung (Klaus Tschira Boost Fund), die Howard and Gabriele Kroch Foundation sowie Mittel aus dem EU‑Forschungsprogramm Horizon Europe im Rahmen des ISIDORe-/Infravec-Verbundes finanziell unterstützt.</p>
<h6><strong>Originalpublikation</strong></h6>
<p>Kristopher Nolte et al.: "Automated landmark and semilandmark annotation for wing geometric morphometrics in Diptera using deep learning", Ecological Informatics 99 (2026), 104031. DOI: <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1574954126004383?via%3Dihub" title="Externer Link zum Paper" target="_top">https://doi.org/10.1016/j.ecoinf.2026.104031</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.bnitm.de/aktuelles/news/ki-basierte-bestimmung-von-stechmuecken-anhand-ihrer-fluegel" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Projekte</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7633</guid>
                        <pubDate>Fri, 18 Sep 2026 16:00:00 +0200</pubDate>
                        <title>Lichtforschung auf der Nanoskala </title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/auszeichnung-fuer-lichtforschung-auf-der-nanoskala</link>
                        <description>Lara Greten erhält den Marthe-Vogt-Preis 2026. Die Physikerin erforscht die Licht-Materie-Wechselwirkung in ultradünnen Materialien.&amp;nbsp;</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Der Forschungsverbund Berlin e. V. (FVB) zeichnet in diesem Jahr die Physikerin Dr. Lara Greten mit dem Marthe-Vogt-Preis für außergewöhnliche Nachwuchswissenschaftlerinnen aus. In ihrer Dissertation „Nanoscale Light-Matter Interaction of Ultrathin Materials“ entwickelte sie eine einheitliche mikroskopische Theorie, mit der sich beschreiben und vorhersagen lässt, wie Licht mit ultradünnen Materialien in komplexen Hybridsystemen wechselwirkt. Ihre Arbeit schafft damit ein besseres theoretisches Verständnis für neuartige optische Eigenschaften auf der Nanoskala und liefert zugleich Grundlagen für zukünftige Anwendungen in der Nano- und Quantenoptik.</p>
<h6 class="text-justify"><strong>Die Preisträgerin</strong></h6>
<p>Dr. Lara Greten wurde 1997 in Berlin geboren und studierte Physik an der Technischen Universität Berlin. Ihren Masterabschluss erwarb sie 2021 mit der Note 1,0. Im Oktober 2025 schloss sie dort ihre Promotion im Bereich der theoretischen Festkörperphysik und Quantenoptik mit summa cum laude ab. In ihrer Arbeit beschäftigt sich Dr. Greten mit der Frage, wie Licht auf der Nanoskala mit Materie wechselwirkt. Im Fokus stehen ultradünne Materialien und Hybridsysteme, in denen nur wenige Atome dicke zweidimensionale Materialien mit nanometerkleinen Metallstrukturen kombiniert werden. Durch das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Strukturen können neue optische Eigenschaften entstehen. Um diese gezielt zu verstehen und künftig für technologische Anwendungen nutzbar zu machen, ist ein mikroskopisches Verständnis der zugrunde liegenden Wechselwirkungen entscheidend. Dr. Greten entwickelte dafür einen theoretischen Ansatz, der unterschiedliche Materialsysteme und Formen der Licht-Materie-Wechselwirkung einheitlich beschreiben kann.</p>
<p>Über den Marthe-Vogt-Preis freut sich Dr. Greten nicht nur als Anerkennung ihrer bisherigen Arbeit. „Planungssicherheit ist in der akademischen Welt leider nicht gegeben, und eine solche Auszeichnung erhöht die Chancen, dass ich dort langfristig meinen Weg gehen kann“, sagt sie. Gleichzeitig sei der Preis auch außerhalb der akademischen Welt eine sichtbare Anerkennung ihrer Arbeit.</p>
<p>Seit März 2026 forscht Lara Greten als Postdoktorandin an der Queen’s University in Kingston, Kanada, im Rahmen eines Feodor Lynen-Fellowships der Alexander von Humboldt-Stiftung zu Quantenoptik und Licht-Materie-Wechselwirkungen. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen wurde Dr. Greten bereits mehrfach ausgezeichnet. Dazu gehören unter anderem der Physik-Studienpreis 2022 der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin, der Clara-von-Simson-Preis 2021 der TU Berlin sowie ein Fellowship zur Teilnahme am 73. Lindauer Nobelpreisträgertreffen. Bereits als Schülerin erhielt sie den Physik-Schülerpreis der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin und den DMV-Abiturpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. „Ich war schon als Kind eine Warum-Fragen-Stellerin“, sagt Greten. „Und das ist es, was mich an Physik so begeistert: Es geht darum, Warum-Fragen in der Sprache der Mathematik zu beantworten.“ Dass auf jede Antwort mindestens zwei neue Fragen folgen, findet sie dabei nicht frustrierend, sondern gerade spannend: „Es wird nie langweilig!“</p>
<p>Neben ihrer Forschung ist Dr. Greten auch in der Lehre engagiert. An der TU Berlin unterrichtete sie unter anderem Quantenmechanik, Optik und Festkörpertheorie auf Bachelor- und Masterniveau. „Richtig verstanden habe ich ein Thema erst, wenn ich es auch verständlich erklären kann“, sagt sie.&nbsp;Für junge Physikerinnen hat sie einen einfachen Rat: „Zu sich selbst stehen.“</p>
<p>Die Fachjury des diesjährigen Marthe-Vogt-Preises war insbesondere von der Kreativität der theoretischen Ansätze von Dr. Greten beeindruckt, ebenso wie von dem praktischen Einfluss, den ihre Theorie - die auch andere Arten von zweidimensionalen Systemen beschreiben kann - bereits heute in der Fachwelt gewonnen hat: So wird die von ihr entwickelte Beschreibung zum Verständnis optischer Eigenschaften niedrigdimensionaler und hybrider Materialsysteme im Zusammenspiel von Experiment und Theorie bereits genutzt. Ebenso konnte sie, basierend auf dem durch ihre Theorie vermittelten mikroskopischen Verständnis, neuartige optische Zugangswege zur Erforschung der Quantenstruktur von Materie vorhersagen, bei dem "Nanometer-Materialien" mit "Nanometer-Licht" analysiert werden.</p>
<p>Jurymitglied und Direktor am Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie Prof. Dr. Stefan Eisebitt erläutert: „Seit einigen Jahren ist es möglich, komplexe Hybridsysteme aus sogenannten zweidimensionalen Materialien - diese sind nur einige wenige Atome dünn - und nanometerkleinen Metallobjekten herzustellen. Dies ist besonders interessant, weil durch den Kontakt der verschiedenen Strukturen in den Hybridsystemen völlig neue optische Eigenschaften entstehen, die man zukünftig in Anwendungen ausnutzen möchte.“</p>
<h6 class="text-justify"><strong>Der Preis</strong></h6>
<p>Der Marthe-Vogt-Preis (damals noch Nachwuchswissenschaftlerinnenpreis) wurde 2001 vom Forschungsverbund Berlin ins Leben gerufen. Er ist nach der Pharmakologin und Neurologin Marthe Louise Vogt (1903–2003) benannt, die Neurotransmitter erforschte. Sie arbeitete als leitende Wissenschaftlerin im Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch. 1935 verließ sie Deutschland aufgrund ihrer Gegnerinnenschaft zum Nationalsozialismus, migrierte nach Großbritannien und setzte ihre Forschung dort mit großem Erfolg fort.</p>
<p>Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wird an junge Wissenschaftlerinnen aus dem Raum Berlin-Brandenburg verliehen, die in jüngster Vergangenheit eine außergewöhnlich gute Dissertation auf einem der Forschungsgebiete der Institute des FVB vorgelegt haben, u. a. Molekulare Pharmakologie, Strukturbiologie und Chemische Biologie, Neue Materialien, Gewässerökologie und Biodiversitätsforschung, Biologie, Veterinärmedizin und Umweltforschung, Nanomaterialien, Quantenmaterialien, Optoelektronik und Materialwissenschaften, Laserforschung und Licht-Materie-Wechselwirkung sowie Angewandte Mathematik. Vorschlagsberechtigt sind Direktor*innen außeruniversitärer wissenschaftlicher Einrichtungen sowie Professor*innen und habilitierte Mitglieder der Fakultäten von Hochschulen.</p>
<p>Die erste Preisträgerin 2001 war die Biochemikerin Dr. Kathrin Plath, die heute ein eigenes Lab an der UCLA leitet.</p>
<h6 class="text-justify"><strong>Die Preisverleihung</strong></h6>
<p>Die Preisverleihung findet am 1. Oktober 2026 um 18:00 Uhr im Berliner Naturkundemuseum statt. Viele hochrangige Gäste sind zur Veranstaltung geladen. Im Rahmen der feierlichen Zeremonie wird Dr. Lara Greten ihre Arbeit vorstellen, das Grußwort spricht Prof. Dr. Dorothea Fiedler, Vorstandssprecherin des FVB, Juryvorsitzende sowie Direktorin am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie. Außerdem wird die Gender- und Identitätsforscherin am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel, Dr. Anneke Steegh, eine spannende Keynote mit dem Titel „Wissenschaft braucht Haltung - über Mut, Menschen und einfach mal machen“ präsentieren. Musikalisches Live-Programm und Fingerfood werden die Preisverleihung abrunden.</p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.fv-berlin.de/infos-fuer/medien-und-oeffentlichkeit/news/licht-auf-der-nanoskala-dr-lara-greten-erhaelt-marthe-vogt-preis-2026" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Forschungsverbunds Berlin e.V. </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Gemeinschaft</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Thu, 17 Sep 2026 15:44:00 +0200</pubDate>
                        <title>Immunabwehr mit Kehrseite</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/immunabwehr-mit-kehrseite</link>
                        <description>Bestandteile unserer Immunzellen helfen dem Hefepilz Candida albicans, der Abwehr zu entgehen. Dahinter stecken Membranbläschen, die sich an den pilzlichen Eindringling anlagern.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich ist unsere Immunabwehr ein ausgeklügeltes System, das uns vor Krankheitserregern schützt. Doch ein Forschungsteam der Universitäten Würzburg und Jena sowie des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) zeigt nun, dass bestimmte Bestandteile dem Hefepilz <em>Candida albicans</em> offenbar dabei helfen, ebendieser Abwehr zu entgehen. Die im <em>Journal of Extracellular Vesicles</em> veröffentlichte Studie beschreibt damit eine unerwartete Kehrseite der Immunantwort auf den pilzlichen Eindringling.</p>
<p><em>Candida albicans</em> lebt bei vielen Menschen unauffällig auf Haut und Schleimhäuten. Breitet sich der Pilz jedoch über die Blutbahn im Körper aus, kann er insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden. Zu den wichtigsten Abwehrzellen gegen solche Eindringlinge gehören neutrophile Granulozyten. Diese weißen Blutkörperchen können Krankheitserreger erkennen, in ihr Zellinneres aufnehmen und unschädlich machen.</p>
<p>In der aktuellen Studie untersuchten die Forschenden die Begegnung zwischen diesen Immun- und Pilzzellen in einem Labormodell. Dazu versetzten sie das Blut gesunder Spender*innen mit <em>Candida albicans</em>. „Uns fiel dabei auf, dass ein kleiner Teil der Pilzzellen stets frei im Blut verblieb, obwohl genügend Abwehrzellen vorhanden waren, die sie hätten aufnehmen können“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Oliver Kurzai. „Dass ausgerechnet Bestandteile der Immunzellen selbst zu diesem Effekt beitragen, war für uns eine überraschende Beobachtung.“</p>
<h6><strong>Membranbläschen mit paradoxer Wirkung</strong></h6>
<p>Denn auf der Suche nach einer Erklärung entdeckte das Team Proteine auf der Oberfläche der frei gebliebenen Pilzzellen, die ursprünglich von neutrophilen Granulozyten, also den körpereigenen Immunzellen, stammten. Die Spur führte schließlich zu extrazellulären Vesikeln: winzigen, von einer Membran umhüllten Bläschen, die von Immunzellen in ihre Umgebung abgegeben werden. Man kann sie sich als kleine, freischwimmende „Pakete“ vorstellen, die in und auf ihrer Hülle Proteine und andere Moleküle ihrer Ursprungszelle transportieren.</p>
<p>Auch neutrophile Granulozyten setzen solche Vesikel frei, wenn sie mit Krankheitserregern in Kontakt kommen. Das Forschungsteam isolierte die Bläschen und zeigte, dass sie sich an <em>Candida albicans</em> anlagern. Dabei übertragen sie Bestandteile der Immunzellen auf die Oberfläche des Pilzes.</p>
<p>Das Ergebnis dieser Interaktion ist paradox: Die Vesikel enthalten zwar zahlreiche Abwehrstoffe, bremsen das Wachstum des Pilzes jedoch nicht. Stattdessen wurden Pilzzellen, die zuvor mit den Vesikeln in Kontakt gekommen waren, seltener von neutrophilen Granulozyten aufgenommen. Dieser Effekt zeigte sich sowohl in Versuchen mit isolierten Immunzellen als auch im Vollblut.</p>
<h6><strong>Keine aktive Verteidigungsstrategie des Pilzes</strong></h6>
<p>Von <em>Candida albicans</em> sind verschiedene aktive Strategien bekannt, um der Immunabwehr gezielt zu entgehen. Der nun beschriebene Effekt gehört jedoch nicht dazu. Er tritt sogar bei abgetöteten Pilzen auf. Zudem bietet er keinen vollumfänglichen Schutz.</p>
<p>„Das ist kein Schwarz-Weiß-Effekt: Die Vesikel verhindern nicht vollständig, dass Immunzellen den Pilz aufnehmen. Sie verschieben jedoch die Wahrscheinlichkeit zu seinen Gunsten, sodass ein größerer Anteil der Pilzzellen außerhalb der Abwehrzellen verbleibt“, erklärt Dr. Kerstin Hünniger-Ast, Letztautorin der Studie. „Ein Vorteil, den <em>Candida albicans </em>offenbar nicht selbst herbeigeführt hat. Vielmehr entsteht er als Folge unserer eigenen Immunreaktion.“</p>
<h6><strong>Wie der Schutz genau entsteht, ist noch offen</strong></h6>
<p>Warum die Vesikel die Aufnahme des Pilzes erschweren, ist noch nicht abschließend geklärt. Denkbar ist, dass die angelagerten Bläschen typische Strukturen der Pilzzellwand räumlich verdecken. Die Immunzellen könnten den Erreger dann schlechter erkennen. Möglich ist auch, dass die übertragenen körpereigenen Proteine die Pilzoberfläche für die Abwehr weniger fremd erscheinen lassen. Unter dieser vermeintlich körpereigenen Hülle könnten die Pilzzellen dem Zugriff der Immunabwehr leichter entgehen.</p>
<p>Die Ergebnisse erweitern das Verständnis der Rolle von extrazellulären Vesikeln im Rahmen von Pilzinfektionen. Frühere Arbeiten hatten gezeigt, dass solche Vesikel neutrophiler Granulozyten das Wachstum des Schimmelpilzes <em>Aspergillus fumigatus</em> hemmen können. Bei <em>Candida albicans</em> offenbarte sich nun eine andere Seite derselben Abwehrwerkzeuge: Trotz ihrer antimikrobiellen Fracht beeinträchtigen die Vesikel das Wachstum des Pilzes nicht. Stattdessen tragen sie dazu bei, dass er seltener von Immunzellen aufgenommen wird.</p>
<p>Ob der beschriebene Mechanismus so auch bei Patient*innen mit einer <em>Candida</em>-Blutstrominfektion abläuft und bei weiteren Krankheitserregern eine Rolle spielt, müssen künftige Studien zeigen.</p>
<h6><strong>Hintergrund und Förderung</strong></h6>
<p>Oliver Kurzai, unter dessen Federführung die Studie entstand, ist Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und leitet zugleich das am Leibniz-HKI angesiedelte Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk). An der Forschungsarbeit waren Wissenschaftler*innen der Universität Würzburg, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-HKI beteiligt.</p>
<p>Damit knüpft die Studie an die langjährige Zusammenarbeit der Standorte Jena und Würzburg im DFG-geförderten Sonderforschungsbereich/Transregio FungiNet an. Zentraler Forschungsgegenstand dieses Sonderforschungsbereichs waren die Wechselwirkungen zwischen krankheitserregenden Pilzen und der menschlichen Immunabwehr.</p>
<p>Die Studie wurde von mehreren Fördermittelgebern unterstützt, darunter neben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Europäische Union und das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p>Patitz JJ, Nieuwenhuizen NE, Solomatina A, Bachelot Y, Krüger T, Svensson CM, Hoeppener S, Zimmermann AK, Blango MG, Martin R, Kniemeyer O, Lange T, Brakhage AA, Figge MT, Kurzai O, Hünniger-Ast K (2026) Host-to-pathogen transfer of neutrophil components via extracellular vesicles shields <em>Candida albicans</em> from immune attack in human blood. <em>Journal of Extracellular Vesicles</em> 15(9): e70363. doi: <a href="https://doi.org/10.1002/jev2.70363" target="_blank" rel="noreferrer">10.1002/jev2.70363</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.leibniz-hki.de/de/pressemitteilung/pilzinfektionen-immunabwehr-mit-ueberraschender-kehrseite.html" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7632</guid>
                        <pubDate>Thu, 17 Sep 2026 15:13:53 +0200</pubDate>
                        <title>Kurs auf KI-Zeitalter</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/kurs-auf-ki-zeitalter</link>
                        <description>Europa läuft Gefahr, im Bereich KI von ausländischen Regierungen und Unternehmen abhängig zu werden, warnen Experten. Eine neu veröffentlichte Strategie soll Handlungsfähigkeit verschaffen.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Eine Koalition der führenden Ökonomen, Politiker und KI-Experten Europas – darunter Nobelpreisträger Philippe Aghion und die frühere EU-Kommissarin Margrethe Vestager – warnt davor, dass Europa Gefahr läuft, unwiderruflich von einer Handvoll ausländischer Regierungen und Einzelpersonen abhängig zu werden, sollte in diesem Jahr nicht entschlossen gehandelt werden. Um den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission Handlungsfähigkeit zu verschaffen, hat die Expertenkoalition, der auch Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und ifo-Präsident Clemens Fuest angehören, eine wegweisende Transformative-AI-Strategie veröffentlicht. Sie legt dar, wie Europa sich Zugang zu KI der Spitzenklasse sichern, den Ausbau von Infrastruktur auf europäischem Boden fördern, seine Bürgerinnen und Bürger vor KI-bedingten Krisen wie Cyberangriffen und biologischen Sicherheitsrisiken schützen und sicherstellen kann, dass seine Institutionen mit anderen globalen Mächten Schritt halten können.</p>
<p>Die Autorinnen und Autoren der Strategie sind überzeugt, dass Europa mit der Umsetzung der Empfehlungen auf einen Kurs gebracht werden kann, im KI-Zeitalter erfolgreich zu sein – betonen jedoch, dass sich das Zeitfenster schnell schließt, da andere Länder wie China und die USA mit Investitionen und der Gewinnung von Spitzentalenten weiter voranschreiten.</p>
<p><strong>Margrethe Vestager</strong>, ehemalige geschäftsführende Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Kommissarin für Wettbewerb, stellvertretende Ministerpräsidentin Dänemarks und Mitautorin der Strategie, erklärte:</p>
<p>„Wir dürfen nicht zulassen, dass Europa zum Spielfeld ausländischer Mächte wird. Unsere Bürgerinnen und Bürger spüren bereits heute die wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Entscheidungen, die anderswo getroffen werden. KI wird diese Entwicklung beschleunigen und unser persönliches Leben, unsere Beziehungen, unser Lernen und unsere Arbeit in einem beispiellosen Tempo verändern. Wenn die Wertschöpfung außerhalb unserer Grenzen stattfindet, werden wir diesen Veränderungen mit weniger Mitteln begegnen können. Das sollte uns weit mehr beunruhigen, als es derzeit der Fall ist. Wir müssen handeln.</p>
<p>Überall in der Union nehmen Regierungen KI entweder nicht ernst genug oder konzentrieren sich auf andere Prioritäten. Die Empfehlungen in diesem Bericht sind konkret und sofort umsetzbar. Kommission und Mitgliedstaaten können jetzt handeln. Nichts sollte uns davon abhalten!“</p>
<h6>Mit Mut kann Europa im Zeitalter transformativer KI erfolgreich sein</h6>
<p>Europa verfügt über die nötigen Ressourcen, um im KI-Zeitalter zu bestehen – doch das Zeitfenster, diese Stärken zu nutzen, schließt sich rasch. Europa hat einen großen Markt, mehrere Schlüsselunternehmen in der KI-Lieferkette – etwa den Lithografie-Marktführer ASML – sowie starke technische Talente. Je näher wir jedoch einer Welt kommen, in der KI dominiert, desto stärker dürften Europas Stärken relativ an Wert verlieren, während der verlässliche Zugang zu KI an der globalen Spitze deutlich schwieriger werden könnte.</p>
<p>Um in kritischen Bereichen wie Verteidigung, Cybersicherheit oder Wissenschaft nicht ins Hintertreffen zu geraten, muss Europa sich entweder Zugang zu ausländischer Spitzen-KI sichern oder selbst wettbewerbsfähige Spitzen-KI entwickeln. Die Strategie behandelt beide Ansätze, konzentriert sich jedoch angesichts der extrem hohen Kosten eines erfolgreichen eigenen europäischen Spitzen-KI-Projekts auf den Zugang zu den weltweit fortschrittlichsten KI-Modellen.</p>
<p><strong>Philippe Aghion</strong>, französischer Ökonom, Nobelpreisträger und ebenfalls Mitautor der Strategie, erklärte: „Europa läuft angesichts der außergewöhnlichen Entwicklungen im Bereich KI akut Gefahr, ins Abseits zu geraten. Wir können entweder auf einem Kurs bleiben, der Sicherheit und Wohlstand der Europäer von Entscheidungen über KI abhängig macht, die von ausländischen Unternehmen und Regierungen getroffen werden. Oder Europas Führungskräfte stellen sich dieser Herausforderung und finden den Mut, entschlossen und unverzüglich zu handeln, damit Europa die Wende schafft und in einer durch KI transformierten Welt erfolgreich besteht.</p>
<p>Von Washington bis Peking behandelt jede andere Großmacht KI mit der Ernsthaftigkeit, die ihr zusteht. Es steht außer Frage, dass KI den Verlauf unser aller Zukunft bestimmen wird – ob im öffentlichen Dienst oder in den Unternehmen, von denen unsere Beschäftigung abhängt. Deshalb ist es nicht nur wichtig, sondern unerlässlich, dass die gesamte Union ihre Anstrengungen verzehnfacht.“</p>
<p><strong>Monika Schnitzer</strong>, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Mitentwicklerin der Strategie, ergänzte: „Unseren Prognosen zufolge benötigt Europa bis 2030 45 Gigawatt an zusätzlicher Energie für Datenzentren, wenn es bei dieser kritischen Infrastruktur nicht von ausländischen Mächten abhängig sein will. Dafür sind Investitionen in der Größenordnung von 1,3 Billionen Euro erforderlich, und europäische Unternehmen allein werden das nicht stemmen können. Deshalb müssen wir mehr für Investitionen aus dem Ausland tun.“</p>
<p><strong>Clemens Fuest</strong>, Präsident des ifo Instituts und Mitautor, sagte: „Europa droht ohne entschlossenes Handeln ab diesem Jahr eine dauerhafte Marginalisierung. Europäische Modellentwickler erwirtschaften zusammen weniger als 2 % des Umsatzes von nur zwei US-amerikanischen Konkurrenten, der Ausbau von Datenzentren ist im internationalen Vergleich ungenügend. Die europäischen Institutionen sind nicht dafür gerüstet, einen raschen und holprigen Übergang zur transformativen KI zu bewältigen. Insgesamt bedroht dieser Status quo den Wohlstand, die Souveränität und die Sicherheit aller Europäer.“</p>
<h6>Empfehlungen der Transformative-AI-Strategie</h6>
<p>Mitgliedstaaten und Europäische Kommission sollten die folgenden <strong>unmittelbaren Ziele </strong>mit höchster Dringlichkeit verfolgen:</p>
<h6>Eine Allianz der Mitgliedstaaten für sichere Lieferketten schaffen.&nbsp;</h6>
<p>Europäische Länder beherbergen zentrale Engpassstellen der globalen KI-Lieferkette, nutzen deren strategisches und wirtschaftliches Potenzial jedoch nicht aus. Eine Allianz williger Mitgliedstaaten könnte dies in Abstimmung mit der Europäischen Kommission zum Nutzen der gesamten Union ändern.</p>
<h6>Europäische Institutionen fit für eine transformative KI-Welt machen.&nbsp;</h6>
<p>Spitzen-KI-Expertise und -Technologie in die europäischen Institutionen holen, damit diese mit der technologischen Entwicklung Schritt halten können.</p>
<h6>Europas Anteil an globaler KI-Rechenleistung auf "europäische Art" sichern.&nbsp;</h6>
<p>KI-Rechenzentren auf europäischem Boden ermöglichen dauerhaften Zugang zu ausländischen KI-Modellen und verhindern Abhängigkeiten. Europa sollte deren Bau deutlich erleichtern und zugleich verlangen, dass KI-Unternehmen sicherstellen, dass lokale Gemeinschaften davon profitieren. Ziel sollte ein Anteil von 15 % an der weltweiten KI-Rechenzentrumskapazität bis 2030 sein – gegenüber derzeit rund 5 %.</p>
<h6>Resilienz gegenüber KI-Krisen sicherstellen.&nbsp;</h6>
<p>Transformative KI könnte erhebliche Bedrohungen für die öffentliche Sicherheit mit sich bringen und großflächige Katastrophen auslösen. Europa sollte unter anderem kritische Infrastrukturen härten, Krisenressourcen vorhalten und die Fähigkeit aufbauen, durch KI ermöglichte Cyber-, biologische und Kontrollverlust-Vorfälle zu bewältigen.</p>
<h6>Europa zum globalen Marktführer bei Prüf- und Sicherungstechnologie machen.&nbsp;</h6>
<p>Europa zum Innovationsführer bei KI-Hardware machen, deren Sicherheit und Nutzungsmuster nachweisbar sind – eine mögliche Voraussetzung dafür, ausländische Spitzenmodelle zu beherbergen und die Einhaltung künftiger internationaler KI-Vereinbarungen zu überprüfen.</p>
<p>Mitgliedstaaten und Europäische Kommission sollten zudem weitere Ziele entlang drei Säulen verfolgen:</p>
<h6>Zugang zu Spitzen-KI sichern.</h6>
<p>Europa sollte seine technologischen und wirtschaftlichen Stärken nutzen, um verlässlichen Zugang zu ausländischen Spitzen-KI-Fähigkeiten zu verhandeln – und diese Werte zugleich vor ausländischer Übernahme oder Wertverlust schützen.</p>
<h6>Wirtschaftliche Stärke aufbauen.&nbsp;</h6>
<p>Europa muss zu einem attraktiven Standort für schnell wachsende Unternehmen werden, um zu einem unverzichtbaren Teil der KI-Wertschöpfungskette zu werden – durch längst überfällige Reformen, den Ausbau bestehender Stärken und gezielte Wetten auf vielversprechende neue Zukunftsfelder.</p>
<h6>Sicherheit gewährleisten.</h6>
<p>Die Europäische Kommission sollte sicherstellen, dass die Durchsetzung ihres Code of Practice zur Minderung extremer ("systemischer") Risiken durch Spitzen-KI – von vielen, auch den regulierten Unternehmen, als angemessen gelobt – auf technischen Bewertungen und nicht auf politischen Erwägungen beruht. EU-Mitgliedstaaten sollten Beschäftigte vor Verwerfungen am Arbeitsmarkt schützen.</p>
<h6>Über die Transformative-AI-Strategie&nbsp;</h6>
<p>Entwickelt von einer Koalition weltweit anerkannter und maßgeblicher Politiker, Ökonomen und KI-Experten, ist die Transformative-AI-Strategie ein Handlungsleitfaden für Europa.</p>
<p>Aufbauend auf jahrzehntelanger Expertise und praktischer Erfahrung aller Autorinnen, Autoren und Beraterinnen und Berater bietet die Strategie mehr als 40 Empfehlungen, die von den EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission aufgegriffen werden können, damit Europa und seine Bürgerinnen und Bürger in einer Welt transformativer KI erfolgreich bestehen können.&nbsp;</p>
<p><a href="https://transformative-ai.eu/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Strategie herunterladen</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.ifo.de/pressemitteilung/2026-09-14/top-oekonomen-warnen-vor-marginalisierung-europas-im-internationalen-ki" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (ifo)</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>ifo Institut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V.</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Projekte</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7620</guid>
                        <pubDate>Mon, 14 Sep 2026 17:15:00 +0200</pubDate>
                        <title>CAR-T-Zelltherapie gegen Rheuma</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/car-t-zelltherapie-gegen-rheuma</link>
                        <description>Fehlgeleitete Immunzellen könnten dafür sorgen, dass rheumatoide Arthritis immer wieder aufflammt. Die Behandlung mit genveränderten Abwehrzellen ermöglichte bei ersten Betroffenen nun eine Remission.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>CAR-T-Zellen sind körpereigene Abwehrzellen, die im Labor gentechnisch verändert werden. Dadurch können sie gezielt bestimmte B-Zellen erkennen und beseitigen – Immunzellen, die bei rheumatoider Arthritis an der Entzündung beteiligt sein können. In einer weltweit ersten klinischen Studie von Kolleg:innen aus der Liaison-Gruppe von Prof. Dr. Gerhard Krönke, Leiter Klinik für Rheumatologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem DRFZ wurden sechs Patient:innen mit besonders schwer kontrollierbarer rheumatoider Arthritis mit dieser Zelltherapie behandelt. Bei allen ging die Krankheitsaktivität deutlich zurück; drei Patient:innen waren bis zum Ende der bis zu einjährigen Beobachtungszeit ohne Rheumamedikamente in anhaltender Remission. Die Ergebnisse der an der Charité initiierten COMPARE-Studie, an der auch Wissenschaftler:innen des DRFZ beteiligt waren, wurden im Fachjournal <em>Nature Medicine</em> veröffentlicht.</p>
<p>Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Gelenke angreift. Das führt zu wiederkehrenden Entzündungen, geschwollenen Gelenken und im weiteren Krankheitsverlauf zu Gelenkschäden. Derzeit verfügbare Therapien können das Entzündungsgeschehen oft gut eindämmen, in aller Regel heilen sie die Erkrankung aber nicht. Betroffene müssen daher lebenslang Medikamente einnehmen, darunter Entzündungshemmer oder auch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, mit allen damit verbundenen Nebenwirkungen.</p>
<p>Bei einigen Patient:innen wirken selbst mehrere und neuere Therapien nicht ausreichend. Mediziner:innen sprechen dann von einer therapieresistenten Erkrankung. Für die Betroffenen heißt das: anhaltende Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und erhebliche Einschnitte in die Lebensqualität. „Ein Grund dafür könnten fehlgeleitete B-Zellen sein, also Gedächtniszellen des erworbenen Immunsystems, die möglicherweise nach einer Infektion in Lymphknoten, Knochenmark oder Gelenkgewebe überleben und dort krankmachende, gegen den eigenen Körper gerichtete Antikörper bilden und die Entzündung immer aufs Neue anfachen“, sagt Prof. David Simon, der die aktuelle Studie zusammen mit Prof. Gerhard Krönke an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité für genau diese Patientengruppe entworfen hat.</p>
<p>Die Hoffnung der Forschenden: CAR-T-Zellen, im Labor genetisch veränderte, körpereigene Abwehrzellen, könnten die fehlgeleiteten B-Zellen gezielt und auch tief im Gewebe aufspüren, das krankhafte B-Zell-Gedächtnis möglichst tiefgreifend zurücksetzen und so gewissermaßen einen Neustart des B-Zell-Systems ermöglichen.</p>
<h6><strong>Zelluläre Therapie stellt das Immunsystem neu auf</strong></h6>
<p>Eigentlich für die Krebstherapie entwickelt, werden CAR-T-Zellen inzwischen immer breiter eingesetzt. Während Immunzellen von Patient:innen bei einer Krebserkrankung „Nachhilfe“ darin erhalten, Tumorzellen spezifisch zu erkennen und unschädlich zu machen, ist das Ziel bei Autoimmunerkrankungen, die Aufmerksamkeit von Abwehrzellen auf fehlgeleitete Gedächtniszellen zu lenken. „Das Erkennungszeichen vieler B-Zellen, sowohl das krankhafter B-Zellen bei Krebserkrankungen des Bluts oder der Lymphe als auch das fehlgeleiteter B-Zellen bei rheumatoider Arthritis, ist das Oberflächenmolekül CD19 – man könnte sagen, es ist eine Art ‚Namensschild‘“, erklärt David Simon. „Damit sie als CAR-T-Zellen die krankmachenden Zellen entdecken und beseitigen können, statten wir patienteneigene Abwehrzellen mit genau dieser Information aus – sozusagen einem Suchsensor, der das Molekül CD19 erkennt.“</p>
<p>Für eine solche CD19-CAR-T-Zell-Therapie werden Patient:innen zunächst T-Zellen aus dem Blut entnommen, das sind Abwehrzellen, die normalerweise infizierte oder krankhaft veränderte Zellen erkennen und beseitigen. Im Labor werden diese Zellen gentechnisch verändert und mit dem entscheidenden Erkennungsmerkmal versehen, dem chimären, also künstlichen, Antigenrezeptor, kurz CAR, der zielgenau an das Molekül CD19 andockt. Bevor Patient:innen die veränderten Abwehrzellen mit einer einmaligen Infusion zurückerhalten können, muss eine kurze vorbereitende Chemotherapie Platz im Immunsystem schaffen. Dabei wird die Zahl bestimmter Immunzellen vorübergehend reduziert, damit sich die CAR-T-Zellen anschließend gut vermehren und ihre Aufgabe erfüllen können. Zurück im Körper beginnen die veränderten Abwehrzellen nach dem Kennzeichen CD19 zu suchen und greifen Zellen mit diesem Merkmal gezielt an. Vorübergehend entfernen sie dabei alle CD19-tragenden B-Zellen, was einen Neustart des Immunsystems ermöglicht und dazu beiträgt, auch die langlebigen und sonst schwer erreichbaren krankhaften B-Zellen in den Gelenken auszuschalten.</p>
<h6><strong>Geht der Plan bei schwer behandelbarer rheumatoider Arthritis auf?</strong></h6>
<p>Für die weltweit erste klinische Studie, die die Wirksamkeit eines CD19-CAR-T-Zell-Präparats bei rheumatoider Arthritis prüfen soll, hat das Forschungsteam an der Charité zunächst sechs Patient:innen mit besonders schwerem Krankheitsverlauf zur Behandlung ausgewählt. Die drei Frauen und drei Männern im Alter von 31 bis 69 Jahren hatten in den vergangenen Jahren bis zu acht neuere zielgerichtete oder biologische Therapien erhalten, alle hatten nicht ausreichend geholfen.</p>
<p>Die nun entscheidende Frage: Können CAR-T-Zellen die fehlgeleiteten B-Zellen in den Gelenken aufspüren und ist ihr Einsatz nicht nur wirksam, sondern auch sicher? Die Ergebnisse des ersten Teils der COMPARE-Studie sind für die Forschenden wegweisend: „Bei allen sechs Behandelten ging die Krankheitsaktivität deutlich zurück. Drei der Patient:innen waren zum Ende der Beobachtungszeit von bis zu einem Jahr ohne jegliche Rheumamedikation in einer anhaltenden Ruhephase der Erkrankung, wir nennen diesen Zustand ‚Remission‘“, so Gerhard Krönke, der die gemeinsame Arbeitsgruppe Klinische Rheumatologie an der Charité und dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ), einem Leibniz-Institut, leitet. „Das ist besonders bemerkenswert, da bei ihnen bisher keine der bekannten Therapien die Beschwerden ausreichend lindern konnte.“</p>
<p>Offenbar konnte die Zelltherapie nicht nur die Entzündung in den Gelenken vorübergehend bremsen, die veränderten Abwehrzellen haben krankheitsfördernde B-Zellen auch in tiefer liegenden Rückzugsorten wie Knochenmark, Lymphknoten und Gelenkgewebe ausfindig gemacht und beseitigt. Die für die rheumatoide Arthritis typischen Autoantikörper waren stark zurückgegangen, stellte das Forschungsteam bei den regelmäßigen Nachuntersuchungen der behandelten Patient:innen in den darauffolgenden zwölf Monaten fest.</p>
<p>Mehr noch: „Als sich das B-Zell-System später wieder erholte, kehrten überwiegend junge, noch nicht durch die Erkrankung geprägte B-Zellen zurück. Die zuvor vorhandenen, gegen den eigenen Körper gerichteten B-Zellen hingegen waren bei fast allen Behandelten vorerst nicht mehr nachweisbar – ein Hinweis darauf, dass die Behandlung das fehlerhafte Immungedächtnis tatsächlich zurücksetzen kann“, betont David Simon. Dagegen blieben schützende Antikörper etwa gegen Windpocken oder Erreger wie Tetanus aus früheren Impfungen erhalten. Trotz der tiefen B-Zell-Beseitigung geht offenbar nicht das gesamte schützende Antikörpergedächtnis verloren. Mögliche Auswirkungen der Therapie auf das Immunsystem über längere Zeiträume hinweg müssen allerdings noch erforscht werden.</p>
<h6><strong>Erste Erfolge und gleichzeitig noch ein Stück des Weges</strong></h6>
<p>Die Studie zeigt, dass nach einer einmaligen CAR-T-Zell-Therapie bei einzelnen Patient:innen eine länger anhaltende Beschwerdefreiheit ohne Medikation, ein Ruhen der Erkrankung, eine Remission, möglich ist. Statt der Versuche, die Entzündung in den Gelenken dauerhaft medikamentös zu unterdrücken, könnte es zukünftig bei ausgewählten Patient:innen mit rheumatoider Arthritis und ausbleibendem Behandlungserfolg möglich sein, das fehlgeleitete immunologische Gedächtnis gezielt zurückzusetzen und so die fortwährenden Entzündungen zu stoppen.</p>
<p>Dennoch bleibt die CAR-T-Zell-Therapie bei Autoimmunerkrankungen und insbesondere bei rheumatoider Arthritis weiterhin experimentell. Langzeiterfahrungen gibt es noch nicht. Außerdem haben bei der aktuellen Untersuchung nicht alle behandelten Patient:innen gleich stark auf die Therapie reagiert. Ein Teil sprach nicht vollständig an und in einem Fall kehrte die Erkrankung nach einer zunächst medikamentenfreien Ruhephase zurück. Die bisherigen Daten zur Sicherheit einer Behandlung bewerten die Forschenden dagegen als ermutigend: „Nachdem die Teilnehmenden die CD19-CAR-T-Zellen erhalten hatten, beobachteten wir bei allen lediglich vorübergehend eine leichte bis mäßige Entzündungsreaktion, die sich gut behandeln ließ. Schwere neurologische Komplikationen oder andere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Infektionen gab es kaum“, erklärt Dr. Marie Luise Hütter-Krönke,&nbsp;Ärztliche Leiterin der hämatologischen Studienzentrale der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am <a href="https://www.charite.de/service/glossar/begriff/campus/" target="_blank" rel="noreferrer">Campus</a> Benjamin Franklin.</p>
<p>In einem zweiten Studienabschnitt mit zehn weiteren Patient:innen werden die Forschenden den neuen Therapieansatz mit einem bei rheumatoider Arthritis bereits zugelassenen Medikament, das sich ebenfalls gegen B-Zellen richtet, vergleichen. Auf diese Weise wollen sie klären, ob CAR-T-Zellen stärker und länger wirken und das Immungedächtnis tatsächlich zurücksetzen. Bestätigt sich das neue Konzept in dieser und weiteren, größeren Studien, könnte es langfristig zu einer Alternative für Patient:innen werden, deren Leben stark beeinträchtigt ist und für die es bisher keine ausreichende Behandlung gibt.</p>
<h6>Originalpublikation</h6>
<p>Albach, F.N., Rehm, M.C., Hütter-Krönke, M.L. et al. CD19 CAR T cell therapy for treatment-refractory seropositive rheumatoid arthritis: a phase 1 trial. Nat Med (2026). <a href="https://www.nature.com/articles/s41591-026-04603-3" target="_blank" rel="noreferrer">https://doi.org/10.1038/s41591-026-04603-3</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.drfz.de/neuigkeiten/car-t-zelltherapie-zeigt-wirkung-bei-schwerer-rheumatoider-arthritis/?utm_source=brevo&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=DRFZ%20Newsletter%20September%202026" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin (DRFZ) </a></p>
<p><a href="https://www.charite.de/service/pressemitteilung/artikel/detail/zelltherapie_bei_schwerer_rheumatoider_arthritis_erfolgreich/" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung de Charité – Universitätsmedizin Berlin</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin</category>
                            
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                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <guid isPermaLink="false">news-7624</guid>
                        <pubDate>Mon, 14 Sep 2026 12:15:44 +0200</pubDate>
                        <title>Neues Licht, weniger Stress für Insekten</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/verringerter-lichtstress-fuer-insekten</link>
                        <description>Amberfarbene LEDs ziehen deutlich weniger fliegende Insekten an als herkömmliche Bahnhofsbeleuchtung. Die Deutsche Bahn hat auf Basis dieser Studienergebnisse bereits erste Bahnhöfe umgerüstet.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p class="p-text">Eine neu getestete LED-Leuchte reduziert die Anziehung von fliegenden Insekten an Bahnhöfen drastisch. Das zeigt das Forschungsprojekt BALIN unter Realbedingungen im Natur- und Sternenpark Westhavelland. Anlässlich der&nbsp;<a href="https://www.earth-night.info/" target="_blank" rel="noreferrer">Earth Night</a>, die ein Zeichen gegen übermäßiges künstliches Licht im Freien setzen soll, ist dies ein vielversprechendes Ergebnis für den Schutz von Insekten.</p>
<p class="p-text">An sechs ländlichen Bahnhöfen im Westhavelland wiesen Forschende des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) gemeinsam mit ihren Projektpartnern nach, dass amberfarbene 1800 K LED-Leuchten im Vergleich zu aktuellen Standards bei Insekten rund 40 bis 50 Prozent weniger Individuen und bis zu 75 Prozent weniger Biomasse anziehen. „Wir konnten damit unter realen Bedingungen an Bahnhöfen zeigen, dass die Wahl der Lichtquelle und insbesondere ihre spektrale Zusammensetzung eine entscheidende Rolle für die Anziehung fliegender Insekten spielen“, erklärt Carmen Ludreschl, Forscherin des LIB im BALIN-Projekt. Der Impuls für die gemeinsame Studie kam von der Deutschen Bahn, die nach Wegen sucht, ihre Beleuchtung insektenfreundlicher zu gestalten. Die Ergebnisse erschienen kürzlich in der Fach-Zeitschrift <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006320726002764?via%3Dihub" target="_blank" rel="noreferrer">Biological Conservation</a><u>.</u></p>
<h6 class="p-text"><strong>Die Ergebnisse im Überblick</strong></h6>
<ul> 	<li>Die amberfarbene 1800 K LED lockte signifikant weniger Insekten an als der aktuelle Standard (kaltweiße 4000 K LED) und die alten Natriumhochdruckdampflampen (2000 K).</li> 	<li>Die Zahl der betroffenen Arten sank bei der 1800 K LED um zehn bis 20 Prozent – darunter auch gefährdete und gesetzlich geschützte Arten.</li> 	<li>Obwohl Natriumhochdruckdampflampen ein optisch „wärmeres“ Licht (2000 K) abgeben, zogen sie Insekten ähnlich stark an wie kaltweiße 4000 K LEDs.</li> 	<li>Auch die optimierte 1800 K LED lockte mehr Insekten an als unbeleuchtete Kontrollorte. Echtes insektenfreundliches künstliches Licht gibt es nicht – Ausschalten bleibt die beste Wahl. Wo dies keine Option ist, etwa an Bahnhöfen, können geeignete Lichtfarbe und Emissionsspektrum, Dimmen und Abschirmen die Auswirkungen auf Insekten reduzieren.</li> </ul>
<h6><strong>Vom Labor in die Praxis: Die Deutsche Bahn rüstet um</strong></h6>
<p>Die Deutsche Bahn hat auf Basis der Ergebnisse bereits reagiert: Alle untersuchten Bahnsteige sowie ein weiterer Bahnhof wurden dauerhaft auf die neuen 1800 K LEDs umgestellt. Zudem wurde das Leuchtmittel in die offizielle Leuchtenauswahlliste der DB InfraGO AG aufgenommen. Die Umrüstung zeigt ein neues Verständnis von Nachhaltigkeit, das nicht nur Klimaschutz, sondern auch Biodiversitätserhalt im Fokus hat: Die amberfarbenen LEDs verbrauchen zwar geringfügig mehr Strom als herkömmliche kaltweiße 4000 K LEDs, bieten dafür aber einen messbaren Mehrwert für die Biodiversität. Ein positiver Nebeneffekt: In informellen Befragungen wurde das wärmere Licht von einigen Kundinnen und Kunden als angenehmer wahrgenommen.&nbsp;</p>
<h6 class="p-text"><strong>Rechtliche Hürden bremsen den flächendeckenden Rollout</strong></h6>
<p class="p-text">Ein flächendeckender Einsatz an allen Bahnhöfen ist für die Bahn derzeit jedoch kompliziert. Zum einen erlauben die geltenden EU-Beleuchtungsnormen und Sicherheitsrichtlinien den Einsatz der 1800 K LEDs aktuell nur an nicht überdachten Bahnsteigen. Zum anderen steht der Paragraf 46a des Bundesnaturschutzgesetzes (Schutz von Tieren und Pflanzen vor den Auswirkungen von Beleuchtungen) noch unter dem Vorbehalt einer ausstehenden Rechtsverordnung. Solange die rechtlichen Vorgaben unklar sind, sind die langfristige Planung und weitere Umrüstungen für die Bahn schwierig. Auch neue Forschungsausschreibungen zum Thema Lichtverschmutzung fehlen derzeit<strong>.</strong></p>
<h6 class="p-text"><strong>Signalwirkung für Gärten und Kommunen zur Earth Night</strong></h6>
<p class="p-text">Die Initiatoren des Projekts, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wurde, hoffen auf eine Signalwirkung weit über den Schienenverkehr hinaus. Pünktlich zur heutigen „Earth Night“ betonen die Forschenden, dass Lichtverschmutzung das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt. Verlieren Insekten die Orientierung am Licht und verenden infolgedessen teilweise, fehlen sie als Nahrung für Vögel oder Fledermäuse und fallen für die Bestäubung aus.</p>
<p class="p-text">Die Erkenntnisse lassen sich direkt auf den privaten Raum übertragen. „Auch bei Solarlampen sollte man darauf achten, dass sie nicht unnötig die ganze Nacht brennen“, betont Ludreschl. Auch im eigenen Garten gilt: Lichtfarbe anpassen, Leuchten abschirmen, dimmen oder am besten abschalten.</p>
<h6 class="p-text">Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://leibniz-lib.de/de/news/11092026-neues-leuchtmittel-an-bahnhoefen-verringert-lichtstress-fuer-insekten.html" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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                        <pubDate>Mon, 14 Sep 2026 10:31:00 +0200</pubDate>
                        <title>Rückkehr mit Nachwuchs</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/rueckkehr-mit-nachwuchs</link>
                        <description>Erfolg für den Artenschutz: Erstmals seit rund 200 Jahren wurden zwei Przewalski-Fohlen in der zentralkasachischen Steppe geboren.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Im Wiederansiedlungszentrum Alibi in der Altyn-Dala-Steppe sind erstmals seit rund 200 Jahren Przewalski-Pferde auf zentralkasachischem Boden geboren worden. Zwei männliche Fohlen wurden im August 2026 geboren und sind der erste Nachwuchs der Wildpferde, die im Rahmen eines internationalen Wiederansiedlungsprojekts in ihre ursprüngliche Heimat zurückgebracht wurden. Mütter sind zwei Stuten, die vor zwei Jahren aus dem Tierpark Berlin nach Kasachstan reisten. Möglich wurde dieser Erfolg durch die langjährige Zusammenarbeit von zoologischen Einrichtungen, Naturschutzorganisationen, Forschungsinstituten und politischen Institutionen aus Europa und Asien.</p>
<p>Für die Berliner Stute Tessa ist das am 22. August geborene Fohlen der erste Nachwuchs. Und es blieb nicht bei einer Geburt: Am 30. August kam ein zweites Fohlen in Alibi zur Welt. Seine Mutter Umbra wurde ebenfalls 2024 aus Berlin nach Kasachstan gebracht. Beide Stuten gehörten zu den ersten sieben Przewalski-Pferden, die unter Leitung des Zoo Prag nach Kasachstan transportiert wurden, um dort eine stabile Population aufzubauen. Beide Fohlen sind wohlauf und standen bereits kurze Zeit nach der Geburt auf eigenen Beinen. Die Jungtiere werden nun gemeinsam mit der Herde in der weitläufigen Steppe aufwachsen – in einem Lebensraum, aus dem Przewalski-Pferde rund 200 Jahre lang verschwunden waren.</p>
<p>Dieses Wiederansiedlungsprogramm wird von einem internationalen Konsortium koordiniert, zu dem der Tiergarten Nürnberg, der Prager Zoo, das Forestry and Wildlife Committee des Ministry of Ecology, Geology and Natural Resources der Republik Kasachstan, die ACBK, die ZGF, der Tierpark Berlin und der Hortobágy-Nationalpark gehören. Das Management vor Ort, die tierärztliche Betreuung und die ökologische Überwachung werden von der Altyn Dala Conservation Initiative gemeinsam mit dem Leibniz-IZW durchgeführt. Die Altyn Dala Conservation Initiative wurde 2005 zum Schutz und zur Wiederherstellung der einzigartigen Steppenökosysteme Kasachstans gegründet, 2023 als „UN World Restoration Flagship“ anerkannt und 2024 mit dem Earthshot Prize ausgezeichnet. Das langfristige Ziel des Konsortiums ist es, bis zum Jahr 2029 insgesamt 40 bis 45 Wildpferde in die Turgai-Steppe in Zentralkasachstan zu entlassen.</p>
<p>Das Przewalski-Pferd (<em>Equus przewalskii</em>) war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Wildnis ausgestorben und überlebte nur dank internationaler Zuchtprogramme in Zoos. Heute soll sie im Rahmen des Projekts „Return of the Wild Horses“ unter der Leitung des Zoo Prag wieder dauerhaft in ihrer ursprünglichen Heimat angesiedelt werden. In der Mongolei und China ist dies bereits gelungen ­– Kasachstan ist damit das dritte Land, das wieder eine Heimat für die wilden Pferde werden könnte. Die ersten sieben Przewalski-Pferde aus dem Tierpark Berlin und dem Zoo Prag erreichten Kasachstan 2024. 2026 folgten vier Stuten aus dem Tiergarten Nürnberg, dem Marwell Zoo in Großbritannien und dem Tierpark Berlin sowie vier Hengste. Im Wiederansiedlungszentrum Alibi wurden sie zunächst in großzügigen Akklimatisierungsgehegen untergebracht. In den Bau des Zentrums ist die tierhalterische Expertise von Zoos eingeflossen; die ersten Anlagen in Alibi wurden bereits im Jahr 2012 in Zusammenarbeit der kasachischen Partner mit Fachleuten des Tiergarten Nürnberg angelegt. In Alibi konnten sich die Pferde ein Jahr lang an das Klima, die Landschaft und die natürlichen Bedingungen ihrer neuen Heimat gewöhnen. Temperaturen von bis zu -40 Grad im Winter und die raue Umgebung der kasachischen Steppe stellen besondere Anforderungen an die Tiere.</p>
<p>Das Wiederansiedlungsprojekt ist Teil der „Altyn Dala Conservation Initiative“ und damit eines umfassenden Vorhabens zur Wiederherstellung der zentralasiatischen Steppenökosysteme, zu dessen Zielen auch die Erholung der Bestände der Saiga-Antilopen gehört. Als große Pflanzenfresser halten Przewalski-Pferde die Landschaft offen, verbreiten Samen und schaffen Lebensräume für zahlreiche weitere Arten. Darüber hinaus können sie dazu beitragen, die Ausbreitung von Bränden in der Steppe zu begrenzen. Durch ihr Grasen halten sie die Vegetation kurz und reduzieren so potenziell die Menge an brennbarem Pflanzenmaterial. Neben den Przewalski-Pferden engagiert sich die Initiative auch für die Wiederansiedlung einer weiteren wichtigen Weidetierart, die aus der zentralkasachischen Steppe verschwunden war: dem Asiatischen Esel, auch Kulan genannt.</p>
<h6>Statements</h6>
<p><strong>Julia Bohner</strong>, Tierärztin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung:</p>
<p><em>„Während ihres ersten Jahres in Kasachstan begleiten wir die Pferde bei der Eingewöhnung intensiv und sind für ihre tiermedizinische Betreuung verantwortlich. Dass sich die Tiere in ihrer neuen Heimat so gut eingelebt haben, dass sie sich hier erfolgreich fortpflanzen und nun die ersten Fohlen geboren wurden, ist für uns ein ganz besonderes Zeichen. Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind – und lässt uns hoffen, dass in den kommenden Jahren noch viele weitere Fohlen folgen werden.“</em></p>
<p><strong>Anne Dohrmann</strong>, Projektbeauftragte der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Die ZGF engagiert sich seit 2006 in Zentralkasachstan und ist Gründungsmitglied der „Altyn Dala Conservation Initiative“:</p>
<p><em>„Als vor rund zwei Jahren die ersten Wildpferde wieder ihre Hufe in die kasachische Steppe setzten, sehnten wir den Tag herbei, an dem hier das erste Fohlen geboren wird. Heute ist diese Vision Wirklichkeit geworden. Für unser gesamtes Team ist dies ein sehr emotionaler Moment, der Hoffnung gibt. Die beiden Fohlen sind der lebendige Beweis dafür, dass wir gemeinsam Großes schaffen können, für die Wildpferde und für das Ökosystem von Altyn Dala.“ </em></p>
<p><strong>Michael Brombacher</strong>, Leiter der Europareferats der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt:</p>
<p><em>„Die Rückkehr der Przewalski-Pferde ist weit mehr als die Wiederansiedlung einer einzelnen Art. Große Wildtiere, die Pflanzen fressen, sind ein wichtiger Bestandteil natürlicher Steppenökosysteme und prägen diese Landschaften durch ihre Beweidung. Dass nun die ersten Fohlen geboren wurden, ist deshalb nicht nur ein wichtiger Schritt für die Wildpferde, sondern auch für die langfristige Wiederherstellung der zentralkasachischen Steppe. Wir sind auf einem guten Weg.“</em></p>
<p><strong>Vera Voronova</strong>, Direktorin der Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK):</p>
<p><em>„Die Geburt des ersten Fohlens ist das Ergebnis einer enormen Menge an Arbeit, die lange vor der Ankunft der Pferde in Kasachstan begonnen hat“, sagte „Die Vorbereitung des Geländes und der Infrastruktur, die Organisation der komplexen Logistik für den Transport der Tiere, ihre Eingewöhnung sowie die tägliche Überwachung und Versorgung durch Fachleute, all dies war entscheidend, damit sich die Pferde erfolgreich an ihre neue Umgebung anpassen konnten. Nun steht eine neue Aufgabe vor uns, denn wir müssen das Wachstum und die Entwicklung der ersten in Kasachstan geborenen Przewalski-Pferde beobachten. Wir hoffen, dass diese erste Generation den Grundstein für eine sich selbst erhaltende Population legen wird.“</em></p>
<p><strong>Dr. Andreas Knieriem</strong>, Direktor von Zoo und Tierpark Berlin:</p>
<p><em>„Die Geburt dieses Fohlens zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn zoologische Einrichtungen, Naturschutzorganisationen, Wissenschaft und Behörden langfristig zusammenarbeiten. Sie motiviert uns, unsere Arbeit konsequent fortzuführen. Denn der größte Erfolg im Artenschutz ist nicht die erfolgreiche Zucht in menschlicher Obhut, sondern wenn eine Art wieder dort leben kann, wo sie ursprünglich zu Hause war.“</em></p>
<p><strong>Lenka Poliaková</strong>, Direktorin des Zoo Prag:</p>
<p><em>„Dass nach Jahrhunderten wieder ein Przewalski-Fohlen in Zentralkasachstan geboren wurde, ist ein wichtiger und zugleich sehr freudiger Meilenstein. Es ist nur einer von vielen Schritten auf dem Weg zu einer erfolgreichen Wiederansiedlung dieser Art in der Altyn-Dala-Steppe. Aber es ist ein Meilenstein, der unbedingt notwendig ist. Nachrichten wie die Geburt dieses Fohlens geben allen, die an diesem Projekt beteiligt sind, neue Energie, diesen Weg weiterzugehen.“</em></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://www.izw-berlin.de/de/pressemitteilung/nach-200-jahren-erste-przewalski-fohlen-in-der-zentralkasachischen-steppe-geboren.html" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemittetilung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) </a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung</category>
                            
                                <category>Lebenswissenschaften</category>
                            
                                <category>Projekte</category>
                            
                        
                        
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                    <item>
                        <guid isPermaLink="false">news-7621</guid>
                        <pubDate>Fri, 11 Sep 2026 12:27:36 +0200</pubDate>
                        <title>Frühe Teilhabe am Kapitalmarkt</title>
                        <link>https://www.leibniz-gemeinschaft.de/mainnavigation/neues/forschungsnachrichten/forschungsnachrichten-single/newsdetails/fruehe-teilhabe-am-kapitalmarkt</link>
                        <description>Die Frühstartrente bietet große Chancen für Deutschlands Aktienkultur, sagen Finanzökonominnen – wenn sie richtig ausgestaltet wird. Ein neues White Paper gibt Empfehlungen.</description>
                        <content:encoded><![CDATA[<p>Am 12. August hat das Bundeskabinett die Frühstartrente beschlossen. Die Initiative soll jungen Menschen frühzeitig beim Aufbau von Altersvorsorgekapital unterstützen und mit den Chancen des Kapitalmarkts vertraut machen. Auch die Kinder, deren Eltern keinen individuellen Vertrag für ihr Kind abschließen, sollen durch eine sogenannte kollektive Anlage eingebunden werden, so dass ihnen kein Startkapital verloren geht. &nbsp;</p>
<p>Finanzökonominnen betonen in einer aktuellen Untersuchung, wie wichtig klare und unabhängige Strukturen dieser automatischen Default-Kapitalanlage sind. Die Autorinnen<a href="https://www.zew.de/team/tbk/" target="_blank" rel="noreferrer"> Tabea Bucher-Koenen</a> (ZEW Mannheim und Universität Mannheim), <a href="https://safe-frankfurt.de/research/researchers/researchers-details/showauthor/730-laudenbach.html" target="_blank" rel="noreferrer">Christine Laudenbach</a> (SAFE), <a href="https://safe-frankfurt.de/policy-center/about/policy-advisor-ulrike-malmendier.html" target="_blank" rel="noreferrer">Ulrike Malmendier</a> (University of California, Berkeley und SAFE), <a href="https://safe-frankfurt.de/research/researchers/researchers-details/showauthor/1545-schaffranka.html" target="_blank" rel="noreferrer">Claudia Schaffranka</a> (SAFE) und <a href="https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/ueber-uns/wissenschaftlicher-stab/dr-milena-schwarz.html" target="_blank" rel="noreferrer">Milena Schwarz&nbsp;</a>(Sachverständigenrat Wirtschaft) empfehlen, ausschließlich in Aktien anzulegen und einer passiven, breitgestreuten und regelgebundenen Anlagestrategie zu folgen. Ihre Empfehlungen leiten die fünf Ökonominnen aus langjähriger Forschung auf den Gebieten Altersvorsorge, Aktienmarktteilnahme und Finanzbildung ab. &nbsp;</p>
<h6>Kapitalmarkterfahrungen prägen das Anlageverhalten&nbsp;</h6>
<p>Ulrike Malmendier, Direktorin des O’Donnell Centers für Behavioral Economics an der UC Berkeley und Distinguished Policy Advisor am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, fasst zusammen: „Aus der Forschung wissen wir, dass Menschen aus Erfahrungen lernen und persönliche Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt einen starken Einfluss auf ihr späteres Anlageverhalten haben. In Deutschland fehlte es bislang am einfachen Zugang zu breit diversifizierten Aktienanlagen.“&nbsp;</p>
<p>Christine Laudenbach, Leiterin der Abteilung Household Finance am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, betont: „Eine wichtige Hemmschwelle ist dabei die Vorstellung, sehr viel über Finanzmärkte wissen zu müssen, um bei der Geldanlage keine Fehler zu machen. Gerade diese wahrgenommene Komplexität kann Menschen davon abhalten, überhaupt mit dem Investieren zu beginnen. Durch die automatische Einbindung aller Familien kann die breite Bevölkerung mitgenommen werden. Die Frühstartrente ist ein Neuanfang und bietet enorme Chancen, die Aktienkultur in Deutschland nachhaltig zu ändern.“ Für eine nachhaltige Finanzmarkterfahrung brauche es daher hohe Transparenz und geringe Komplexität bei der Frühstartrente.&nbsp;</p>
<h6>Politische Vorgaben und Umsetzung trennen</h6>
<p>„Erfahrungen aus Schweden zeigen, dass die Ausgestaltung des Standardportfolios das Anlageverhalten der großen Mehrheit über Jahrzehnte prägt“, sagt Tabea Bucher-Koenen, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“. Auch eine Trennung zwischen den politischen Vorgaben und der operativen Umsetzung sei wichtig: „Für ein transparentes und stabiles System braucht es eine langfristige und konsequente Renditeorientierung, ein professionelles Management und eine unabhängige Aufsicht durch Kapitalmarktexperten.“&nbsp;</p>
<p>Die Frühstartrente soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Nach den Planungen der Bundesregierung soll das Gesetzgebungsverfahren bis November 2026 abgeschlossen werden, damit die Umsetzung rechtzeitig vorbereitet werden kann. Laut den Autorinnen muss die im Referentenentwurf vorgeschlagene aktienbasierte Anlage dazu beibehalten werden. Sie sehen in dem Projekt große Chancen, nicht nur die Finanzbildung, sondern vor allem das Finanzverhalten nachhaltig zu unterstützen. Voraussetzung sei, dass unterschiedlichste Bevölkerungsschichten dadurch eigene Erfahrungen mit breit diversifizierten, kostengünstigen und damit ertragreichen Anlagen machen und diese durch gezielte Bildungsangebote unterstützt werden.&nbsp;&nbsp;</p>
<h6>Breit diversifiziertes Aktienportfolio&nbsp;&nbsp;</h6>
<p>Aktien haben historisch mit etwa 7 Prozent pro Jahr die höchsten realen Renditen erzielt. Deutlich höher als Anleihen. Bei einem langen Anlagehorizont haben diese Unterschiede eine erhebliche Auswirkung auf die spätere Rentenhöhe. Eine passive, regelgebundene Strategie hält dabei die Kosten niedrig und schützt vor dem Versuch, den Markt zu timen, oder vor kurzfristigem politischem Einfluss auf die Anlageentscheidungen.&nbsp;</p>
<p>Eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist der im Markt etablierte und transparente Standard. Alternativen, wie eine Gewichtung nach Wirtschaftsleistung (BIP-Gewichtung) können die Konzentration auf einzelne Länder und Unternehmen zusätzlich reduzieren.&nbsp; &nbsp;</p>
<h6>Publikation</h6>
<p><a href="https://safe-frankfurt.de/de/policy-center/publikationen/detailsview/publicationname/die-kollektive-loesung-der-fruehstartrente-empfehlungen-fuer-anlagestrategie-und-governance.html" target="_blank" rel="noreferrer">Die kollektive Lösung der Frühstartrente: Empfehlungen für Anlagestrategie und Governance (SAFE White Paper NO. 12</a></p>
<h6>Weitere Informationen und Kontakt</h6>
<p><a href="https://safe-frankfurt.de/de/aktuelles/alle-news/einzelansicht/the-earlystartpension-is-an-opportunity-to-gain-initial-experience-in-the-capital-markets.html" target="_blank" class="external" rel="noreferrer">Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE</a></p>]]></content:encoded>
                        
                            
                                <category>News</category>
                            
                                <category>Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE</category>
                            
                                <category>Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften</category>
                            
                                <category>Forschungsergebnis</category>
                            
                        
                        
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